In der Bauernfeldstraße hat die Baugenossenschaft Familienheim neue Wohnungen geschaffen. Anlässlich ihrer Mitgliederversammlung weist die Genossenschaft aber darauf hin, dass dies immer schwieriger und vor allem teurer werde. | Foto: Kappler

Baden-Baden

Mietwohnungsbau wird immer schwieriger

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Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum spiegelt sich im Geschäftsbericht der Baugenossenschaft Familienheim Baden-Baden wider, deren gut 900 Mitglieder die Zahlen für das Rechnungsjahr 2017 am  Mittwoch (17. Oktober 2018) bei der Mitgliederversammlung absegnen sollen.

Frei werdende Wohnungen werden gleich wieder vermietet

Geschäftsführer Stefan Kirn stellt im Geschäftsbericht fest, dass frei werdende Wohnungen im Prinzip sofort weitervermietet werden. Kirn: „Strukturelle Leerstände gibt es nicht.“ Nach der Fertigstellung des Neubaus in der Bauernfeldstraße verfügte die Familienheim Ende 2017 über 434 Wohnungen, neun gewerbliche Einheiten und 176 Garagen.

Mieten unter Baden-Badener Niveau

Trotz einzelner Mieterhöhungen – die Genossenschaft unternimmt bei einem Mieterwechsel grundsätzlich Generalsanierungen des Bestandes – lägen die Mieten unter dem Niveau des Wohnungsmarktes in Baden-Baden. Ohne die Neubauwohnungen in der Bauernfeldstraße gibt die Familienheim eine Durchschnittsmiete von 5,88 Euro pro Quadratmeter an, zwei Cent mehr als im Vorjahr.

Mit gemischten Gefühlen in die Zukunft

Der Vorstand: „Wir leisten damit in Baden-Baden einen wichtigen Beitrag zur Versorgung breiter Schichten der Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum zu angemessenen Bedingungen.“ Allein seit 2014 habe die Genossenschaft 75 neue Mietwohnungen in diesem Segment geschaffen. Gleichwohl schaut der Familienheim-Vorstand mit gemischten Gefühlen nach vorne. Begrenzt verfügbare Grundstücke, die steigende Zahl von Vorschriften und technische Anforderungen sowie steigende Baupreise würden es immer schwieriger machen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Mehr Grundstücke und vereinfachtes Baurecht gefordert

Der Geschäftsbericht: „Dabei ist festzustellen, dass neben den allgemeinen Kostensteigerungen gerade die Politik durch immer höhere Auflagen den geforderten Neubau von bezahlbaren Mietwohnungen verteuert und erschwert.“
Die Baugenossenschaft fordert deshalb mehr Baugrundstücke, ein vereinfachtes Baurecht und angemessene Förderprogramme. Vorschriften wie die Begrünung von Dächern und Gebäudehüllen, Auflagen sowie steigende Planungs- und Baukosten, aber auch die stetig steigenden Anforderungen an energetisches Bauen, würden die Projekte weiter verteuern. Schließlich: „Das geringe Angebot an freien Grundstücken sowie die immer stärkere Konkurrenzsituation, auch durch mehr auswärtige Investoren, haben einen maßgeblichen Anteil an den weiter steigenden Grundstückspreisen.“

Genossenschaft warnt

Wenn die Entwicklung so weitergehe, lägen die Folgen auf der Hand: Der Neubau von Wohnungen für Menschen mit mittleren und kleineren Einkommen werde sich nicht mehr über die Mieten refinanzieren lassen. Die Familienheim Baden-Baden versteht sich weiterhin als lokal handelndes Unternehmen, für das das regionale Handwerk ein starker Partner sei.

Überschuss von 500 000 Euro

5,1 Millionen Euro hat die Baugenossenschaft investiert, darunter rund 700 000 Euro für Instandsetzungen. Gerade durch nachhaltige Instandhaltungen werde die Wohnqualität verbessert. Deshalb werde bei Mieterwechsel – im Vorjahr waren dies 30 – die Wohnungen komplett saniert. Bei einer Bilanzsumme von 31,5 Millionen Euro hat die Familienheim Baden-Baden das vergangene Jahr mit einem Überschuss von rund 500 000 Euro abgeschlossen. Erkennbare Risiken für die Geschäftstätigkeit bestünden nicht, folgert der Vorstand in seinem Geschäftsbericht.