BADE-MEISTER UND BÄDER-PAPST: So bezeichnen viele in der Bäderbranche Jürgen Kannewischer. | Foto: Fabry

Bäder-Papst aus Baden-Baden

Jürgen Kannewischer: „Ich schwimme, seit ich denken kann“

Anzeige

In seiner Branche titulieren viele ihn als Bäder-Papst oder Bade-Meister – mit der Betonung auf Meister. Denn das Familienunternehmen Kannewischer beriet und plante bereits zu 350 Bädern: von der Therme Meran bis zu einem Spa in Moskau. In Deutschland betreibt es sechs Bäder. In der Region steht Jürgen Kannewischer vor allem für die Caracalla-Therme und für das Friedrichsbad in Baden-Baden.

Balneologie, Bäder-Fachwissen, besitzt der 53-jährige Elektrotechnik-Ingenieur zu Sportbädern ebenso wie zu Frei-, Freizeit-, Spaß- und Thermalbädern. „Ich schwimme, seit ich denken kann“, plaudert der Schweizer munter im BNN-Gespräch. Als Kind war der Zugersee sein Terrain. Die Passion liegt in der Familie. Jürgen Kannewischers Vater war schon als junger Mensch ein begeisterter Wasserballer – und spezialisierte sich deshalb mit seinem 1972 in Zug eröffneten Ingenieurbüro rasch auf die Planung von Bädern.

Bäder und Technik, das waren auch für den Filius das richtige Ding. „Ich habe an meinem Mofa rumgeschraubt und das Radio zerlegt. Ich war schon immer ein neugieriger Mensch“, erinnert sich Jürgen Kannewischer an seine Jugend. Das Faible für Technik ist bis heute auch als Hobby geblieben. Er lacht auf, zückt rasend schnell sein Smartphone, wischt kurz über das Display – und zeigt dem BNN-Redakteur darauf einen Porsche GT3 RS. Ein Lego-Modell. 2 700 Teile, innerhalb von acht Wochen von Kannewischer zusammengebaut. Weitere Fotos zeigen Details, wie das Doppelkupplungsgetriebe. Die Lego-Leute hätten das ganz toll gemacht, freut sich Kannewischer diebisch.

Dass sein Bruder Stefan einmal der Mann mit dem kaufmännischen Know-how im Familienunternehmen werden wird, war früh klar. „Der Stefan hatte Geld in der Tasche. Ich nicht“, sagt Kannewischer, wie er in Baden-Baden spricht: Hochdeutsch, aber eindeutig als Schweizer erkennbar.

In Baden-Baden haben die Kannewischers seit 1978 ein Ingenieurbüro. Der Vater plante dort die 1985 eröffnete Caracalla-Therme, unterschrieb neun Jahre später den Pachtvertrag für die „CT“ – wie sie intern die Therme kurz bezeichnen – und das benachbarte Friedrichsbad. Seitdem bekommt die Bäder- und Kurverwaltung Geld überwiesen – und legt nicht mehr drauf.

Kannewischer: Ich bin extrem verzahnt mit Baden-Baden

17 Jahre hat Jürgen Kannewischer mit seiner Familie in Bühl-Eisental gelebt. Nachdem die Kinder das Abitur hatten, ging es 1993 zurück in die Schweiz. „Ich bin aber immer noch extrem verzahnt mit Baden-Baden.“ Einmal pro Woche ist er dort in seinem Ingenieurbüro. So wird ein weiteres Bäderhotel geplant, dieses Mal bei der Emser Therme. In Bad Nauheim will Kannewischer eine weitere Therme samt Hotel pachten.

Auf dem Weg zur Arbeit in Baden-Baden sieht man ihn auf seiner schwarzen Vespa. Eine solche hatte er schon als junger Mensch. Später, mit einem Motorrad, machte er seine Mutter ganz kirre: „Du fährst viel zu wild!“

Jürgen Kannewischer genießt es, wenn er in der Kurstadt Zeit für eine Visite im Museum Frieder Burda hat, im Rotary-Club oder für einen Restaurantbesuch mit Freunden. Das gute Essen, der Wein, das gute Bier, all das mache Baden ja mit aus, sagt Kannewischer, ganz Genussmensch, der er ist.

Wer ihn sich so anschaut, der ahnt, dass er auch sportlich ist. „Ich bin aber kein hypernervöser Sportler, der nicht sein kann, ohne auf einen Berg zu rennen.“ Im 8 000-Seelen-Ort Unterägli bei Zug schwimmt Kannewischer gerne im See, der auf der anderen Straßenseite des Wohnhauses liegt. Einmal pro Woche ist er mit seinem Bruder Stefan dort mit dem Rad unterwegs. In der kalten Jahreszeit leben die Kannewischer in Klosters – die wenige Freizeit wird zum Skifahren genutzt. „Der Rest ist Arbeit!“, sagt der 53-Jährige und wischt mit der Hand durch die Luft.

Später krabbeln seine Finger wie wild auf dem Besprechungstisch, als er über Projekte spricht. „Immer, wenn es spannend wird“, habe er besonderen Spaß im Unternehmen mit mittlerweile 650 Mitarbeitern.
Welches von den Kannewischer-Bädern sein Liebstes sei? Obwohl der Chef weiß, dass diese Zeilen in Baden gelesen werden, flunkert er nicht. Spontan tippt er mit dem Zeigefinger auf eines der sechs Bäder im Unternehmensprospekt. „Die Emser-Therme.“ Dort habe man all die Erfahrung und all das in der 47-jährigen Unternehmensgeschichte gesammelte Wissen hineingepackt. Doch er betont auch: „Das Friedrichsbad ist natürlich eine Ikone. Das gibt es weltweit so wahrscheinlich kein zweites Mal.“ Schon Mark Twain war von dem Kleinod begeistert.

Die Kannewischer könnten fast jede Woche eine Therme kaufen. Sie haben das Wellness-Wissen, kennen die Bäder-Betriebswirtschaft aus dem Effeff – und sind gerade deshalb realistisch. Will heißen: Damit ein Bäder-Projekt zustande kommt, braucht es zumindest zum Start die Unterstützung durch die öffentliche Hand. So wurden auch die Emser-Therme und Spreewald-Therme möglich, die den Kannewischer gehören.

Bei all der Leidenschaft für Bäder blickt Jürgen Kannewischer auch in die Zukunft. Mit 65 soll Schluss für ihn im Betrieb sein. „Ich glaube, es ist gesund für unsere Firma, wenn ich mit 65 aufhöre.“ Sagt’s und sinniert über die dann gewonnenen Freiheit und Freizeit beispielsweise für eine Harley oder für ein „Scheuenauto“. „Da steht im Schwarzwald bestimmt irgendwo eine Scheune mit einem Oldtimer herum. Und dann bastele ich an dem Auto rum. Das wäre genau so mein Ding.“