Will im nächsten Jahr von Diesel- auf Elektroantrieb umstellen: die Citybahn Baden-Baden.
Will im nächsten Jahr von Diesel- auf Elektroantrieb umstellen: die Citybahn Baden-Baden. | Foto: Bernd Kamleitner

Umrüstung auf E-Motor geplant

Mit der Citybahn kann man Baden-Baden in 50 Minuten erleben

Anzeige

Die Citybahn in Baden-Baden will umfreundlicher werden. Im nächsten Jahr ist eine Umrüstung der Lok auf Elektroantrieb geplant. Derzeit wird die Lok von einem Dieselmotor angetrieben. Wegen der Corona-Krise konnte die Citybahn erst mit Verspätung in die Saison starten.

Der Betreiber der Citybahn in Baden-Baden will im nächsten Jahr den Antrieb der Bahn von einem Dieselmotor auf Elektroantrieb umstellen. „Wir sind dran“, bestätigt Citybahn-Chef Reiner Ellwanger. Die topografische Lage der Bäderstadt mit Berg-Etappen sei kein Hindernis für die geplante Umrüstung. Das habe eine Machbarkeitsstudie ergeben.

Bei Bergabfahrten könne die Batterie wieder aufgeladen werden. Derzeit wird die Lok, die zwei Wagen zieht, von einem Lkw-Motor angetrieben, der nach Angaben der Betreiberfirma die Euro-6-Norm erfüllt.
Noch bis Oktober startet die Bahn täglich bis zu sieben Mal zu knapp einstündigen Rundfahrten durch Baden-Baden.

Wegen Corona: Nur 26 Passagiere dürfen an Bord

Wegen der Corona-Krise dürfen  derzeit  nur maximal 26 Passagiere pro Tour an Bord, das entspricht etwa 50 Prozent der eigentlich möglichen Auslastung. Zudem wurde ein umfassendes Sicherheitskonzept erstellt, berichtet seine ebenfalls im Betrieb mitarbeitende Tochter Luisa Ellwanger.

Auch interessant: Kinobesucher in Baden-Baden sitzen wegen Corona in Schachbrettmuster

Als kleines Mädchen hatte sie den Logenplatz, von dem viele kleine Besucher der Kurstadt wohl träumen: Die kleine Luisa  durfte in der Lok der Citybahn neben dem Fahrer sitzen – also neben dem  Papa.

Der Lokführer ist ein Busfahrer

Inzwischen ist die kleine Luisa längst erwachsen geworden und einem neuen Ziel ganz nahe: Demnächst wird sie die Prüfung ablegen, die für den Busführerschein erforderlich ist. Dann darf auch sie die Citybahn lenken, denn deren Lokführer muss ein Busfahrer sein. „Es reizt mich schon, das zu können“, sagt die junge Frau.

Bislang haben drei Männer die Lizenz, um am Steuer der Baden-Badener Touristenbahn zu sitzen und den über 200 PS-starken Fünf-Zylinder-Motor aus dem Haus des italienischen Nutzfahrzeugherstellers Iveco zu starten: Neben ihrem Vater sind es Andreas Görtzel und Dominique Lux.

Sieben Rundfahrten pro Tag

Bis zu sieben Mal täglich und an sieben Tagen der Woche rollt die fast 20 Meter lange Citybahn auf dem vorgegebenen und knapp 13 Kilometer langen Rundkurs durch die Innenstadt. Das erfordert vom Lenker nicht nur wegen zum Teil enger oder zugeparkter Straßen höchste Konzentration. „Wenn das Lenken der Citybahn leicht, wäre, würde es jeder tun“, sagt Görtzel schmunzelnd.

Was der Lokführer der Citybahn neben dem fahrerischen Können noch mitbringen muss, liegt für ihn in einer Touristenstadt wie Baden-Baden auf der Hand: „Höflichkeit ist gefragt!“

Auch interessant: Marc Marshall: „Autokino-Konzerte sind ein Übergang, aber keine Lösung“

Wegen der Corona-Krise durfte der Zug, der eigentlich von März bis Oktober verkehrt, in diesem Jahr erst am 30. Mai wieder an den Start – und auch das nur mit zahlreichen Auflagen: So dürfen zum Beispiel pro Fahrt nur maximal 26 Passagiere an Bord und das auch nur, wenn sie – wie etwa beim Einkaufen – die erforderliche Mund-Nasenmaske tragen.

