Bislang noch ein Entwurf: Die jüdische Gemeinde möchte nach einem Plan des Frankfurter Architekten Alfred Jacoby auf einem Grundstück in der Fürstenbergallee ein Gemeindezentrum mit einer Synagoge errichten. | Foto: engel & haehnel GbR

Jüdische Gemeinde Baden-Baden

Streit beeinträchtigt die Pläne für die Synagoge nicht

Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Baden-Baden und die Israelitische Religionsgemeinschaft (IRG) Baden als Bauherr halten auch angesichts der aktuellen Debatte um einen geeigneten Standort an ihrem Vorhaben fest, auf einem Grundstück in der Fürstenbergallee ein Gemeindezentrum mit einer Synagoge zu bauen. Die IRG, der Oberrat der zehn badischen jüdischen Gemeinden, hat das Areal bereits gekauft, um dort einen Gebäudekomplex zu errichten, der neben der Synagoge Veranstaltungsräume und Sozialwohnungen enthalten soll. Der Oberrat möchte den Neubau der hiesigen jüdischen Gemeinde zur Verfügung stellen.

Aktionskreis kritisiert das Vorhaben

Ein vor einigen Wochen gegründeter Aktionskreis unter dem Namen „Neue Synagoge Baden-Baden“ kritisiert dieses Vorhaben und macht sich für einen Synagogen-Neubau am historischen Standort in der Stephanienstraße stark. Zudem wirft diese Initiative der Stadtverwaltung vor, sie habe der jüdischen Gemeinde bei der Bitte, ein geeignetes Grundstück zu finden oder zur Verfügung zu stellen, eine Absage erteilt.

Jüdische Gemeinde und Oberrat distanzieren sich von der Initiative

Rami Suliman, der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, bekräftigte auf BNN-Nachfrage, dass der Oberrat und die jüdische Gemeinde sich klar von dem Aktionskreis distanzierten: „Diese Gruppe spricht nicht für die IKG. Das sind ein paar Leute, die Stimmung machen. Das ist nicht in unserem Sinn.“ Die Baden-Badener Gemeinde habe sich in einer Versammlung mit über 90 Prozent für die Neubaupläne in der Fürstenbergallee ausgesprochen. Die IRG habe das Gespräch mit dem Aktionskreis gesucht, was dessen Vertreter jedoch abgelehnt hätten.

Gespräch im Baden-Badener Rathaus

Suliman betonte, es gebe auch keinen Streit mit der Stadt. „Wir sind auf einer Wellenlänge“, sagte der Vorsitzende des Oberrats. Er habe die klare Haltung der IRG bei einem Gespräch mit Oberbürgermeisterin Margret Mergen und Mitgliedern des Ältestenrats deutlich gemacht. Der geplante Standort nahe der B 500 sei sinnvoll, weil etwa 300 der rund 700 Gemeindemitglieder aus Rastatt und Bühl kämen. Das Gemeindezentrum an der Peripherie zur Innenstadt sei für sie besser zu erreichen als die jetzige Synagoge in der Werderstraße.

OB Margret Mergen will den Dialog voranbringen

Suliman hat eigenen Angaben zufolge im Rathaus jedoch darauf hingewiesen, dass die neue Synagoge zwar eine Einrichtung der jüdischen Gemeinde sei, aber auch ein Ort, der allen Bürgern offenstehe solle und an dem auch andere Veranstaltungen stattfinden könnten. Deshalb habe er die Stadt gebeten, sich an den Investitionskosten von rund fünf Millionen Euro zu beteiligen. Nach Auskunft der städtischen Pressestelle hat OB Mergen dazu aufgerufen, die Standortdiskussion zu versachlichen und den bisherigen Dialog voranzubringen.

Der Architekt rechnet mit einem Bauantrag in diesem Jahr

Der vom Bauherrn beauftragte Frankfurter Architekt Alfred Jacoby betonte, die Pläne für den Neubau der Synagoge seien inzwischen weiter gediehen. Er rechnet mit einem Bauantrag in den nächsten Monaten.
Suliman stellte im BNN-Gespräch klar, dass weder der Oberrat noch die jüdische Gemeinde Anspruch auf das Gelände des historischen Synagogen-Standorts erhöben.

 Gemeinde erhebt keinen Anspruch auf  historischen Synagogen-Standort

Der Verkauf des Grundstücks in den 50er-Jahren sei rechtmäßig gewesen. Allerdings nehme er die in dem Kaufvertrag enthaltene Verpflichtung ernst, das Grundstück nicht zu profanen Zwecken zu verwenden. Er werde deshalb das Gespräch mit den Eigentümern suchen. „Dann werden wir sehen, was sie vorhaben“, sagte der IRG-Vorsitzende.

Weitere Infos zur jüdischen Gemeinde Baden-Baden gibt es unter www.ikg-bad-bad.de.

 

Kommentar zum Thema: Eigentlich ist der Sachverhalt eindeutig: Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde haben sich mit über 90 Prozent dafür ausgesprochen, ein Gemeindezentrum mit Synagoge, Veranstaltungsräumen und Sozialwohnungen auf einem Grundstück in der Fürstenbergallee zu errichten. Bauherr ist die Israelitische Religionsgemeinschaft, der Oberrat der zehn badischen jüdischen Gemeinden.
Angesichts dieser klaren Entscheidung ist es umso unverständlicher, dass der vor kurzem neu gegründete Aktionskreis „Neue Synagoge Baden-Baden“ massiv Stimmung macht und versucht, diesen Beschluss zu torpedieren. Diese Initiative, von der sich der Oberrat und die jüdische Gemeinde distanzieren, macht sich für den historischen Standort der Synagoge in der Stephanienstraße stark.
Doch dafür gibt es keine Rechtsgrundlage. Selbst der Oberrat und die Gemeinde haben keinen Zweifel daran, dass der Verkauf des Grundstücks rechtmäßig war. Sie erheben auch gar keinen Anspruch auf dieses Areal und wollen im Interesse ihrer Mitglieder nach vorne schauen.
Der Aktionskreis legt sich nicht nur mit der jüdischen Gemeinde und dem Oberrat, sondern auch mit der Stadt an und wirft ihr vor, kein städtisches Grundstück für einen Synagogen-Neubau in der Innenstadt zur Verfügung gestellt zu haben. Nur bitte schön, wo soll dieses Grundstück herkommen? Und eine rechtliche Verpflichtung dazu gibt es nicht – allenfalls eine moralische. Die Stadt tut sich ja schon schwer, geeignete Flächen für ihre eigenen Verwaltungsneubauten zu finden.
Damit ist noch nicht entschieden, ob die Kommune den Synagogen-Neubau finanziell unterstützt. Das muss der Gemeinderat beschließen.