Der Einzelhandel in der Baden-Badener Innenstadt wird weder regional noch überregional so wahrgenommen, wie man sich das wünscht. Zu diesem Ergebnis kommt eine im vergangenen Jahr durchgeführte Umfrage. | Foto: Bernd Kappler

Alarm in Baden-Baden

Keine Einkaufsstadt?

Anzeige

Baden-Baden wird sowohl regional als auch überregional nicht in dem Maße als Einkaufsstadt wahrgenommen, wie es von der Stadt gewünscht wird. Das ist offenbar das wichtigste Ergebnis der Einzelhandels- und Tourismusbefragung durch die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA), die der Gemeinderat im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hatte.

„Einkaufsstadt wird nicht wahrgenommen“

Am 19. Februar steht das Thema vorberatend auf der Tagesordnung des gemeinderätlichen Hauptausschusses. Die Stadtverwaltung schlägt dabei vor, den jährlichen Zuschuss für Werbemaßnahmen von 50 000 auf 100 000 Euro zu verdoppeln.

Das Ergebnis der Umfrage – Einzelheiten, insbesondere die auch tatsächlichen Empfehlungen der Gutachter, gehen aus der Vorlage an den Hauptausschuss im Übrigen nicht hervor – überrasche laut Stadtverwaltung umso mehr, da die Stadt von einem internationalen Publikum frequentiert werde und über ein überdurchschnittlich hochwertiges und attraktives Waren- und Sortimentsangebot verfüge.
Die Folgerungen für die Stadtverwaltung sind klar: Es muss mehr Werbung gemacht werden. Auf Grundlage der Befragungsergebnisse und der daraus resultierenden gutachterlichen Empfehlungen seien alle Betroffenen aufgerufen, organisatorisch und finanziell der weiteren Abwärtstendenz so weit wie möglich entgegenzuwirken. Ein entscheidender und maßgeblicher Hebel werde dabei sein, das Marketing des innerstädtischen Einzelhandels zu verbessern und effizienter zu gestalten, heißt es in der Vorlage weiter.

Verdoppelung des Zuschusses

Derzeit gewährt die Stadt der Händlerinitiative Baden-Baden Innenstadt einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 50 000 Euro als Komplementärfinanzierung. Das heißt, das Geld fließt erst dann, wenn auch der Verein die gleiche Summe beisteuert. Aus gutachterlicher Perspektive sei dieser Betrag für eine Stadt mit der Bedeutung von Baden-Baden deutlich zu gering und reiche nicht dafür aus, um im regionalen und überregionalen Marketing öffentlichkeitswirksame Akzente setzen zu können. Künftig sollen aus der Stadtkasse 100 000 Euro fließen bei einer gleichbleibenden Finanzierung durch den Verein in Höhe von 50 000 Euro. Somit stünden 150 000 Euro zur Verfügung.

Kein Citymanager

Die erneute Bestellung eines Citymanagers werde nach Einschätzung des Einzelhandels derzeit nicht die erwünschte Verbesserung bringen. Wirkungsvoller seien Mittel für die Gewinnung von Einzelhändlern für den Standort Baden-Baden. Darüber hinaus sei Werbung in der Region erforderlich, um Baden-Baden als Einkaufsstadt besser wahrnehmbar zu machen.

Umfrage überregional

Als Auftraggeber für die Befragung waren die Stadt, der Verein Innenstadt, die Baden-Baden Kur & Tourismus, die Shopping Cité und die Firma Wagener aufgetreten. Wegen der engen Verflechtung von Angeboten des Einzelhandels und dem touristischen Angebot war die Einzelhandelsbefragung mit einer Touristen- und Gästebefragung kombiniert worden. Sie fand von Mai bis August 2017 in Baden-Baden, aber auch in der Umgebung statt.

Kommentar
Klarer hätte man den Tagesordnungspunkt nicht betiteln können: „Einzelhandels- und Touristenbefragung – Vorstellung der Ergebnisse und weiteres Vorgehen“. Eigentlich klar. Die Damen und Herren Stadträte (und auch die Öffentlichkeit) werden über Ergebnisse informiert. Aber wie lauten die?
Das geht zumindest aus den öffentlich zugänglichen Beratungsunterlagen leider nicht hervor. Warum ist unbekannt. Will man den Konkurrenten keine Schwachstellen präsentieren oder gibt es gar etwas zu verbergen?
Nein, auch hier gilt: Transparenz sieht anders aus. Nur, wer die Fakten kennt, kann mitdiskutieren und damit auch mitwirken. Insofern geht die Feststellung „Auf der Grundlage der Befragungsergebnisse sind alle Betroffenen aufgerufen, organisatorisch und finanziell einer möglichen Abwärtstendenz entgegenzuwirken“ sehr geradlinig ins Leere.
Dabei sind im Rathaus doch die Zeichen der Zeit erkannt. Zitat aus der Vorlage: „Der Einzelhandel befindet sich derzeit generell in einer schwierigen Situation. Verlor in den vergangenen Jahren insbesondere der nicht filialisierte Einzelhandel deutlich an Marktanteilen, kommen nun zunehmend auch Filialbetriebe und Fachmärkte unter Druck. Die Gründe hierfür liegen vor allem in einer Umsatzverlagerungen zum Online- und Versandhandel. Dabei legt der ungebrochen wachsende Anteil des Internet-Handels nahe, dass die angespannte Situation des Einzelhandels nicht nur anhalten, sondern sich künftig noch verschärfen wird.“