Der Deportiertenfriedhof in Gurs.
Gurs | Foto: Kampf

Gedenkveranstaltung geplant

Mahnmal in Baden-Baden erinnert an Nazi-Internierungslager in Gurs

Anzeige

Der 22. Oktober 1940 gilt als einer der schwärzesten Tage in der Geschichte Südwestdeutschlands. Nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung wurde von den Nationalsozialisten in das Internierungslager „Camp de Gurs“ im Vorland der Pyrenäen in Frankreich verschleppt. Betroffen waren über 6.500 Menschen aus 137 südwestdeutschen Gemeinden, darunter etwa 100 aus Baden-Baden.

Anlässlich des 80. Jahrestags plant das städtische Kulturbüro zu einer Gedenkveranstaltung in Gurs am 22. Oktober eine Ausstellung. Der Deportiertenfriedhof in Gurs ist ein Teil der Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen.

Auch interessant: Schicksal eines jüdischen Fußballers aus Karlsruhe bewegt Schüler

Gedenkstein in Hector-Berlioz-Anlage

In Baden-Baden erinnert ein auf den ersten Blick eher unscheinbares Mahnmal in der Hector-Berlioz-Anlage beim Festspielhaus an die Deportation der Juden nach Gurs, von denen die meisten in der Zeit danach in den Vernichtungslagern ums Leben kamen.

Viele ältere Menschen starben schon auf der Anreise

Viele Ältere starben bereits an den Strapazen der dreitägigen Reise in den „Vorhof zur Hölle“, wie das größte Internierungslage in Frankreich auch heute noch in historischen Betrachtungen genannt wird. Ziel der damaligen Aktion der Nationalsozialisten war es, die südwestdeutschen Gebiete als erste im Reich rasch und vollends „judenfrei“ zu machen.

Baracken boten kaum Schutz

Die Baracken im Lager in Gurs waren aus einfachen Brettern gezimmert und mit Dachpappe verkleidet. Sie schützen so gut wie nicht gegen Wind, Kälte oder Hitze, ist auf der Homepage der Evangelischen Landeskirche Baden in einem Beitrag nachzulesen.

Auch interessant: Jeder Fünfte findet: Zu viel Raum für Holocaust-Gedenken

„Die Gestapo-Beamten kamen am frühen Morgen in die Wohnungen. Die Festgenommenen in den 137 betroffenen Gemeinden mussten in aller Eile ihre Habseligkeiten zusammenpacken und innerhalb einer Stunde reisefertig sein. Pro Kopf durfte ein höchstens 50 Kilogramm schwerer Koffer mitgenommen werden, eine Wolldecke, Geschirr und Lebensmittel für mehrere Tage, maximal 100 Reichsmark sowie die Ausweispapiere.“

Auch Kranke und Kinder betroffen

Mit Zügen und Lastwagen wurden die Menschen in das 1.300 Kilometer entfernte Gurs gebracht, darunter kleine Kinder ebenso wie Alte und Kranke: „Dass sie nie mehr zurückkommen sollten, war ihnen nicht klar.“

Mehr zum Thema: In Auschwitz starben mindestens 1.072 Menschen aus Karlsruhe

Gedenkstein soll ein Zeichen gegen Hass sein

Das Mahnmal in der kleinen Grünanlage in Baden-Baden wurde von Schülern der Kosterschule vom Heiligen Grab im Rahmen eines landesweiten ökumenischen Jugendprojekts erstellt. „Der Gedenkstein ist ein Zeichen gegen Hass und Verachtung, gleichzeitig steht er für Versöhnung und eine Zukunft in Frieden“, heißt es in einer Tafel neben dem Mahnmal.

Der Gedenkstein in der Hector-Berlioz-Anlage in Baden-Baden.
Der Gedenkstein in der Hector-Berlioz-Anlage in Baden-Baden. | Foto: Bernd Kamleitner

Das Relief zeigt auf der einen Seite die Schönheit Baden-Badens, auf der anderen Seite die Gewalt gegen Menschen jüdischer Abstammung.

Mehr zum Thema: Widerstandskämpfer Reinhold Frank: Mit Courage gegen die Nazis

SPD fordert Würdigung von Betroffenen aus Baden-Baden

SPD-Fraktionschef Kurt Hochstuhl kritisierte im Hauptausschuss des Gemeinderats, dass auf dem Deportiertenfriedhof in Gurs mit 1.073 Gräbern kein Baden-Badener Bürger namentlich erwähnt sei. Dabei sei gesichert, dass „mindestens sechs Baden-Badener dort ihr Leben lassen mussten“. Der Bäderstadt, so Hochstuhl, würde es gut zu Gesicht stehen, wenn sie die sechs Mitbürger in Gurs würdigen würde, „indem man ihnen ihren Namen wieder gibt“.

Oberbürgermeisterin strebt Abstimmung mit Karlsruhe an

Oberbürgermeisterin Margret Mergen zeigte sich dem Anliegen des SPD-Politikers gegenüber aufgeschlossen. Sie plädierte für eine Abstimmung mit der Stadt Karlsruhe, die federführend für die Unterhaltung des Friedhofs zuständig ist. In diesem Zusammenhang könne geklärt werden, ob die nachträgliche Würdigung etwa mit einer Tafel oder einem Stein erfolgen könne.

Nach dem Krieg hatte der Verband der jüdischen Gemeinschaften des Basses-Pyrénées bereits im Jahr 1945 auf dem Friedhof ein Denkmal zur Erinnerung an die Opfer errichtet. Im Lauf der Jahre verwilderte jedoch der Friedhof.

Mehr zum Thema: Von Baden-Baden über Mannheim nach Auschwitz: KZ-Kommandant Rudolf Höß

Badische Gemeinden unterhalten Friedhof in Gurs

Nach dem er einen Artikel über dessen Zustand in der Zeitung gelesen hatte, wurde im Jahr 1957 der damalige Karlsruher Oberbürgermeister Günther Klotz aktiv, heißt es dazu in einem Beitrag auf der Homepage der Stadt Karlsruhe.

Bei seinen Bemühungen, die Grabstätte wieder instandzusetzen und zu pflegen erhielt er Unterstützung vom vom Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden. Der Friedhof, den die Gemeinde Gurs dem Oberrat für 99 Jahre verpachtet hatte, wurde am 26. März 1963 feierlich eingeweiht.

Baden-Baden leistet seit 2002 finanziellen Beitrag

Für Unterhaltung der Anlage kommen badische Städte, Gemeinden und Kreise auf, aus denen jüdische Bürger nach Gurs deponiert wurden. Baden-Baden leistet seit dem Jahr 2002 einen finanziellen Beitrag und ist seit 2011 im zuständigen Gremium vertreten.