„Dieses Auto, dieses Fahrgefühl, das ist die Erinnerung an früher, an die Jugend": Peter Stahlberger vor seinem Alfa Romeo Giulia Super 1600, Baujahr 1975. | Foto: Bodamer

Oldtimer-Sammler aus Karlsruhe

Jugendgefühle auf vier Rädern

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Wenn am 12. Juli das 43. Oldtimer-Meeting in Baden-Baden seine Pforten öffnet, ist auch Peter Stahlberger aus Karlsruhe wieder mit von der Partie. Der Karlsruher ist stolzer Besitzer eines Alfa Romeo, Baujahr 1975. Mit bnn.de hat er über seine „Bella“, das Meeting und seine Leidenschaft für Oldtimer gesprochen.

„Bella“ steht im Hof eines Hauses im Westen Karlsruhes unter einem Baum. Das Grün des Rasens harmoniert perfekt mit dem hellen Blau der Karosserie, das Sonnenlicht, das durch das dichte Laub des Baums fällt, spiegelt sich auf dem silbern-glänzenden, sorgsam polierten Kühlergrill. „Mein heiligs Blechle“, nennt Besitzer Peter Stahlberger seinen Oldtimer im Scherz. „Bella“, das ist der ein wenig ernster gemeinte Name des Alfa Romeo Giulia Nuova Super 1600, Baujahr 1975. Ein hochwertiges Stück italienische Autobaukunst, mit Lenkrad aus echtem Holz, Fünf-Gang-Getriebe und für seine Zeit beachtlichen 103 PS. „Bella ist italienisch für ‚Die Schöne‘“, erklärt er schwärmerisch.

„Mein heiligs Blechle“, nennt Besitzer Peter Stahlberger seinen Oldtimer im Scherz. „Bella“, das ist der ein wenig ernster gemeinte Name des Alfa Romeo Giulia Nuova Super 1600, Baujahr 1975. | Foto: Bodamer

Stahlberger steht an diesem sonnigen, warmen Sommertag in seinem Garten. Seine 75 Jahre sieht man ihm kaum an: kurzes Hemd, helle Hose, weißes, aber sehr dichtes Haar, kräftige Stimme, warmer, wacher Blick. Sein Geld hat der Karlsruher mit einem eigenen Großhandel für Elektronikteile verdient. 2005 ging er in Rente. Damals, so erzählt er, habe er mit Oldtimern noch nichts am Hut gehabt – keine Zeit, keine Zeit.

Die Zeit kam mit der Rente, die Leidenschaft im Jahr 2007 – und die Badischen Neuesten Nachrichten waren nicht unbeteiligt: In einem Zeitungsgewinnspiel wurden zwei Ausfahrten im Rahmen des Baden-Badener Oldtimer-Meetings verlost, in einem edlen Rolls Royce, Chauffeur inklusive. Stahlberger nahm teil – und gewann tatsächlich. Auf der Ausfahrt nach Niederbronn im Elsass lernte er die Oldtimer-Szene kennen und schätzen. „Ich wusste vorher ja nicht, was sind das für Leute, sind die vielleicht arrogant?“ So spielt Stahlberger auf die Klischees an, mit denen viele Oldtimer-Besitzer zu kämpfen haben.

Aber der Karlsruher fühlte sich wohl unter den Oldtimer-Freunden und seine Leidenschaft war geweckt. Die Gewinnspielanzeige besitzt der Hobby-Fotograf heute noch, gemeinsam mit dutzenden Fotos von Oldtimer-Treffen, von Ausfahrten und von seiner „Bella“: Alles sorgsam gesammelt und in Mappen sortiert und eingeklebt, jeweils versehen mit Kommentaren und passenden Zeitungsausschnitten.

Seinen eigenen Oldtimer, den Alfa Romeo, hat Stahlberger dann 2010 auf einer Messe in Offenburg entdeckt, und auch zu dieser ersten Begegnung mit „Bella“ hat er eine Geschichte parat: „Als Junggeselle habe ich mir 1969 genau so ein Modell gekauft“, erzählt er, in Erinnerungen schwelgend. „Damals war ich 25 Jahre alt. Das Auto war aber rot, das klassische Alfa-Romeo-Rot. Und als meine Frau dann auf der Messe in Offenburg das Auto entdeckt hat, hat sie es mir gezeigt. Meine erste Frage war: Warum ist das denn blau?“ Tatsächlich ist die Farbe von „Bella“ eine Besonderheit: Das sogenannte „Le-Mans-Blau“ hatten sich Autohändler in den 70er-Jahren für den französischen Markt vom italienischen Hersteller gewünscht.

Das sogenannte „Le-Mans-Blau“ hatten sich Autohändler in den 70er-Jahren für den französischen Markt vom italienischen Hersteller gewünscht. | Foto: Bodamer

So kam Stahlberger an seine „Bella“, und im gleichen Jahr auch direkt aufs Baden-Badener Oldtimer-Meeting. Seitdem ist er dort immer mit dabei – für ihn aber der einzige größere Oldtimer-Termin im Jahr. Über die Jahre hat er unter den Oldtimer-Fans auch echte Freunde gefunden – „verwurzelt“, sei er, sagt Stahlberger.

