Auch erwachsene Sauna-Besucher soll der 34-jährige Schwimmlehrer, der wegen Kindesmissbrauchs angeklagt ist, heimlich gefilmt haben. Nackte Körper, aber selten Gesichter seien auf den Videos zu sehen, sagte ein Ermittler aus.
Auch erwachsene Sauna-Besucher soll der 34-jährige Schwimmlehrer, der wegen Kindesmissbrauchs angeklagt ist, heimlich gefilmt haben. Nackte Körper, aber selten Gesichter seien auf den Videos zu sehen, sagte ein Ermittler aus. | Foto: Gebert/dpa (Symbolfoto)

Baden-Baden

Missbrauchsprozess: Angeklagter soll auch nackte Sauna-Besucher gefilmt haben

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Auch Erwachsene soll der angeklagte Baden-Badener Schwimmlehrer ins Visier genommen haben: Bei dem Mann, der derzeit wegen vielfachen sexuellen Missbrauchs an Kindern vor Gericht steht, wurden heimlich gedrehte Aufnahmen von nackten Saunabesuchern des Kuppenheimer „Cuppamare“ gefunden. Das wurde am Donnerstag bekannt.

„Es gibt Aufnahmen aus dem Saunabereich des ,Cuppamare’“, erklärt ein Kriminalpolizist am siebten Verhandlungstag im Missbrauchsprozess gegen den Baden-Badener Schwimmlehrer. „Die Kamera wurde offensichtlich am Mann geführt, etwa auf Hüfthöhe“, erläutert der Kripo-Beamte, der die Fotos und Videos des Angeklagten ausgewertet hat und deshalb als Zeuge auftritt.

Was auf den Videosequenzen zu sehen ist? „Nackte Leute – oft ohne Kopf.“ Und Stimmen seien zu hören. „Russisch oder ein osteuropäischer Dialekt“, meint der Zeuge. Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte Schwimmlehrer ist Deutsch-Ukrainer. Die überraschende Nachricht vom heimlich gefilmten Saunamaterial kommt fast beiläufig zur Sprache.

Vorwürfe für Staatsanwaltschaft neu

Eigentlich soll der Zeuge vor allem zu den Vernehmungen der missbrauchten Kinder aussagen. Ob auch in Sachen Sauna-Videos ermittelt wird? „Mir ist das auch neu, ich habe das heute zum ersten Mal gehört“, sagt die Staatsanwältin am Rande der Verhandlung. Ein Video aus einer Umkleidekabine oder aus einer abgelegenen Ecke des Schwimmbads in Lörrach soll auch unter dem Beweismaterial gefunden worden sein.

Schwimmlehrer ist auf Aufnahmen zu sehen

Bei einem der heimlichen Video-Drehs sei der Schwimmlehrer selbst im Bild zu sehen, sagt der Kripo-Ermittler: „Die Kamera wurde hingelegt, mit einem Handtuch abgedeckt – und dann die Linse freigelegt.“ Unter dem Filmmaterial des Angeklagten seien auch Aufnahmen seiner Frau beim Duschen.

Als der Richter immer wieder Nachfragen stellt, schaltet sich der Verteidiger des Anwalts ein: „Da diese Taten nicht angezeigt wurden, ist es schwierig, Fragen dazu zu stellen“, erklärt er. Der Richter weist diesen Einspruch zurück. In anderer Sache hingegen will der Verteidiger des 34-Jährigen selbst nochmals nachkarten: Bei den Ermittlungen gegen den ehemaligen Chef des Schwimmlehrers möchte er den Schlusspunkt der Staatsanwaltschaft nicht akzeptieren.

Ermittlungen gegen Ex-Chef eingestellt

Die Ermittlungsbehörde hat am Morgen mitgeteilt, dass die Ermittlungen gegen den Betreiber einer Schwimmschule eingestellt wurden. Der Angeklagte hatte vor Gericht behauptet, dass er die meisten Missbrauchstaten, vor allem die schweren, auf Druck dieses ehemaligen Arbeitgebers begangen habe. Der Mann habe ihn auch erpresst, Videos von den Sexualstraftaten zu drehen. Doch diese Vorwürfe seien „unbegründet“, befand nun die Staatsanwaltschaft. Der Schwimmschul-Chef hatte eine Mitwisserschaft oder eine Rolle als Anstifter vor Gericht bestritten. Und: „Bei ihm konnten keinerlei Unterlagen, Fotos oder Videoaufnahmen aufgefunden werden, die die Behauptungen des Schwimmlehrers auch nur annähernd stützen würden“, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Verteidiger sieht trotzdem ungeklärte Fragen

„Völlig unverfänglich“ sei das Material auf den Handys und Computern des Schwimmschul-Chefs gewesen, sagt auch der Kripo-Ermittler im Gerichtssaal aus, während die Staatsanwaltschaft ihre entlastende Mitteilung verschickt. Es seien insgesamt „recht wenig Dateien“ gefunden worden. Der Verteidiger will wissen: Aus welchem Zeitraum denn die gesicherten unverfänglichen Dateien stammten? Aus dem Zeitraum, als die Sexualstraftaten stattfanden? Oder aus der Zeit, nachdem die Taten bekannt geworden waren?

Aus welcher Zeit stammen „unverfängliche“ Dateien?

Der angeklagte Schwimmlehrer hatte seinen Ex-Chef erst zu Prozessbeginn belastet – rund ein Jahr, nachdem er verhaftet wurde. Die Hausdurchsuchungen beim Schwimmschulbetreiber fanden also in der zweiten Septemberhälfte 2018 statt. Die Frage nach dem Alter der gesicherten Dateien kann der Ermittler im Zeugenstand nicht spontan beantworten. Auch die Staatsanwaltschaft muss bei Nachfragen dazu passen: Die gesicherten Daten seien zunächst auf Inhalte in Bezug auf die Tatvorwürfe untersucht worden, erklärt die Pressestelle. Der Verteidiger des Schwimmlehrers kündigt zeitgleich im Gerichtsgebäude an, dass er hier auf nähere Auskunft pochen will.