Markantes Haus an prägnanter Stelle: as Gasthaus „Zum Fremersberg“ steht aus Baden-Baden kommend direkt am Ortseingang von Varnhalt. Unklar ist, wie es mit der leerstehenden Immobilie nun weitergehen soll.
Markantes Haus an prägnanter Stelle: as Gasthaus „Zum Fremersberg“ steht aus Baden-Baden kommend direkt am Ortseingang von Varnhalt. Unklar ist, wie es mit der leerstehenden Immobilie nun weitergehen soll. | Foto: Margull

„Schandfleck“ am Ortseingang

Keine Chance für das Gasthaus „Zum Fremersberg“ in Baden-Baden

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Es gibt viele berechtigte Gründe, historische und das Ortsbild prägende Substanz zu erhalten. Problematisch wird dies jedoch, wenn ein Objekt völlig aus der Zeit gefallen ist und eine sinnvolle Belebung kaum möglich erscheint, sei es aus praktischen oder finanziellen Gründen. Bei dem Gasthaus „Zum Fremersberg“ ist dies offenbar der Fall.

Wolfgang Scheidtweiler, als Macher und Investor im Brau- und Hotelgewerbe bestens aufgestellt und durch manche komplizierte Aufgabe mit schwierigen Objekten vertraut, winkt gleich zu Beginn des Gesprächs über das Gasthaus „Zum Fremersberg“ in Varnhalt ab: „Der Fremersberg macht als Objekt keinen Sinn. Denn Gastronomie geht da gar nicht. Zudem ist diese Immobilie in seiner ursprünglichen Ausgestaltung mittlerweile völlig aus der Zeit gefallen.“

Der umtriebige Pforzheimer Unternehmer hat unter anderem die Rastatter Brauerei Franz übernommen, in deren Besitz sich die mittlerweile betagte Immobilie am Ortseingang von Varnhalt bereits befunden hatte.

„Die Zeiten haben sich völlig geändert. Die Rentner und Väter sitzen nicht mehr am Stammtisch, und es gibt keine Großfamilien mehr, die für ihre Familienfeiern große Nebenzimmer komplett belegen. Dort fehlen zudem Sitzplätze im Außenbereich und etliche Parkmöglichkeiten“, bringt es Gastro-Profi Scheidtweiler auf den Punkt.

„Schandfleck“ in verwahrlostem Zustand

Im Rebland gab es noch vor ein oder zwei Jahrzehnten eine hohe Dichte an gastronomischen Angeboten, die von der einfachen badischen bis zur Sterneküche reichte und auch jetzt noch – zwar deutlich ausgedünnt – in dieser Bandbreite vorhanden ist. „Es geht nicht mehr, in jedem Dorf eine aufwendige Gastro-Szene zu betreiben.“

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Dies hat auch die CDU-Fraktion im Ortschaftsrat Rebland erkannt und bezeichnet das sichtlich heruntergekommene Gebäude am Varnhalter Ortseingang als „Schandfleck, der sich in einem verwahrlosten, teils einsturzgefährdeten Zustand befindet“, steht in einem Schreiben an den Ortsvorsteher. Die Lösung sei ein Abriss zur Erhöhung der Sicherheit und Verbesserung des Ortsbildes von Baden-Baden kommend.

„Es gibt für dieses Gebiet ein Sondernutzungsrecht auf gastronomische Nutzung . Deswegen bekommen sie für das Objekt auch keinen Käufer, obwohl wir in dieser Sache schon Gespräche mit ambitionierten Käufern geführt haben. Das Objekt ist seit drei Jahren zu. Die Brauerei Franz hat es vor fünf Jahren gekauft. Das geht hier eindeutig in Richtung Schaffung von neuem Wohnraum“, argumentiert Wolfgang Scheidtweiler in dieselbe Richtung.

Mehr Wohnraum statt mehr Gastronomie

Nach Auskunft der Stadt Baden-Baden steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Vor rund vier Jahren gab es Bestrebungen, mit dem damals geplanten Neubau „Hotel in den Reben“ das Gebäude mitzuentwickeln. Das Projekt scheiterte jedoch an der kritischen Haltung des Ortschaftsrats Rebland. Nun geht die neue Stoßrichtung also eindeutig in Richtung neuer Wohnraum mit einer kompletten Umgestaltung des Areals inklusive angrenzendem Sonnenbergweg.

„Eine mögliche Nutzungsänderung und stadtplanerische Überlegungen müssten direkt mit der Stadtplanung abgestimmt werden“, stellt die Stadt Baden-Baden fest. „Fakt ist, wir brauchen im Rebland nicht mehr Gastronomie, sondern mehr Wohnraum“, stellt CDU-Stadtrat Klaus Bloedt-Werner fest.