Stufenweise umgewandelt wird das Krankenhaus Forbach, das zum Klinikum Mittelbaden gehört, in ein Pflegezentrum. | Foto: Keller

„Kleine Häuser ohne Chance“

Krankenhaus Forbach wird zum Pflegeheim

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Vom Krankenhaus zum Pflegeheim: Zum 1. Juli kommenden Jahres wird die Geriatie aus dem Forbacher Krankenhaus nach Bühl verlagert, die Innere Medizin geht nach Baden-Baden und Rastatt. Als Alternative sollen 50 Langzeitpflegeplätze entstehen, erklärte Jürgen Jung, kaufmännischer Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden, am Dienstagabend im Forbacher Gemeinderat.

Von Georg Keller

„Kleine Häuser haben keine Chance mehr“, machte Jung deutlich. Die wohnortnahe Versorgung an kleinen Klinikstandorten mit weniger als 200 Betten stehe vor dem Aus, verwies Jung auf die aktuelle politische Diskussion in Deutschland.

Mindestfallzahlen nicht erreicht

Der Standort Forbach habe die Mindestfallzahlen für Operationen im Bereich Chirurgie nicht mehr erreicht, dasselbe passiere jetzt auch im Bereich Innere Medizin/Geriatrie, so der Geschäftsführer. Die Bevölkerungsentwicklung in Forbach und dem Murgtal sei rückläufig. Jung: „Natürlich wirkt sich das auch auf die Patientenzahlen aus.“ Ein weiteres Problem sei der Fachkräftemangel: „Wir haben unter dem Strich deutlich zu wenig Pflegekräfte im System.“ In der Geriatrie liegt das Verhältnis Patient zu Pflegekraft derzeit tagsüber bei zehn zu eins beziehungsweise in der Nachtschicht bei 20 zu eins. Auch Ärzte sind Mangelware.

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Fördermittel für den Umbau

Der Landkreis Rastatt und der Stadtkreis Baden-Baden als Gesellschafter des Klinikums Mittelbaden stehen zu den Standorten. Seit einigen Jahren wird in Forbach bereits eine Kurzzeitpflege angeboten – mit derzeit zwölf Plätzen. Für den Umbau der ehemaligen Chirurgie in eine Pflegeeinrichtung sind Fördermittel aus dem Krankenhausstrukturfonds von 1,01 Millionen Euro zugesagt. „Forbach ist das einzige Krankenhaus in ganz Deutschland, das Fördermittel für die Umwandlung von einem Akutkrankenhaus in eine Pflegeeinrichtung bekommen hat“, so Jung. Im zweiten Obergeschoss soll die neue Langzeitpflege geschaffen werden. Vorgeschrieben sind Einbettzimmer, vorgesehen sind 40 bis 50 Pflegeplätze.

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Sprechstunden bleiben

Bereits begonnen haben die Umbauarbeiten in der ehemalige Küche für eine Tagespflegeeinrichtung, die von der Katholischen Sozialstation Forbach-Weisenbach betrieben wird. „Ein neues Angebot, das gebraucht wird und sich für die Bevölkerung als hilfreich zeigen wird“, war sich Jürgen Jung sicher.
Auch die Allgemeinmedizinische Praxis von Daniela Lerch-Kazakis wird am Standort bleiben, die Mietverträge wurden verlängert. Weiterhin soll es Sprechstunden der Chefärzte aus Baden-Baden und Rastatt vor Ort geben sowie ambulante Augen-Operationen. Die Rettungswache des DRK soll in die bisherige Liegendanlieferung umziehen.

„Bittere Pille“

„Ich denke, wir müssen die bittere Pille schlucken“, betonte Gemeinderätin Margrit Haller-Reif (Grüne). Auch Heike Schillinger (SPD) sprach von einer nicht zu beeinflussenden Entwicklung. Jörg Bauer (SPD) erkundigte sich nach der Zahl der Arbeitsplätze in einem künftigen Pflegeheim. Jung sprach von insgesamt 50 Arbeitsplätzen, hinzukommen die Tagespflege und die DRK-Rettungswache. Aktuell sind insgesamt 71 Mitarbeiter in Forbach beschäftigt; dies entspricht 49,8 Vollkräften, davon 37 Mitarbeiter in der Pflege, acht Ärzte, 20 Mitarbeiter im medizinisch-technischen Bereich und sechs Reinigungskräfte.