Die Kuppel des antiken Pantheon in Rom ist die vielleicht berühmteste Kuppel der Welt. Sie war ein Vorbild für das Friedrichsbad. | Foto: Ulrich Coenen

BNN-Serie Friedrichsbad 8

Michelangelo lieferte Ideen für den Baden-Badener Badetempel

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Das Friedrichsbad in Baden-Baden war im 19. Jahrhundert das modernste Kurbad Europas. 1869 wurde nach Plänen von Karl Dernfeld der Grundstein gelegt. Die Kurstadt reagierte damit auf das drohende Glücksspielverbot. Mit Wellness statt Zocken wollte sie für die Gäste attraktiv bleiben. Die BNN-Serie beschreibt die spannende Baugeschichte. Dies ist Teil 8. 

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Karl Dernfeld irrte, als er das Friedrichsbad in Baden-Baden baute. Die Rückbesinnung auf die antiken römischen Thermen machte es im 19. Jahrhundert möglich, den großen Badesaal des Friedrichsbades mit einer Kuppel zu überdecken.

Eine brilliante Idee

Doch woher hatte Dernfeld die Idee? Die nur als Ruine erhaltene Kuppel der antiken Caracallathermen in Rom stand als Vorbild kaum zur Verfügung, so dass die Fehlinterpretation des Tempels Pantheon in Rom für den Baden-Badener Architekten eine willkommene Inspiration war. Dieses Missverständnis wurde in Folge 7 ausführlich beschrieben.

So schuf Dernfeld in Baden-Baden einen Baderaum mit grandioser Kuppel nach dem Vorbild des Pantheon, das er (wie viele Bauhistoriker im 19. Jahrhundert) für eine Therme gehalten hat. Dabei übernahm der Architekt die Kassettendecke der Kuppel und das kreisrunde Oberlicht in deren Zentrum.

Abschied vom Ideal

Doch es sind auch Unterschiede erkennbar, die verdeutlichen, dass es neben dem Pantheon andere Einflüsse gegeben haben muss. Die Grundrissform des Pantheons ist ein Kreis mit einer Innenraumbreite von 43,3 Metern, die exakt der Höhe entspricht. Der Badesaal in Baden-Baden ist hingegen mehr als eineinhalb Mal so hoch wie breit. Warum also wich Dernfeld vom Ideal ab?

Die Kuppel des Friedrichsbades | Foto: pr

Ein Blick in die europäische Architekturgeschichte erklärt dies: Während im römischen und byzantinischen Kulturkreis großartige Kuppeln entstanden, war diese Gewölbeform im Mittelalter in Westeuropa wenig bedeutend. Erst in der Renaissance wurden, angeregt durch das Pantheon, wieder große Kuppelbauten errichtet, wobei Filippo Brunelleschi mit der 1419 begonnenen achtseitigen Kuppel des Florentiner Doms den Anfang machte.

Kuppel des Petersdoms in Rom | Foto: Ulrich Coenen

Höhepunkt dieser Entwicklung ist die ab 1547 von Michelangelo geschaffene Kuppel des Petersdoms in Rom. Nach dem Vorbild von Florenz beschreibt das Gewölbe nicht wie im Pantheon eine Halbkugel, sondern ist überhöht.

Die Parallelen zwischen der Peterskirche und dem Friedrichsbad sind unübersehbar, was keineswegs verwundert, weil das Bauwerk in Baden-Baden im Stil der italienischen Hochrenaissance errichtet wurde. Dernfeld lernte die Denkmäler in Rom und Florenz im Rahmen seiner Italienreise kennen und schuf mit der Kuppel des Friedrichsbades ein Gewölbe, das in gewisser Weise eine Synthese der Kuppeln des Pantheons und des Petersdoms darstellt.

Hauptfassade des Friedrichsbades am Römerplatz | Foto: Ulrich Coenen

Nicht nur der Innenraum des Friedrichsbades auch das Äußere ist sehr repräsentativ. Die Kurstadt an der Oos demonstrierte ihr Selbstbewusstsein. Der Mittelbau mit dem Hauptportal ist triumphbogenartig. In den Bogenzwickeln der reich gegliederten Sandstein-Fassade befinden sich zwölf Porträtmedaillons und zwei Figurennischen, die Raum für ein umfangreiches Bildprogramm geben.

Die Reliefs der Porträtmedaillons wurden von den Bildhauern Kern und Heinrich Kaffenberger in Baden-Baden ausgeführt und zeigen Herrscher und Wissenschaftler: Es handelt sich unter anderem um den römischen Kaiser Caracalla, die Ärzte Hippokrates und Paracelsus, den Chemiker Robert Wilhelm Bunsen und Carl Frech, Dernfelds medizinischen Berater bei der Planung des Friedrichsbades.

Heil dem Wasser und dem Feuer

In den Figurennischen des Mittelbaus befinden sich die von Hans Baur aus Konstanz geschaffenen Skulpturen der antiken Götter Äskulap und Hygea, darüber auf zwei Tafeln ein sehr frei wiedergegebenes, angeblich vom Karlsruher Dichter Josef Victor von Scheffel umformuliertes Zitat aus dem Schlusschor der Klassischen Walpurgisnacht in Faust II, in der Johann Wolfgang von Goethe den vier Elementen huldigt: „Wunderwirkend schäumt die Welle, strömt der heiße Dampf der Quelle, Muth wird freier, Blut wird neuer, Heil dem Wasser, Heil dem Feuer!“.

In dem monumentalen Bogen über dem Portal, also im Zentrum des gesamten umfangreichen Baden-Badener Bildprogramms, steht die von Friedrich Moest aus Karlsruhe geschaffene Büste Großherzog Friedrichs von Baden, dem das Baden-Badener Bad seinen Namen verdankt.

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