Knipser Klaus - so nennt sich der Baden-Badener Promi-Fotograf Klaus Schultes. In der Corona-Krise herrscht für ihn Motivflaute. Auch die Promis bleiben zuhause.
Knipser Klaus - so nennt sich der Baden-Badener Promi-Fotograf Klaus Schultes. In der Corona-Krise herrscht für ihn Motivflaute. Auch die Promis bleiben zuhause. | Foto: Bernd Kamleitner

Über 40 Jahre mit der Kamera

Keine Partys, keine Galas: Motiv-Flaute für den Promi-Fotografen Klaus Schultes in Baden-Baden

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Die Corona-Krise hat in Baden-Baden viele Auswirkungen. Eine trifft Klaus Schultes hart: Weil der Tourismus so gut wie zum Erliegen gekommen ist, bleiben mit den Gästen auch die Prominenten aus, die dem gesellschaftlichen Leben an der Oos zusätzlichen Glanz verleihen. Wenn im Kurhaus oder im Festspielhaus der rote Teppich ausgerollt wurde oder ein Prominenter im Funkhaus, auf der Pferderennbahn in Iffezheim oder in einem noblen Hotel zu Besuch weilte, war Schultes in der Regel zur Stelle. Der „Knipser-Klaus“, wie er sich nennt („weil man sich das gut merken kann“), ist der Promi-Fotograf der Bäderstadt.

Er beliefert Zeitungen und Magazine mit einer Ware, die ein Millionenpublikum hat: Bilder von Promis. An der Motivfront herrscht aber eine noch nie da gewesene Flaute: Die Corona-Krise hat das Leben der Menschen verändert – auch Promis bleiben zuhause.

Promi-Fotograf Klaus Schultes (rechts) mit Musikstar Peter Maffay.
Promi-Fotograf Klaus Schultes (rechts) mit Musikstar Peter Maffay.

Wenn Schultes derzeit mit der Kamera in Baden-Baden unterwegs ist, trifft er selten prominente Zeitgenossen – wenn, dann jene, die in der Stadt wohnen wie TV-Moderator Thomas Gottschalk, „Wetten, dass..?“-Erfinder Frank Elstner oder die Schauspieler Ursula Cantieni und Peter Schell, bekannt aus der TV-Serie „Die Fallers“.

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Vor der Corona-Krise konnte er bei den Motiven aus dem Vollen schöpfen

Es ist eine Situation, wie sie „Knipser-Klaus“ noch nicht erlebt hat. Vor der Corona-Krise konnte er an der Oos bei den Motiven aus dem Vollen schöpfen. Wie viele Promis Schultes in den vergangenen vier Jahrzehnten fotografiert hat, kann er nicht sagen. Die Anzahl der geschossenen Fotos, so schätzt er, dürfte in die Millionen gehen.

Anfangs arbeitet er mit Schwarz-Weiß-Filmen, später sind es Dias, die er jeweils selbst entwickelt: „Ich habe mir alles selbst beigebracht.“ Inzwischen ist Fotografieren mit der Digitalkamera der Standard. Das hat die Bearbeitung und den Versand der Fotos vereinfacht.

Mit dem Handy kann heute jeder überall Fotos machen

Das hohe Speichervolumen der Datenträger verführt aber dazu, öfter auf den Auslöser zu drücken. Zudem sind viele Menschen eine Konkurrenz zu seinem Fach geworden, weil mit fast jedem Handy passable Fotos möglich sind, die sofort verschickt werden können.

Wenn es ein Buch mit Promi-Fotos von ihm geben würde, wie viele Seiten würde es haben? „Ich weiß nicht, wie dick es werden würde“, blickt der Mann, dem man seine 78 Jahre nicht ansieht, auf seine Arbeit zurück. Einen dicken Wälzer mit ausgewählten Bildern von ihm gibt es bereits, aber nur in Mini-Auflage und nicht im Handel.

Fotobuch für Frank Elstner erstellt

Als Frank Elstner am 31. Oktober 2015 letztmals die Talkshow „Menschen der Woche“ im Alten-E-Werk Baden-Baden moderierte, überreichte Schultes dem Grandseigneur der deutschen Fernsehunterhaltung einen Band mit 460 Seiten und über 3.000 Fotos aus den Sendungen. Schultes war fast immer mit der Kamera dabei.

