Starkes Teil: Ein 300-Tonnen-Kran hievt in Baden-Baden ein 40 Tonnen schweres Teil der Fieserbrücke auf einen Tieflader.
Starkes Teil: Ein 300-Tonnen-Kran hievt in Baden-Baden ein 40 Tonnen schweres Teil der Fieserbrücke auf einen Tieflader. | Foto: Bernd Kamleitner

Spektakel für Schaulustige

Kraftakt über der Oos – in Baden-Baden wird die Fieserbrücke abgebaut

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Wer hat schon gerne eine Baustelle? Wohl keiner! Aber ohne eine Erneuerung hier und da geht es auch in einer Touristenstadt wie Baden-Baden nicht. In deren Zentrum bietet der Abriss der Fieserbrücke derzeit ein Spektakel, das am Schmutzigen Donnerstag eine Alternative zum Fastnachtstreiben darstellte: Bis zu 40 Tonnen schwere Brückenteile schweben durch die Luft. Das lockt viele Schaulustige.

Die Arbeiten werden an diesem Freitag, 21. Februar,  fortgesetzt: Läuft alles nach Plan, haben Einheimische und Gäste ab dem Nachmittag an Stelle der bislang gewohnten Brücke einen völlig neuen, weil freien Blick auf die Oos.

Wochenlange Vorbereitung

Vincenz Wienk-Borgert ist die Nervosität anzumerken. Seit sechs Uhr am Morgen ist er auf den Beinen, um ein Projekt abzuwickeln, dessen Vorbereitung und logistische Bewältigung ihn in den vergangenen Wochen intensiv beschäftigte: der Abriss der in die Jahre gekommenen Fieserbrücke aus dem Jahr 1928.

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Brücken-TÜV attestierte Bauwerke schlechten Zustand

Dem Bauwerk, das an den früheren Oberbürgermeister Reinhold Fieser erinnert, wurde vom Brücken-TÜV ein schlechter Zustand attestiert. Also muss Baden-Badens bekannteste Überquerung der Oos erneuert werden.

Die ist schließlich eine beliebte Flaniermeile zwischen Kurhaus sowie dem Leopoldsplatz und der Altstadt. Rund 3,5 Millionen Euro muss die Bäderstadt in die Erneuerung der Brücke mit ihren denkmalgeschützten Brüstungen investieren.

Konzentriert verfolgt der Projektleiter vom Tiefbauamt das Geschehen. Die Brücke wurde bereits mit Spezialmaschinen in Einzelteile zersägt. Um diese abzutransportieren, ist vor den Kurhaus-Kolonnaden schweres Gerät aufgefahren.

Drei Tieflader mit jeweils neun Achsen stehen für die Touren mit den zwischen 20 und 40 Tonnen schweren und ausgedienten Brückenteilen aus Stahl und Beton bereit. Die Baufirma wird die tonnenschweren Brocken auf ihrem Gelände in Achern zerkleinern und dem Recyclingprozess zuführen, erläutert Wienk-Borgert.

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Starkes Teil: Im Einsatz ist ein 300-Tonnen-Kran

Die Hauptlast beim Brückenabbau hat ein mächtiger Mobilkran zu bewältigen – ein wirklich starkes Teil. 40 Tonnen anheben, das ist für die Maschine aber kein Problem. Bei einer Ausladung von drei Meter könnte das Spezialgerät eine maximale Traglast von 300 Tonnen hieven. Deshalb wird der HK 300 auch als 300-Tonnen-Kran bezeichnet.

20 tonnenschwere Teile sind zu entsorgen

20 Brückenteile mit einer Länge von 13 Metern, der Stützweite der Fieserbrücke, sind zu entsorgen – ein gewaltiger Kraftakt. Wichtig ist vor dem Anheben, dass das Teil wirklich frei liegt und nicht etwa klemmt.

Deshalb wird jedes Stück mit hydraulischen Pressen vorgedrückt, bevor es an Ketten und Stahlseilen hängend in die Lüfte zum Tieflader schwebt. „Wenn man mit solchen Teilen hantiert, dann ist jedes Teil ein Unikat“, verdeutlicht der Projektleiter die Komplexität der Aufgabe.

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Kolosse auf 18 Rädern

Die Tieflader-Route ist ebenfalls ausgetüftelt: Über Lichtentaler Allee und Fremersbergstraße geht es über das Rebland nach Achern. Die Anfahrt der Kolosse auf 18 Rädern erfolgt über die B 500 und die Kaiserallee zur Baustelle.

Für Fußgänger bleibt vorerst ein Steg erhalten

Für Fußgänger bleibt vorerst ein Steg über die Oos erhalten – bis der Neubau so weit voran geschritten ist, dass auch das derzeit mit roten Rutschmatten ausgelegte und an einen roten Teppich erinnernde letzte Brückenteil entfernt werden kann. Bis zum Christkindelsmarkt soll ein Teil des Neubaus fertig sein.

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Autofahrer scheiterte auf Fußgängerbrücke

Für Autos ist die Fieserbrücke seit Anfang Januar gesperrt. Das war für einen Autolenker kein Hindernis, die Überfahrt des allein Fußgängern vorbehaltenen Brückenteils zu versuchen Der Autolenker soll aber Richtung Kreuzstraße nicht durchgekommen sein. Fazit: Weitere Versuche lohnen sich also nicht!