Ihm ist es wichtig, dass sein Oldtimer nicht nur in irgendeiner Garage herumsteht: „Ich möchte keinen richtig hochwertigen Oldtimer-Wagen von 1930 oder was weiß ich, den man nur hinstellen kann und dann ist gut – ich will ein Auto, mit dem man auch fahren kann.“ – „Alltagsauto“ – so nennt er seinen Oldtimer, der 1975 gebaut worden ist – in dem Jahr, in dem auch Stahlbergers Sohn auf die Welt kam. Den Wert des Wagens schätzt er auf 15 bis 20.000 Euro – in einer Welt, in der Sammler gerne auch mal hunderttausende Euro für ein einziges Auto ausgeben, ist das fast ein Schnäppchen. „Der Preis hängt natürlich auch davon ab, was ein potenzieller Käufer zu zahlen bereit ist“, sagt er. „Aber ich möchte mein Auto gar nicht verkaufen. Das ist für mich keine Wertanlage, das ist ein Liebhaberstück und ein Hobby, das mir Freude macht. Nicht mehr und nicht weniger.“

Dutzende Fotos von Oldtimer-Treffen, von Ausfahrten und von seiner „Bella“: Alles sorgsam gesammelt und in Mappen sortiert und eingeklebt, jeweils versehen mit Kommentaren und passenden Zeitungsausschnitten. | Foto: Bodamer

Mindestens einmal im Monat fährt er mit seinem Alfa aus, im Sommer auch mal häufiger – vor allem ins Elsass, denn „da ist es schön und die Straßen sind leerer“. Längere Reisen nach Italien und nach Franken hat er aber auch schon unternommen. „Man fühlt sich jünger, wenn man im Auto sitzt“, erzählt Stahlberger mit strahlendem Blick. „Dieses Auto, dieses Fahrgefühl, das ist die Erinnerung an früher, an die Jugend – und immer, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, werde ich darauf angesprochen.“ Wenn er nicht mit seiner „Bella“ unterwegs ist, fährt er einen Ford Focus – ganz normal eben.

Ein hochwertiges Stück italienische Autobaukunst, mit Lenkrad aus echtem Holz, Fünf-Gang-Getriebe und für seine Zeit beachtlichen 103 PS. | Foto: Bodamer
Einmal jährlich schickt Peter Stahlberger seine „Bella“ mit derzeit 119.000 Kilometern auf dem Zähler zur Kontrolle in die Werkstatt. | Foto: Bodamer

Die Leidenschaft für Oldtimer ist auch in Stahlbergers Arbeitszimmer sichtbar: Dutzende Modellautos stehen in mehreren Schaukästen an den Wänden, daneben mehrere Fotos von Oldtimern, natürlich auch von „Bella“. Auf dem Schreibtisch liegt ein Oldtimer-Magazin. Die vier Pokale, die Stahlbergers Alfa Romeo auf dem Baden-Badener Oldtimer-Meeting schon gewonnen hat, stehen bescheiden in einer Ecke hoch auf einem der Hängeschränke.

„Ein Alfa-Motor ist eine Primadonna“, erzählt der Oldtimer-Fan. Viele Alfa-Oldtimer seien über die Zeit kaputtgemacht worden, weil die Besitzer nicht vorsichtig genug mit den Autos umgegangen seien oder die italienischen „Schönwetterautos“ – Zitat Stahlberger – bei schlechtem Wetter gerostet seien. 80 Prozent der heutigen Alfa-Oldtimer, schätzt er, seien nicht gut erhalten. „Meiner schon – das ist wie ein Sechser im Lotto.“ Einmal jährlich schickt er seine „Bella“ mit derzeit 119.000 Kilometern auf dem Zähler zur Kontrolle in die Werkstatt. Ansonsten gibt es hin und wieder kleinere Reparaturen – im Großen und Ganzen ist er mit der Verlässlichkeit des Autos aber sehr zufrieden: „Die Pflege ist letztlich nicht teurer als bei einem normalen Auto – und es läuft top“. Und lachend fügt er hinzu: „Toi, toi!“.

Beim 43. Internationalen OIdtimer-Meeting in Baden-Baden sind vom 12. bis 14. Juli 2019 mehr als 350 Oldtimer aus neun Jahrzehnten Automobilgeschichte zu bestaunen. Der Veranstalter erwartet rund ums Baden-Badener Kurhaus mehr als 20.000 Besucher. Die 120 schönsten Oldtimer werden mit Pokalen prämiert. In diesem Jahr steht Bentley als Ehrengastmarke im Mittelpunkt. BNN.de wird vor Ort sein und das Meeting mit Artikeln, Videos und Fotos begleiten. Alle Infos zum Oldtimer-Meeting 2018 gibt es hier zum Nachlesen.