Der Ticketschalter im Festspielhaus Baden-Baden erinnert an den Fahrkartenschalter im früheren Bahnhof.
Der Ticketschalter im Festspielhaus Baden-Baden erinnert an den Fahrkartenschalter im früheren Bahnhof. | Foto: Bernd Kamleitner

Kultur

Festspielhaus Baden-Baden: Karten zum Schnäppchenpreis bleiben eine Ausnahme

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Es war ein Versuch – und der hat Wirbel verursacht. Als die Pianistin Hélène Grimaud am Samstag, 11. Januar, mit den Bamberger Symphonikern im Festspielhaus auf der Bühne stand, lauschten im Publikum Klassikliebhaber den Melodien, die ihr Ticket zum Sonderpreis von 25 Euro erworben hatten. Wer die Karte dagegen regulär gekauft hatte, musste bis zu 110 Euro bezahlen. Kommen Schnäppchenjäger künftig im größten deutschen Opernhaus öfter zum Zug?

Intendant Benedikt Stampa sieht in dieser Aktion keinen Verfall der Eintrittspreise in seinem Haus, das bei Veranstaltungen bis zu 2.500 Sitzplätze bietet. Wenn Weltstars der Klassik wie Lang Lang und Anna Netrebko oder die Berliner Philharmoniker bei den Osterfestspielen im Festspielhaus auftreten, müssen Klassikfreunde auf den teuersten Plätzen bis zu 360 Euro hinblättern.

Das darf man nicht zu oft machen

Tickets zum Sonderpreis wie beim Gastspiel der Pianistin Grimaud sollen jedoch eher die Ausnahme bleiben. „Das darf man nicht zu oft machen“, erklärte der Festspielhauschef bei einer Veranstaltung des Presseclubs Baden-Baden.

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Karten für 25 Euro waren sehr schnell weg

Für den Abend mit Grimaud und den Bamberger Symphonikern hatte das Festspielhaus einen zusätzlichen Rang geöffnet und dafür die 25 Euro-Tickets in den Verkauf gegeben. Die Werbung dafür erfolgte ausschließlich über den Festspielhaus-Newsletter, der elektronisch per Mail an die Abonnenten verschickt wird, und über die Sozialen Netzwerke.

Die an die 700 Karten gingen weg wie warme Semmeln und Plätze, die ansonsten leer geblieben wären, waren mit Klassikfreunden besetzt, die sich über ihr Kartenschnäppchen und Melodien von Mozart und Beethoven freuen konnten.

Bis zu 360 Euro kosten die teuersten Karten, wenn im Festspielhaus Weltstars der Klassik gastieren.
Bis zu 360 Euro kosten die teuersten Karten, wenn im Festspielhaus Weltstars der Klassik gastieren. | Foto: Bernd Kamleitner

Dass eine solche Aktion keine Dauereinrichtung werden kann, liegt auf der Hand.: Wer regulär eine teurere Karte gekauft hat, dürfte über die Schnäppchenaktion nicht erfreut sein. Das weiß auch Stampa. Er stuft solche Aktionen daher als „eine Gratwanderung“ ein.

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 Werbung für den Newsletter des Festspielhauses

Einen Schub durfte das Angebot auf jedem Fall dem Newsletter seines Hauses gebracht haben. Künftig werden ihn wohl noch mehr Menschen beziehen – in der Hoffnung, von solchen Angeboten umgehend zu erfahren. Die Preisgestaltung bei den Eintrittskarten sei „das schwierigste Thema“, räumt Stampa ein.

2500 Plätze bietet das Festspielhaus. Damit ist es das größte Opernhaus in Deutschland und das zweitgrößte in Europa.
2500 Plätze bietet das Festspielhaus. Damit ist es das größte Opernhaus in Deutschland und das zweitgrößte in Europa. | Foto: Bernd Kamleitner

Das Festspielhaus will dem Anspruch nach exklusiv sein, aber nicht elitär, stellt der Kulturmanager heraus. Dass Konzerttickets für Auftritte von Festspielhauskünstlern in anderen Städten günstiger sind als in Baden-Baden, ist dagegen keine Ausnahme, gesteht Stampa. Dafür sei das Festspielhaus auch das einzige seiner Art, das privat finanziert werde.

Schnäppchen am Tag des Konzerts möglich

Er sehe es als seine Aufgabe an, einen Generationswechsel bei den Förderern einzuleiten ohne die Mäzene zu verlieren, die das Haus schon jetzt großzügig unterstützen. „Die Million ist mir von jeder Altersgruppe recht“, sagte Stampa schmunzelnd.

Das Festspielhaus will exklusiv sein, aber nicht elitär. Bei ausverkauften Konerten gibt es am Veranstaltungstag auch ein Kontingent an Stehplatzkarten.
Das Festspielhaus will exklusiv sein, aber nicht elitär. Bei ausverkauften Konerten gibt es am Veranstaltungstag auch ein Kontingent an Stehplatzkarten. | Foto: Bernd Kamleitner

Apropos Schnäppchen: Die sind hin und wieder jetzt schon möglich. Bei ausverkauften Konzerten kommt am Veranstaltungstag ein Kontingent von Stehplatzkarten zum Preis von 15 Euro in den Verkauf Auch sonst dominiere keineswegs nur das Hochpreissegment. Für Beethovens „Fidelio“ bei einem der Saisonhöhepunkte, den Osterfestspielen, beginnt es etwa mit 59 Euro in Preisgruppe acht. Karten der Preisgruppe eins kosten dagegen das Sechsfache.