Nach Meinung des Gutachters werde ein Berufsverbot nach der Haftentlassung alleine nicht ausreichen, um das Risiko für weitere sexuelle Straftaten zu senken. | Foto: Kraufmann/dpa

Keine psychische Störung

Schwimm­lehrer-Prozess Baden-Baden: Psychiater sieht hohe Rückfallgefahr

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Eine hohe Rückfallgefahr sieht der psychiatrische Gutachter bei dem 34-jährigen Schwimmlehrer, der wegen sexuellen Missbrauchs an 40 Schwimmschülerinnen vor dem Landgericht Baden-Baden angeklagt ist – eine tiefgreifende psychische Erkrankung jedoch kann er bei dem Angeklagten nicht feststellen.

Es liege „keine dauerhafte krankhafte seelische Störung“ vor, erklärte Stephan Bork, Experte für Forensische Psychiatrie beim Universitätsklinikum Tübingen. „Eine medizinische Voraussetzung für eine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit ist zu verneinen.“

Arzt: Angeklagter „durchschnittlich intelligent“

Der aus Sicht von Bork schuldfähige und „durchschnittlich intelligente“ Angeklagte gestehe sich jedoch seine pädophilen Neigungen nicht ein – doch genau das wäre Voraussetzung für eine Therapie. Ein Berufsverbot allein würde nach Worten des Gutachters nicht ausreichen, um nach einer Haftentlassung das Risiko für weitere sexuelle Straftaten ausreichend zu senken.

Staatsanwaltschaft will Sicherungsverwahrung

Schon zu Prozessbeginn hatte die Staatsanwaltschaft für eine Sicherungsverwahrung des Angeklagten plädiert. Dem freiberuflichen Schwimmlehrer werden 198 Fälle sexuellen Missbrauchs zur Last gelegt. Zum Teil handelt es sich um Taten, die Laien als Vergewaltigung bezeichnen würden, juristisch bei Kindern aber als schwerer Missbrauch eingestuft werden. Von zahlreichen Taten hat der Angeklagte Foto- oder Filmaufnahmen angefertigt. An den Mädchen im Kindergarten- und Schulalter verging er sich bei Kursen mehrerer Schwimmschulen. Tatorte waren Hallenbäder in Kuppenheim, Baden-Baden, Gernsbach, Bad Herrenalb, Achern und Lörrach. Einen Großteil der Taten hat der 34-jährige verheiratete Angeklagte eingeräumt – die Übergriffe in Gernsbach hat er allerdings bestritten.

Plädoyers am 19. November

Staatsanwältin, Verteidiger und die Anwälte der Opferfamilien werden am 19. November ihre Plädoyers halten, am selben Tag soll auch das Urteil fallen.

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