Die Nachfrage nach zusätzlichen Kinderbetreuungsplätezn hält in Baden-Baden auch im Jahr 2019 an. Das geht aus einem Bericht der STadtverwaltung vor. | Foto: Jens Büttner/dpa

Plätze sind gefragt

Kinderbetreuung: Experten sehen bei kleinen Baden-Badenern mehr Förderbedarf

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Die starke Nachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen hält an. Das geht aus einem Sachstandsbericht zur Kindergartenbedarfsplanung hervor, der an diesem Montag dem Gemeinderat vorgelegt wird. Maßnahmen, die bereits beschlossen wurden, um weitere Plätze zu schaffen, werden voraussichtlich Ende 2020/Anfang 2021 abgeschlossen sein – dann soll die Kita Campuspark im Stadtteil Cité in Betrieb gehen. Für die dreigruppige Einrichtung in Holzbauweise sind Kosten von 2,27 Millionen Euro veranschlagt.

Der Bestand

Zum Stichtag der Kita-Jahresstatistik (1. März) wurden im Stadtkreis 1 783 Kinder in 32 Tageseinrichtungen von neun Trägern sowie in der Kindertagespflege betreut. Nach Angaben der Stadtverwaltung lag die Betreuungsquote bei den unter Dreijährigen (u3) bei 31,6 Prozent, bei den über drei Jahre alten Kindern (ü3) bei 90.3 Prozent. In der Altersgruppe u3 gab es 321 (ü3: 1 315) Plätze in Tageseinrichtungen und 116 (ü3: 31) in der Tagespflege.

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Was kommt noch?

Die Kommunalpolitiker haben in den vergangenen Jahren Maßnahmen beschlossen, die das Angebot um 231 Plätze aufstocken sollen. Davon sind durch den Neubau des katholischen Kindergartens Regenbogen 63 in Betrieb oder werden gerade belegt. In der Planung sind noch 70 Plätze für die Altersgruppe u3 sowie 98 Plätze für ü3. Dann soll die Betreuungsquote auf 37,8 Prozent (u3) und 97,5 Prozent (ü3) steigen. Diese 168 Plätze sollen bis Ende des Jahres 2020 bzw. bis Anfang 2021 zur Verfügung stehen – wenn die Kita Campuspark bezugsfertig ist.

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Wie sieht es vor Ort aus?

Bei der Betreuungsquote gibt es zum Teil noch deutliche Unterschiede in den so genannten Sozialräumen, die sich aus Stadtteilen zusammensetzen. Im Sozialraum 1 (Innenstadt, Ebersteinburg, Lichtental, Oberbeuern und Geroldsau) lag die u3-Quote zum Stichtag 1. März bei 39,6 Prozent. Das entspricht dem angestrebten Wert. Bei den Kinder über drei Jahre bis zum Schuleintritt sind 96,1 Prozent erreicht – 100 Prozent sind das Ziel. Im Sozialraum 2 (Weststadt, Oos mit Cité und Balg) ist die u3-Quote bei 30,3 (Ziel: 39,8) Prozent, die ü3-Quote bei 82,5 (Ziel: 90,4) Prozent. Im Sozialraum 3 (Haueneberstein und Sandweier) sind in der u3-Gruppe 24,6 (Prozent erreicht, das Ziel sind 28,9 Prozent. In der ü3-Gruppe liegt der Wert bei 96,2 (Ziel: 100) Prozent. Im Sozialraum 4 (Steinbach, Varnhalt und Neuweier) sind in u3 derzeit 26,9 (Ziel: 38,9) Prozent erreicht, in ü3 93,6 Prozent  – das  entspricht auch dem angestrebten Wert. Bedarf für weiteres Handeln könnte demnach in Haueneberstein und Sandweier in der u3-Gruppe und im Sozialraum 2 in der ü3-Gruppe bestehen – wenn die Entwicklung bei den Kinderzahlen anhält.

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Immer mehr Kinder

Die Kinderzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr nochmals gestiegen (u3: plus 59, ü3: plus 93) – wie auch die Bevölkerungszahl insgesamt. Für fünf Jahren gab es in Baden-Baden 1 085 unter Dreijährige, zum Stichtag im März waren es 1 381. Bei den Drei- bis Sechsjährigen waren es 2014 noch 1 146, inzwischen sind es 1 278. Demnach leben im Stadtkreis 2 659 Kinder im Alter bis sechs Jahre. Die Bevölkerungszahl wuchs seit dem Jahr 2014 von 53 567 auf 55 890. Den größten Anteil an Kindergartenkindern gibt es mit 5,8 Prozent im Sozialraum 2 (Weststadt und Oos) sowie im Haueneberstein und Sandweier mit 5,7 Prozent. Der Durchschnitt für den Stadtkreis lag zum Stichtag im März bei 5,1 Prozent.

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Baden-Baden im Vergleich zu Stadt- und Landkreisen

Im Vergleich zu anderen Stadt- und Landrkeisen liegt Baden-Baden bei der Betreuungsstruktur im Mittelfeld., so die Verwaltung. Möglicherweise müssen weitere Plätze geschaffen werden. Auch bei rückläufigen Kinderzahlen blieben die Räume nicht ungenutzt, heißt es. Es wird mit einer kontinuierlich steigenden Nachfrage nach Ganztageseinrichtungen gerechnet. Dort können im Schnitt pro Gruppe weniger Kinder betreut weden. Experten berichten zudem davon, dass bei Kindern ein ansteigender Förderbedarf festgestellt werde.

Hortähnliches Angebot geplant: Ab dem Schuljahr 2020/21 plant die Stadt Baden-Baden die Einführung eines „hortähnlichen Angebots für Kinder im Grundschulalter“ mit „höchstens 40 Plätzen“ in zwei Gruppen. Einen entsprechenden Beschluss soll der Schul- und Sportausschuss des Gemeinderats in der Sitzung am 16. Oktober fassen, wie aus einer Vorlage zur Zusammenkunft des Gremiums hervorgeht.
Das Angebot soll schulübergreifend eingerichtet und möglichst an bestehende Strukturen angebunden werden. Derzeit werde geprüft, wo das Angebot räumlich eingerichtet werden kann. Der Hort soll mindestens 15 Stunden pro Woche außerhalb des Unterrichts geöffnet haben. Jährlich falle für die Stadt beim Betrieb mit einer Gruppe ein Personalkostenzuschuss für einen externen Träger von 100 000 Euro an. Im Jahr 2020 sollen für die Monate September bis Dezember anteilig 34 000 Euro im Etat bereitgestellt werden. Hintergrund für das geplante Angebot für Kinder vom Schuleintritt bis 14 Jahre ist der „stark gestiegene“ Bedarf an Ganztagsbetreuung. Gründe dafür seien „Zuzüge von jungen Familien und ein verändertes Arbeitsverhalten in Familien“. So würden immer öfters beide Eltern arbeiten, um den Lebensunterhalt der Familie zu bestreiten. Auch allein erziehende Mütter benötigten solche Betreuungsplätze für ihre Kinder, um arbeiten zu können, heißt es.