BEIM OFFENEN DIALOG wurden viele Aspekte kritisch diskutiert: Landwirtschaftsminister Peter Hauk, CDU Landtagsabgeordneter Tobias Wald sowie Berthold Falk, Aufsichtsratsvoritzender der Affentaler Winzer, in Neuweier. Foto: A. Bühler | Foto: A. Bühler

CDU-Forum zur Landwirtschaft

Landwirtschaftsminister Hauk in Neuweier: „Winzer werden ausgequetscht“

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Die Politik habe keine Patentrezepte. Es gebe aber landwirtschaftliche Betriebe, die eine gute Rendite erzielen, betonte Landwirtschaftsminister Peter Hauk auf einem CDU-Forum in Neuweier. Landwirte und Winzer warnten vor dem ausfallenden Generationswechsel in der Landwirtschaft.

Wie stark den hiesigen Landwirten die vielfältigen Probleme, die sich um den Strukturwandel und insbesondere den Pflanzenschutz ranken, unter den Nägeln brennen, zeigte die lebhafte Resonanz beim CDU-Forum in Neuweier mit eindringlichen Beiträgen an die Adresse von Landwirtschaftsminister Peter Hauk.

Fazit: Es hätte für die Landwirte schlimmer kommen können, betonte Hauk mehrfach bei der rund dreistündigen Diskussionsrunde zum Thema „Landwirtschaft und Artenschutz vereinen – Wie kann das gelingen?“ Durch das Aushandeln eines Eckpunktepapiers mit den maßgeblichen Interessengruppen sei es gelungen, das drohende Verbot von Pflanzenschutzmitteln in den Schutzgebieten über ein das Volksbegehren abzuwenden.

Weniger Pflanzenschutz vereinbart

„Wir haben als Landesregierung zugesagt, bis 2030 den Aufwand von Planzenschutzmitteln für die gesamte Gesellschaft um bis zu 50 Prozent zu reduzieren“, betonte der Landwirtschaftsminister, der dabei unmissverständlich klar machte, dass „die Landesregierung hierbei jedoch keinen Druck ausübt“.
Das Problem zusehends brach fallender Rebflächen und die schlechten Einkommen der Landwirte nahm der Minister in ausführlicher Form entgegen.

Effizienz und Digitalisierung ist hilfreich.

Landwirtschaftsminister Hauk

„Ich habe kein Patentrezept. Es gibt jedoch Betriebe, die eine sehr einträgliche Rendite erzielen. Effizienz und Digitalisierung ist hier hilfreich“, betonte Hauk und empfahl den zahlreich im Neuweierer Weinhaus am Mauerberg erschienenen Winzern und Landwirten, verstärkt in moderne Technik zu investieren.

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Der Handel macht den Gewinn

„Die Landwirte müssen leben, wenn die Gesellschaft einen Anspruch auf die Kulturlandschaft hat. Und wer, wenn nicht der Landwirt, sollte die Natur schützen, wenn er davon lebt“, führte Tobias Wald (CDU) in die Thematik ein, zu der es viele differenzierte Beiträge gab. „Wir Winzer sind nicht nur durch ein Volksbegehren in der Existenz bedroht. Durch das Eckpunktepapier wurde uns eine Reduzierung aufgedrückt, ohne vorher zu klären, ob diese überhaupt machbar ist“, war ein Kritikpunkt, den Berthold Falk, Winzer und Aufsichtsratsvorsitzender der Affentaler Winzer, dem Minister mit auf den Weg nach Stuttgart gab.

Die Erzeuger werden ausgepresst wie eine Zitrone

Berthold Falk, Winzer

„Geiz ist geil – der Handel macht den Gewinn über zu niedrige Einkaufspreise. Die Erzeuger werden ausgepresst wie eine Zitrone“, stellte er fest. Der Lebensmittelhandel mache den Reibach und die Erzeuger müssten die Mindestlöhne für die Erntehelfer aufbringen. „Uns steht das Wasser nicht bis zum Hals. Hier im Raum Bühl läuft es uns schon hinein“, zeichnete er ein drastisches Bild und warnte vor dem Generationenwechsel, der nicht stattfinde.

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Die Rebflächen fallen brach

„Die Rebflächen fallen brach und versteppen“, sagte er und bemängelte, dass der Tourismus, der maßgeblich von der schönen Kulturlandschaft profitiere, mit hohen Summen gefördert werde. „Winzer und Landwirte müssen etwas verdienen. Ohne sie geht es nicht oder es wird sehr teuer für alle“, betonte er. „Nach einer gewissen Zeit muss man in Maschinen investieren, aber Sie müssen nicht. Es gibt gute, aber auch schlechte Betriebe mit unterschiedlichen Gewinnmargen“, entgegnete Peter Hauk und stellte fest, „dass nicht alles auf die Politik zurückzuführen ist.“ Durch das Eckpunktepapier sei das Schlimmste gestoppt. Nun gelte es, durch „ gute Demonstrationsbetriebe zu zeigen, was möglich ist.“

Verbote in Hausgärten

Eine deutliche Verringerung des Pflanzenschutzaufkommens sei durch die Modernisierung der veralteten Spritzgeräte und generelle Verbote in Hausgärten zu bewerkstelligen. Viele Stimmen forderten bei der Veranstaltung ein Miteinander in der Gesellschaft und einen durchgehenden „Biodiversitätsverbund.“ Zur Kritik am Verhalten des Handels empfahl Hauk den Winzern und Landwirten: „Fahren Sie mit den Schleppern hin und zeigen Sie Ihren Unmut. Der Handel reagiert auf Unmut sehr sensibel.“

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