Alana Benz und Leonie Santen sammeln Müll auf.
Keine Seltenheit: Kaputte Bierflaschen, Windeln und Zigaretten finden Alana Benz (links) und Leonie Santen häufig. | Foto: Julian Meier

Einsatz für die Umwelt

Junge Frauen befreien den Wald in Baden-Baden von Unrat

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Die Wälder rund um Baden-Baden bieten viel Sehenswertes und eine Auszeit in der Natur. Um Ebersteinburg herum treiben jedoch Umweltsünder ihr Unwesen. Alana Benz und Leonie Santen haben sich zusammengetan, um den Schmutzfinken das Handwerk zu legen und einen positiven Beitrag zum Erhalt der Natur zu leisten.

Ein steiler und mit dichten Pflanzen bewachsener Aufgang führt zu einer Aussichtsplattform. Am Himmel machen sich bereits die ersten Gewitterwolken breit. Alana Benz bleibt abrupt stehen und verschwindet im dichten Geäst: „Ich habe etwas gefunden“, hallt es aus dem Meer aus Grün.

Benz kommt nicht etwa mit einer seltenen Pflanze zurück, sondern mit einem gebrauchten Taschentuch. Sie hat sich gemeinsam mit ihrer Freundin Leonie Santen zusammengetan, um den Wald rund um Ebersteinburg von Müll zu befreien.

Alana Benz und Leonie Santen
Unschlagbares Duo: Alana Benz und Leonie Santen sind auf der Spur von Schmutzfinken. | Foto: Julian Meier

Zigaretten zersetzen sich erst nach zehn Jahren

Santen gräbt gerade eine zerbrochene Glasflasche aus der Erde. „Es ist frustrierend zu sehen, wie wenig sich die Leute um die Natur kümmern“, sagt die junge Frau, als sie die Bierflasche in ihren Eimer legt. Nur einen Katzensprung entfernt findet Benz einen Zigarettenstummel. Das Überbleibsel eines Umweltsünders entwickelt sich in Zeiten von Trockenheit schnell zu einem Brandherd.

Auch der Restanteil Nikotin sei für die Tiere des Waldes bei Verzehr gefährlich – sie wolle vermeiden, dass sich solche giftigen Substanzen in den Wäldern verbreiten, erklärt Benz. „Zigaretten zersetzen sich erst nach zehn Jahren“, gibt sie zu bedenken.

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Grün-Fläche wird als Mülldeponie missbraucht

Ebersteinburg birgt viel Sehenswertes: Gerade das alte Schloss, die abwechslungsreichen Wanderwege und die Aussichtsplattformen haben sich spätestens während der Corona-Pandemie zu einem wahren Publikumsmagneten entwickelt. Während Natur-Bewusste den Wald als Flucht vor dem Alltag schätzen, nutzen Schmutzfinken die Grün-Flächen als kostenlose Mülldeponie.

Benz und Santen sind diesen Umweltsündern jedoch auf der Spur und leisten mit ihrer Sammelaktion einen Beitrag für die Natur. Ausgerüstet mit Eimern, Handschuhen und einer Greifzange gehen die Freundinnen auf die Pirsch.

An einem Parkplatz in Ebersteinburg werden sie schnell fündig. Gebrauchte Taschentücher sind noch das kleinere Übel. Nicht selten finden die engagierten Sammlerinnen Hausmüll, wie beispielsweise gebrauchte Damen-Hygieneartikel und Windeln, der achtlos ins Grüne geworfen wurde. Einmal die Woche sammeln die Freundinnen Abfall. Besonders verheerend sei die Situation im Innenhof des alten Schlosses.

Die Mülleimer sind überfüllt

Dort träfen sich oft Jugendliche, die ihren Unrat einfach liegen ließen, sagt Santen. Trotz ihrer regelmäßigen Streifzüge fänden die jungen Frauen immer wieder Abfall: „Wir sind mit den Nerven am Ende“, gesteht Santen. Dort gebe es zwar öffentliche Mülleimer, die seien jedoch immer voll, erklärt Benz. Wenn jeder seinen Überbleibsel mitnähme, hätten die zwei Freundinnen weniger zu tun, erklärt Santen.

In Ebersteinburg wird seit vielen Jahren die Aktion „Dreckspatz“ organisiert, bei der sich Freiwillige zusammentun, um den Ortsteil von Müll zu befreien. Dieses Jahr fand die Umwelt-Maßnahme jedoch nicht statt. „Umso mehr empfinde ich das Müllsammeln als unsere Verpflichtung“, sagt Benz. „Durch Corona haben wir zur Zeit sowieso nichts anderes zu tun“, fügt Santen lächelnd hinzu.

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Spaziergängerin unterstützt die zwei Frauen

Die zwei Engagierten werden von Touristen teilweise belächelt, erzählt Santen. „Wir werden oft gefragt, warum wir das überhaupt machen“, gesteht Benz. Bei dieser Frage könnten die beiden Freundinnen jedoch nur die Stirn runzeln – für Benz und Santen ist die Umwelt-Aktion eine Selbstverständlichkeit.

Unterstützung finden die Frauen jedoch von ihren Familien. Spaziergänger sind auch von ihnen angetan: Tanja Keßner war mit ihrem Mann im Wald spazieren, als sie die beiden Frauen beim Müllsammeln entdeckt hat. Keßner war so begeistert, dass sie Benz und Santen eine Greif-Zange zur Verfügung gestellt hat.