Pro Bank dürfen statt vier nur zwei Erwachsene sitzen

Pro Bank sind nur zwei Erwachsene erlaubt, eigentlich hätten bis zu vier Personen gut Platz. Die Ausnahme: Eine Familie darf eine Bank mit zwei Erwachsenen und zwei kleinen Kindern belegen. Die „Abteile“ sind mit Plexiglasscheiben getrennt, betont Luisa Ellwanger, die in der Firma vor allem die Büroarbeiten erledigt und Anfragen managt.

An diesem Tag ist sie  für einen weiteren coronabedingten Mehraufwand in der Bahn zuständig: Nach jeder Fahrt werden die „Abteile“ desinfiziert.

An diesem verregneten Samstagmorgen hält sich die Nachfrage in Grenzen. „Schade“, kommentiert Ellwanger die leeren Bänke in den beiden Wagen bei der Abfahrt um 10.42 Uhr vor den Kurhauskolonnaden. Und: „Wir können es nicht ändern!“

Bei der nächsten Tour sieht es immerhin schon etwas besser aus: Rund ein Dutzend Passagiere stehen an der Haltestelle. Das Ausbleiben vieler Touristen spüren auch die Betreiber der Citybahn, die seit zwei Jahrzehnten in der Kurstadt verkehrt.

Corona-Krise trifft auch die Citybahn

Eigentlich hat der Zug internationale Fahrgäste. Die Ansagen im Zug sind deshalb in acht Sprachen verfügbar, und auf verschiedenen Kanälen über Kopfhörer empfangbar, unter anderem auf Russisch, Spanisch, Japanisch und Chinesisch. Wegen der strengen Hygiene-Richtlinien in der Corona-Zeit werden derzeit aber keine Kopfhörer ausgegeben.

Auch interessant: Hilfspaket für Kommunen: Baden-Badens OB wertet Hilfe aus Berlin als Signal

Die Bahnbetreiber registrieren in diesen Tagen, dass dafür viele Tagesausflügler aus der Region und darunter viele Familien mit Kindern mit derCitybahn die Kurstadt entdecken. „Viele schöne Dinge liegen auch vor der Haustür“, weiß Luisa Ellwanger.

Tour führt an zahlreichen Sehenswürdigkeiten vorbei

Auf der 50-minütigen Tour durch Baden-Baden können die Mitfahrer viele schöne Dinge in der weltberühmten Kurstadt entdecken, darunter das Theater, die Lichtentaler Allee, das noble Wohngebiet Annaberg, einen Blick auf die Battertfelsen und das Neue Schloss werfen, den Leo, das Zentrum der Bäderstadt, passieren, und sie kommen am Festspielhaus und der Trinkhalle vorbei.

Wohl dosiert gibt es dazu interessante Infos und allerhand Wissenswertes: Baden-Baden in 50 Minuten – das geht!

Die Citybahn in Baden-Baden stammt von dem italienischen Hersteller Dotto Trains. Das im Jahr 1962 gegründete Unternehmen gilt als Weltmarktführer bei Freizeitbahnen. In Baden-Baden gehört die Citybahn seit 20 Jahren zum Stadtbild. Sie wurde vom Betreiber in den zwei Jahrzehnten immer wieder verbessert und bietet mit Luftfederung, Polstersitzbänken, Heizung, Dachentlüftung und einer Vollverglasung einiges an Komfort. Bei schönem Wetter können die Fenster geöffnet werden. Auch Rollstuhlfahrer müssen auf eine Rundfahrt nicht verzichten: Durch eine Hebevorrichtung im hinteren Teil des zweiten Wagens können dort Rollstuhlfahrer mit ihrem Rolli Platz nehmen.