Ein Ausschnitt einer Doppelseite aus dem Fotobuch, das Schultes für TV-Moderator Frank Elstner erstellt hat.
Ein Ausschnitt einer Doppelseite aus dem Fotobuch, das Schultes für TV-Moderator Frank Elstner erstellt hat. | Foto: Bernd Kamleitner

Zum Termin hat er sein Exemplar mitgebracht. Darin zu blättern ist ein Vergnügen. Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Ex-Tennisstar Boris Becker, Rockstar Peter Maffay, die Sänger Peter Kraus und Roberto Blanco, Sängerin Nicole, Ex-Ministerpräsident Lothar Späth, Kabarettist Werner Schneyder, die Schauspieler Mario Adorf oder Dieter Hallervorden und viele bekannte Gesichter mehr dürften bei jedem Betrachter Erinnerungen wecken. Die Fotos im Buch stehen jedoch nur für einen Ausschnitt aus seinem Berufsleben.

Anfangs fuhr der gelernte Elektriker zur See

Die Weichen waren zunächst gar nicht für den Job mit der Kamera gestellt. „Ich bin vier Jahre zur See gefahren“, erzählt der gelernte Elektriker, der in dieser Funktion an Bord eines Kühlschiffs tätig war. „Unter anderem brachten wir Fleisch aus Argentinien“, erinnert sich Schultes.

Sein einstiger Frachter ist heute ein Museumsschiff

Zuletzt fuhr er mit der Cap San Diego. Der Frachter liegt heute im Hamburger Hafen – ein Schiff-Promi: Er gilt als größtes betriebsfähiger Museumsfrachter der Welt. Während einer Fortbildung auf der Technikerschule in Karlsruhe bahnte sich die berufliche Wende für Schultes an. In Baden-Baden lernte er den Zeitungsmann Erich Braxmeier kennen. „Der hat mich zum Fotografieren gebracht.“

Das erste Promi-Foto machte Schultes von Udo Jürgens. Der gastierte oft in Baden-Baden - unter anderem im Jahr 2006 im Festspielhaus.
Das erste Promi-Foto machte Schultes von Udo Jürgens. Der gastierte oft in Baden-Baden – unter anderem im Jahr 2006 im Festspielhaus. | Foto: Roland Wittek (dpa)

Bis dahin hatte der Elektriker nur hobbymäßig den Kameraauslöser betätigt. Weil aber ein Kollege von Braxmeier ausfiel, suchte der Ersatz. So kam Schultes vor 45 Jahren im Baden-Badener „Pits Club“ von Szene-Gastronom Peter Fiolka, damals der Promi-Treffpunkt in der Bäderstadt, zu seinem ersten Promi-Foto: Udo Jürgens.

Fiolka verband schon früh eine enge Freundschaft mit dem im Dezember 2014 verstorbenen Musikstar, der sich an der Oos wohl fühlte. Bald fragten Zeitschriften bei Schultes nach Bildmaterial und das Geschäft mit den Promi-Fotos nahm seinen Lauf.

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Ein Höhepunkt: Schultes begleitet Udo nach Peking

Einen Höhepunkt erlebte der Bilderlieferant im Jahr 1987, als er Udo Jürgens und die Pepe-Lienhard-Band beim Auftritt in der Verbotenen Stadt, einer Palastanlage in Peking, begleitete. Das Konzert wurde live in China und Deutschland ausgestrahlt.

Umringt von Kindern: Klaus Schultes im Jahr 1987 in der Verbotenen Stadt in Peking.
Umringt von Kindern: Klaus Schultes im Jahr 1987 in der Verbotenen Stadt in Peking. | Foto: Archiv Schultes

Dank eines cleveren Tricks hatte Schultes bei der Veröffentlichung von Konzertfotos in einem deutschen Hochglanzmagazin die Nase vorne: Der Fotograf hatte Kontakt zu einer Stewardess, die Fotomaterial schon vor dem Rückflug des Trosses nach Deutschland mitnahm und an den Verlag leitete. An eine Übertragung per Mail war damals ja noch nicht zu denken.

Dem guten Draht zu Dieter Thomas Heck verdankt der Fotograf ebenfalls unzählige Promi-Kontakte. Wenn der frühere Kult-Moderator zu TV-Produktionen in Baden-Baden weilte, logierte er im „Brenners“. „Sein Wohnzimmer war aber das Gagarin“, erinnert sich Schultes. Im heutigen „Rizzi“ verkehrten ebenfalls viele Prominente.

