Protest trotz Dauerregens: Landwirte weisen in Steinbach auf ihre angespannte Situation hin. Dabei beklagen sie den Mangel an Messstellen für Nitrat im Grundwasser. Dies verfälsche das Ergebnis. | Foto: Brück

Protest im Dauerregen

Mahnwache der Landwirte in Baden-Baden versinkt im Regen

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Bereits zum dritten Mal haben die Landwirte in Baden-Baden eine Mahnwache gehalten. Der Grund für ihren Unmut: Das Agrarpaket der Regierung. „Reden Sie mit uns statt über uns“, fordern die Bauern. Sie wollen Irrtümer aufklären und das Gespräch suchen. Am Samstagabend war die Mahnwache aber reichlich verregnet.

Von unserem Mitarbeiter Michael Brück

Nicht nur Meteorologen haben ein feines Händchen für das Wetter. Auch Landwirte zeigen immer wieder ein gutes Gespür. So auch am Samstagabend, als Landwirte aus Steinbach und Sinzheim gemeinsam zu einem Mahnfeuer auf einem Feld am Rande der B3 eingeladen hatten. Nach ausgiebigen Regenfällen wurde es rechtzeitig zum Beginn der Mahnwache trocken. Einen Einfluss auf die Resonanz auf die Veranstaltung hatte das aber nicht mehr.

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Niemand war an diesem Abend bereit, auf einer tiefen und matschigen Rasenfläche das Gespräch über Arten- und Umweltschutz zu suchen. Mit Getränken und Bratwürsten blieben die Landwirte unter sich, diskutierten in den eigenen Reihen über den Schutz der bäuerlichen Familienbetriebe, den vertraglichen Artenschutz, den nachhaltigen Schutz von Streuobstwiesen oder auch den umweltschonenden Pflanzenschutz.

Die Proteste werden wahrgenommen

Sascha Pfaff

Umsonst sei die Aktion dennoch nicht, versicherte Sascha Pfaff. „Die Proteste werden wahrgenommen“, sagt der 29-jährige Haupterwerbslandwirt aus Steinbach. Unter dem Motto „Reden Sie mit uns statt über uns“ war es am Samstag bereits die dritte Veranstaltung, über die man mit den Menschen in der Region das Gespräch suchen wollte, um einige „Irrtümer“ aufzuklären, wie Pfaff sagt.

Aufklärungskampagne zum Agrarpaket

Im Vordergrund der aktuellen Aufklärungskampagne der Landwirte steht das gesamte Agrarpaket. „Wir sollen weniger düngen, damit die schlechten Nitratwerte im Grundwasser relativiert werden.“ Die Wahrheit sei aber, dass man gar nicht wisse, wie belastet Deutschland wirklich sei. „Wir haben ein katastrophales Messstellennetz. In den Niederlanden betreibt man pro Quadratkilometer 40 Messstellen. In Frankreich sind es vier und in Deutschland leistet man sich gerade einmal 0,4 Messstellen auf den Quadratkilometer. Wenn eine solche Messstelle, aus welchen Gründen auch immer, in einem schlechten Gebiet liegt, wird das ganze Gebiet als so genannte rote Fläche ausgewiesen. Das ist eine Verfälschung der Tatsachen“, ärgert sich Sascha Pfaff.

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Den schwarzen Peter schiebe man den Bauern zu. Das sei so nicht richtig. „Aus vielen Klärwerken wird noch immer schlechte Wasserqualität ins Grundwasser geleitet.“ „Wir prüfen unsere Böden ja auch selbst, und erreichen meist gute Werte“, erzählt Peter Lörch aus Sinzheim und sagt: „Wir sind diejenigen, die das Landschaftsbild pflegen und ganz besonders darauf achten.“

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Ein weiterer Kritikpunkt ist der Absatz der Waren bei Supermärkten und Discountern. Man könne mit diesen Preisen nicht leben. Der Kunde müsse verstärkt auf die kleinen Betriebe zugehen und direkt beim Erzeuger kauft. „Wenn wir Zwetschgen anbieten, kann es schnell sein, dass aus Ungarn oder der Türkei Zwetschgen angeboten werden, die nur ein wenig günstiger sind als unsere. Wir können dann nicht mehr verkaufen“. CO2-Bilanz interessiert dabei niemanden“, sagt Lörch verärgert. Hier müssten die Verbraucher sensibler reagieren.