Kreativer Ausdruck: Künstlerische Arbeit begleitet die Behandlung von Menschen mit psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen.
Kreativer Ausdruck: Künstlerische Arbeit begleitet die Behandlung von Menschen mit psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen. | Foto: Klinik am Leisberg

Akute Fälle

Klinik am Leisberg in Baden-Baden: Zahl der psychischen Erkrankungen steigt

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Der Selbstmord ihres Bruders hat Andrea ganz schön aus der Bahn geschmissen. „Ich war aus allem ganz schön rausgeworfen“, sagt die 29-Jährige. Sie habe sich schwer gefühlt, ja beinahe bewegungsunfähig. Emily plagen massive Angststörungen. Ob Einkaufen, Zugfahren oder allein schon der Kontakt mit anderen Menschen – das alles fällt der 19-Jährigen sehr schwer. Michael leidet unter dem großen Stress bei der Arbeit. Die Belastung war für den 60-Jährigen so groß, dass sie ihn krank gemacht hat.

Alle drei sind Patienten der Klinik am Leisberg. Ihre Krankheitsbilder sind nahezu repräsentativ für die Menschen, die in der Akutklinik für Psychologische Medizin Hilfe suchen. Ess-, Angst-, Zwangsstörungen, Burn-out, Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen, Borderline-Syndrom oder ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom) – psychische und psychosomatische Erkrankungen häufen sich in den vergangenen Jahren.

Probleme beginnen in der Gesellschaft

„Wir verzeichnen eine massive Zunahme“, betont der Ärztliche Direktor und Chefarzt mit Blick auf seine mehr als 40 Jahre Erfahrung als Facharzt auf diesem Gebiet. Eine Erklärung für diese Entwicklung hat er auch parat. „Häufig ist das in unserer Gesellschaft begründet“, bekräftigt der Mediziner. „Viele Menschen wachsen nicht mehr in einem klaren Beziehungsgeflecht auf.“ Ob Familie, Schule oder Beruf – zunehmend gingen feste Bindungen verloren. „Irgendwann gerät die innere Ich-Struktur dann ins Wackeln und bricht gelegentlich zusammen“, erläutert Falbesaner.

Familiengeführte Klinik: Thomas Falbesaner und seine Tochter Franziska.
Familiengeführte Klinik: Thomas Falbesaner und seine Tochter Franziska. | Foto: Rudolphi

Klinik am Leisberg hat eigenes Konzept

Es sei weiter symptomatisch, dass es immer öfter Menschen mit mehreren „psychischen Baustellen“ gebe. Darunter zunehmend junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Früher sei diese Gruppe in den Fach-Krankenhäusern schlecht repräsentiert gewesen. Die Klinik am Leisberg habe darauf reagiert und ein eigenes therapeutisches Konzept entwickelt. „Mitunter sind das unsere schwierigsten Patienten“, räumt Falbesaner ein. Die mehrdimensional ausgelegte stationäre Behandlung berücksichtige vor allem die speziellen familiären, sozialen und beruflichen Aspekte dieser Menschen.

Kinder sind belastet

Auch bei Kindern und Jugendlichen treten Falbesaner zufolge gehäufter psychische und psychosomatische Probleme auf. Vor allem dann, wenn ein neuer Entwicklungsschritt anstehe oder es darum gehe, eine besonders belastende Situation zu bewältigen. Die Abteilung der Klinik bietet zwölf Plätze sowie einen separaten Tagestrakt für Therapie, Schulunterricht und Freizeit, erläutert Franziska Falbesaner, die ihren Vater in der familiengeführten Klinik bei Marketing und Kommunikation unterstützt.

„In der Regel können wir diese Menschen innerhalb einer Woche aufnehmen.

Als Akutklinik hält die Klinik etwa ein Drittel der 36 Erwachsenenbetten für dringende Fälle vor. „In der Regel können wir diese Menschen innerhalb einer Woche aufnehmen“, erläutert der Ärztliche Direktor. Im Schnitt bleiben Erwachsene acht bis zehn Wochen, Jugendliche zwölf bis 14 Wochen in der Klinik, um in Einzel- und Gruppentherapie sowie einem unterstützenden Angebot von Sport, Kunst oder therapeutischem Reiten Heilungseffekte zu erzielen.

Zurück in den Alltag

Am Ende des Aufenthalts steht dann eine sogenannte Erprobungswoche, in der die Klinik die Patienten mit gut vorbereitenden Aufgaben nach Hause entlässt, um ihnen die Eingewöhnung in den Alltag zu erleichtern. „Wir machen damit sehr gute Erfahrungen. Dieses Modell ist in psychotherapeutischer Hinsicht sehr wertvoll“, versichert der Chefarzt.