viel größer und damit bei der Sanierung wesentlich aufwendiger, als viele sich vorstellen, ist die Schlossanlage mit dem Hauptbau und seinen diversen Nebengebäuden auf dem Florentinerberg in Baden-Baden. | Foto: Bernd Kappler

Neues Schloss in Baden-Baden

Luxushotel vor dem Aus?

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Nein, ein Schnäppchen war das nicht, als der zwischenzeitlich verstorbene Vater von Schlossbesitzerin Fawzia Al-Hassawi auf Vermittlung eines Baden-Badener Maklers der badischen Markgrafenfamilie deren Stammsitz auf dem Florentinerberg in Baden-Baden für gut drei Millionen Euro abgekauft hat. 14 Jahre nach Unterzeichnung des Kaufvertrages entpuppt sich die Immobilie mehr und mehr als unlösbare Aufgabe. Das Hotelprojekt treibt auf das Ende zu und was dann aus dem Neuen Schloss wird, steht in den Sternen.
Bereits bald, so den BNN vorliegende Informationen, sollen die Gespräche unter Mitwirkung der Stadt und des Landesdenkmalamtes beginnen. Ausgelotet werden soll, ob die im September von der Schlossbesitzerin vorgelegten neuen Überlegungen überhaupt die Chance auf eine Genehmigung haben könnten. Laut Bürgermeister Alexander Uhlig werden mehrere Ortstermine erforderlich sein. Ergebnisse dürfte es nicht vor dem Sommer geben. Steht der Traum vom Luxushotel vor dem Aus?

Neue Iden für Luxushotel

Die neuen Ideen unterscheiden sich grundsätzlich von dem im Jahr 2010 genehmigten, inzwischen aber verfallenen Bauantrag. Jetzt sollen alle Zimmer in der historischen Bausubstanz untergebracht werden.
Nach Darstellung von Al-Hassawis Planern wären 141 Zimmer in den historischen Mauern darstellbar, bei 40 werden aber denkmalschutzrechtliche Belange tangiert. Dächer müssten erhöht werden, so im zentralen Kavaliersbau. In der Orangerie müssten Decken erhöht und weitere Dachgauben eingebaut werden, um die geplanten Zimmer besser zu belichten.
Im ehemaligen Stallgebäude neben dem Eingangstor müssten die Fenster vergrößert und es müssten dort auch Raumteiler eingebaut werden, um überhaupt Zimmer zu bekommen.
Auch die Frage, ob sich im Keller des Kavaliersgebäudes eine Spa-Landschaft mit Pool verwirklichen lässt, könnte sich aus der Sicht des Denkmalschutzes schwierig gestalten.

Knackpunkt Prunkräume

Knackpunkt sind aber die Prunkräume insbesondere im ersten Obergeschoss. Dort soll es insgesamt vier Präsidenten-Suiten geben, die aber ebenfalls Einbauten für die sanitären Einrichtungen erfordern würden.
Konzeptionell könnten die an mindestens drei Stellen angeordneten Spa-Bereiche problematisch werden. Ferner sind die Wege von der Küche zu den beiden Restaurants relativ weit. Und: Es fällt auf, dass Service-Räume auf den Etagen Mangelware sind.

Problem Spa: Kann im Keller des Kavaliersgebäudes ein Pool eingebaut werden? | Foto: Bernd Kappler

Baukosten noch höher?

Mit ein Kernproblem könnten auch noch die Baukosten werden, die die Bauherrin im Moment mit 80 Millionen Euro kalkuliert. Tatsächlich ist das Neue Schloss aber vollgestopft mit historischen Kleinodien von den Fensterläden über die auf allen Etagen verteilten historischen Öfen bis hin zur Ahnengalerie der badischen Markgrafen, die zum Interieur für die größte Präsidenten-Suite werden würde. Im Schloss liegen die Probleme offensichtlich eng beieinander. Bernd Kappler