Der Fotograf pflegt seine Kontakte

„Meine guten Kontakte habe ich mir erarbeitet. Ich durfte fast überall hin und darf das auch heute noch“, verrät der Foto-Autodidakt sein Erfolgsrezept. Als Paparazzo hat er sich dabei zu keiner Zeit gesehen. „Ich habe nie jemanden abgeschossen“, betont Schultes und meint damit, niemals ein Foto gegen den Willen des Abgebildeten veröffentlicht zu haben. Im Gegenteil: „Ich frage immer noch, ob ich fotografieren darf!“

Im Handyzeitalter vermisst er dagegen bei vielen Menschen Respekt und Achtung vor den Prominenten. Wie sind die eigentlich so? „Die meisten sind pflegeleicht“, verrät Schultes.

Befeundet mit „Gold“-Rosi und ihrem Mann

Zu vielen Stars ist der Kontakt bestehen geblieben. Mit „Gold“-Rosi Mittermeier und ihrem Mann Christian Neureuter ist er bis heute befreundet, Johann Heesters gratulierte er bis zu dessen Tod jedes Jahr am Telefon zum Geburtstag. Das Datum konnte sich Schultes gut merken: Heesters feierte am 5. Dezember – zwei Tage vor dem Geburtstag von „Knipser-Klaus“.

Am häufigsten hat er Tony Marshall fotografiert

Dem Schauspieler Lukas Ammann („Graf Yoster gibt sich die Ehre“, „Die Fallers“), der vor drei Jahren im Altern von 104 Jahren starb, schickte er zuletzt jedes Jahr Pralinen der Baden-Badener Edelconfisserie Rumpelmayer zum Geburtstag. Und keiner dürfte so viele Fotos von Schlagerstar Tony Marshall und seiner Familie im Archiv haben wie Schultes.

Schauspieler Mario Adorf (links) posiert mit Moderator Frank Elstner bei der 400. Sendung von "Menschen der Woche" für ein Foto von Klaus Schultes
Schauspieler Mario Adorf (links) posiert mit Moderator Frank Elstner bei der 400. Sendung von „Menschen der Woche“ für ein Foto von Klaus Schultes | Foto: Klaus Schultes

Gerne erinnert der sich an die Zeit zurück, als er beim damaligen Südwestfunk (SWF) bei unzähligen Filmproduktionen so genannte Standfotos machen durfte, die in TV-Zeitschriften veröffentlicht wurden. An den Dreharbeiten der ZDF-Serie „Die Schwarzwaldklinik“ war er ganz nah dran, weil er mit Produzent Wolfgang Rademann gut stand. Überhaupt: Über Erlebnisse mit Stars könnte der Promi-Fotograf stundenlang erzählen.

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Ein Motiv mit Kofi Anan zählt er zu den Lieblingsfotos

Ist ihm ein Fotomotiv besonders ans Herz gewachsen? Schultes überlegt. Dann verweist er auf eine Szene mit dem früheren UN-Generalsekretär Kofi Anan, als dieser nach der Verleihung des Deutschen Medienpreises 2003 in Baden-Baden mit dem Hubschrauber abflog. So nah wie Schultes war damals kein Fotograf am Geschehen dran.

Auch schon mal ohne Film fotografiert

Neben glanzvollen Momente gab es allerdings auch Missgeschicke: „Ich hab’ auch mal ohne Film fotografiert oder einen Datenträger formatiert“, gesteht der Fotoprofi. Knifflige Situationen wie das Fotografieren aus einem Turm bei geöffneter Tür hat er dagegen stets heil überstanden: „Der Herrgott hat immer auf mich aufgepasst!“

Ohne Kamera ist Schultes trotz derzeit geringer Promi-Quote so gut wie nie unterwegs: „Wenn ich keine Kamera dabei habe, bin ich nackt“, sagt der leidenschaftliche Fotograf. Es gibt ja noch viele andere attraktive Motive in der Bäderstadt.

Noch einmal zu „Wetten, dass..?“

Einen Traum hat der Mann aber noch: Wenn am 20. November die Show „Wetten, dass..?“ mit dem Wahl-Baden-Badener Thomas Gottschalk in Offenburg ein einmaliges Comeback feiert, würde Schultes gerne auf der Bühne das Geschehen fotografieren – ein Privileg, das er früher bei TV-Produktionen in Baden-Baden hatte.

Heutzutage ist das undenkbar. Das ist dem Routinier nicht verborgen geblieben: „Ich bin bescheidener geworden“, betont Schultes. Aber davon träumen, das darf er!