Belege, dass eine Temporeduzierung Stickoxide in der Luft reduzieren könnte, gibt es augenscheinlich keine. | Foto: Franziska Kraufmann/dpa

LUBW verteilt gute Noten

„Luft in Baden-Baden sehr gut“

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Ist die Schadstoffbelastung durch Kraftfahrzeuge ein grundsätzliches Problem für Baden-Baden, ist eine Wohnbebauung an der Wörthstraße unter dem Tausendfüßler aus medizinischer Sicht nicht zu verantworten und könnte eine flächendeckende Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer Linderung verschaffen? – Mit diesen Fragen hatte sich die Fraktion der Freien Bürger (FBB) an Bürgermeister Alexander Uhlig gewandt und sofortige Gegenmaßnahmen gefordert: „Es ist Zeit zu handeln und endlich ,Pflöcke‘ einzuschlagen, damit unsere wunderbare Stadt nicht ,an den Folgen der Fehler oder Versäumnisse ihrer Verwaltung‘ (in die Bedeutungslosigkeit) versinkt, sondern eine Zukunft hat.“ – Wirklich so schlimm?

Luft mit guter Qualität

Zuständig für die Überwachung der Luftqualität im Land ist die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, kurz: LUBW. Und die sieht die Baden-Badener Luft mit ganz anderen Augen. „Baden-Baden hat seit vielen Jahren im Vergleich zu anderen Städten in Baden-Württemberg eine sehr gute Luftqualität“, betont LUBW-Sprecherin Tatjana Erkert.

Wenn man sich im „Kenngrößenbericht 2015“ der LUBW die vergleichend dargestellten Jahresdaten für die Luftmessstationen ansehe, bemerke man, dass Baden-Baden beim Vergleich der Luftmessstationen nach den Luftschadstoffwerten immer in den untersten Rängen gelistet sei, also bei den Messstellen stehe, welche die niedrigsten Schadstoffkonzentrationen aufweisen.

2016 nur eine Überschreitung

Im Jahr 2016 sei in Baden-Baden der Tagesgrenzwert für Feinstaub nur einmal überschritten worden und zwar am Neujahrstag. Die Ursache sei also nicht der Verkehr, sondern das Silvesterfeuerwerk.
Anfang 2017 sei nun in der Winterperiode dieser Grenzwert bereits sieben Mal überschritten worden. Dies sei auf die außergewöhnliche Situation zurückzuführen, dass es in diesem Winter viele lang anhaltende Perioden mit Inversionswetterlagen gegeben habe. Dies gelte für viele Landesteile in Baden-Württemberg. Deshalb weise in diesem Jahr auch die Station in Baden-Baden bereits zum Jahresanfang mehrere Tage mit Überschreitungen des Tagesmittelwertes für Feinstaub auf. Erkert: „Wir hatten eine ähnliche Situation bereits in den Jahren 2006 und 2003.“

Hohe Ozonwerte

Anders sei die Luftqualität beim Ozon zu beschreiben. Hier überschreite Baden-Baden oft die Informations- und die Alarmschwelle, obwohl hier kaum Quellen für die Vorläuferstoffe wie Industrie oder starker Verkehr vorhanden seien. Die höchsten Ozonwerte würden im Sommer paradoxerweise meist am Stadtrand und in den angrenzenden ländlichen Gebieten auftreten, also entfernt von den Quellen der Vorläuferstoffe. Dies liege daran, dass Stickstoffmonoxid, das ebenfalls beim Verbrennungsprozess im Motor entstehe, als Abgas direkt mit bereits entstandenem Ozon reagiere und es abbaue. So komme es oftmals zu der scheinbar widersprüchlichen Situation, dass die Ozonbelastung in Innenstädten niedriger ist als in ländlichen Gebieten. Außerdem würden die Vorläuferstoffe mit dem Wind aus den Städten heraustransportiert und würden so entfernt von deren eigentlichen Quellen zur Ozonbildung beitragen.

Das sei auch die Erklärung dafür, weshalb im recht heißen Sommer 2015 in Baden-Baden der höchste Maximalwert für Ozon mit 258 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen worden sei, obwohl hier wenig Industrie angesiedelt sei und an den Messstellen generell eine gute Luftqualität dokumentiert werde.
Die Luft in Baden-Baden sei im Übrigen nicht besonders durch die Autobahn geprägt.

Keine Reduzierung durch Tempo 30

Die Frage, ob sich eine allgemeine Einführung von Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet auf den Schadstoffgehalt auswirke, sei nur schwer generell zu beantworten. Die LUBW habe mit dem TÜV-Nord und der LfU Bayern in 2015 ein Projekt bearbeitet „PEMS-Messungen an drei Euro 6-Diesel-Pkw auf Streckenführungen in Stuttgart und München sowie auf Außerortsstrecken“.

Ein Ergebnis des Projektes sei laut Tatjana Erkert gewesen, dass Geschwindigkeitsreduzierungen auf Tempo 30 oder 40, wie auch bei Euro 4- und Euro 5-Dieselfahrzeugen, nicht zu einer Verminderung der NOx-Emissionen führen würden.