Personenkontrolle: Polizeihauptkommissar Roland Kiefer (links) und Polizeioberkommissar Heiko Kramer geben die aufgenommenen Personendaten zur Überprüfung an ihre Kollegen auf dem Revier weiter.
Personenkontrolle: Polizeihauptkommissar Roland Kiefer (links) und Polizeioberkommissar Heiko Kramer geben die aufgenommenen Personendaten zur Überprüfung an ihre Kollegen auf dem Revier weiter. | Foto: Meier

Reportage

Mit der Polizei auf Streife durch die Baden-Badener Innenstadt

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Schwere Weste mit Funkgerät, Pistole und Handschellen am Gürtel – ziemlich respekteinflößend sehen Polizeihauptkommissar Roland Kiefer und sein Kollege Polizeioberkommissar Heiko Kramer aus, die sich gerade auf eine Fußstreife durch die Baden-Badener Innenstadt vorbereiten. Die BNN haben die Polizei begleitet.

Kiefer und Kramer gehören zur Schutzpolizei des Polizeipostens Mitte. Zu ihrem Einsatzgebiet zählt die Innenstadt ab dem Ebertplatz und die Schwarzwaldhochstraße. Ihre Hauptaufgabe ist die Ermittlungsarbeit in Straftaten der einfachen und mittleren Kriminalität. „Dazu zählen zum Beispiel die Ermittlungen, die nach einer Schlägerei in einer Diskothek anfallen“, erläutert Kiefer, „wir behandeln hier die ganze Bandbreite des Strafgesetzbuches“.

Anlaufstelle für Hilfesuchende

Ansonsten sind sie während der Öffnungszeiten des Postens Anlaufstelle für jegliche Belange der Bürger. „Wir sind die Feuerwehr der Polizei“, erklären die beiden schmunzelnd. Da komme durchaus mal ein verirrter Reisender, der nach dem Weg fragt. Oder ein vermeintliches Opfer eines Auto-Diebstahls, bei dem sich dann herausstellt, dass sein Fahrzeug wegen Falschparkens abgeschleppt wurde. Auch da helfen die Polizisten bereitwillig weiter: „Wir sind immer froh, wenn sich die Sachen zum Guten aufklären.“

Brennpunkte im eigentlich Sinn haben wir hier nicht.

Vor der besprechen sie sich kurz, legen die obligatorische Ausrüstung an und dann geht es los auf eine Runde durch die Innenstadt. Doch worauf achten sie? „Brennpunkte im eigentlich Sinn haben wir hier nicht“, betont Kiefer. Natürlich gebe es auch in Baden-Baden Orte, die abends oder nachts gerade von Jugendlichen stark frequentiert seien. Es sei aber kein Geheimnis, dass etwa der Leopolds- und Augustaplatz, das Schachbrett in der Allee oder die Fußgängerzonen Orte seien, die aus diesen Gründen von ihnen kontrolliert würden.

Polizei fehlt die Zeit

Eigentlich seien sie wirklich gerne zu Fuß auf Streife, erzählen die beiden Polizisten, allerdings fehle dazu oft die Zeit: „Wir würden gerne mehr rausgehen und für die Bürger präsent sein“, wünschen sie sich.
Ihre Runde beginnt in den Kurhaus-Kolonnaden. Am Nachmittag sind dort vor allem Touristen unterwegs, die beiden achten in diesem Zusammenhang insbesondere auf potenzielle Diebstähle von Wertsachen.
Es folgt ein kurzer Abstecher zur Trinkhalle, einem weiteren abendlichen Treffpunkt von Jugendlichen, wie Roland Kiefer erklärt.

Rein rechtlich ist das normale Betteln nicht verboten.

Weiter geht der Rundgang in die belebte Fußgängerzone. Baden-Baden habe eine rege Bettlerszene, die gerade in den wärmeren Monaten natürlich präsent sei. „Rein rechtlich ist das normale Betteln nicht verboten, lediglich das sogenannte aggressive Betteln stellt eine Ordnungswidrigkeit dar“, erläutert Kiefer. Außerdem sei es bei einem Rundgang in Uniform sowieso kaum möglich, jemanden anzutreffen. Die meisten Bettler seien schon auf ihr etwaiges Auftauchen vorbereitet und dann innerhalb kürzester Zeit verschwunden.

Über Funk stehen die Polizisten bei einer Streife in Kontakt mit ihren Kollegen.
Über Funk stehen die Polizisten bei einer Streife in Kontakt mit ihren Kollegen. | Foto: Meier

Polizisten reagieren auf verirrte Autofahrer

Beim Überqueren des Leopoldsplatzes müssen die beiden kurzerhand einspringen und den Verkehr regeln, denn just in diesem Moment fahren mehrere Fahrzeuge durch den eigentlich gesperrten Bereich. Auch diesen, anscheinend von ihren Navigationssystemen fehlgeleiteten Touristen helfen die Ordnungshüter geduldig und freundlich weiter.

Streife kennt Gesichter der Stadt

Der Weg führt dann durch die Fußgängerzone zum Augustaplatz. Dort hat sich ein junger Mann sein Nachtlager unter einem großen Baum eingerichtet. Nach einer kurzen Einschätzung seines Zustandes und der Überprüfung seiner Daten ist die Sache erledigt, obwohl er keinen Ausweis hat. „Er ist ein bekanntes Gesicht“, bestätigt Heiko Kramer.

Wir kennen uns ja schon.

Eine Personenkontrolle folgt dann auch am Schachbrett in der Lichtentaler Allee. Viele der Anwesenden sind am frühen Nachmittag schon alkoholisiert. „Das ist ein bekannter Treffpunkt für Obdachlose“, erklärt Kiefer. Über Funk gibt er den Kollegen im Revier die Personendaten durch. Kurze Stille, dann folgt die Antwort. Einer der Kontrollierten wird tatsächlich per Strafbefehl gesucht. Trotzdem bleiben die Beamten entspannt. „Wir kennen uns ja schon“, sagt auch einer der Überprüften lachend, auch hier ist den Polizisten der Großteil der Personen nicht fremd. Die Beamten weisen den Gesuchten nach einer Adressprüfung darauf hin, dass er Post von der Staatsanwaltschaft bekommt.

Gespräche entstehen

Beide werden während ihrer Fußstreife immer wieder von Personen gegrüßt. Manchmal sind es Fremde, oft aber gibt es kurze Gespräche mit bekannten Gesichtern. Die Präsenz der Polizisten kommt in der Stadt gut an, die Leute freuen sich, die beiden zu sehen. Beim Weg über den Augustaplatz kommt den Polizeibeamten ein Kind arabischer Touristen entgegengelaufen. Der Junge bleibt vor Kiefer stehen und schaut ihn mit großen Augen an. Der schüttelt die ihm entgegengestreckte Hand, unterhält sich kurz mit ihm. „Über solche Begegnungen freut man sich“, gibt Kiefer dann lächelnd zu.

Mangelnder Respekt steigt mit Alkohol

Gleichwohl haben auch sie immer häufiger mit mangelndem Respekt gegenüber Polizeibeamten zu kämpfen: „Insbesondere, wenn Alkohol im Spiel ist, wird dieses Phänomen immer schlimmer“, gibt Kiefer zu bedenken. „Gerade in solchen Situationen spielt dann die Gruppendynamik eine große Rolle“, berichtet auch Kramer.

In Baden-Baden wird es nie langweilig.

Dennoch machen sie ihren Job immer noch gerne, sehen sich selbst auch als „Freund und Helfer“. Und obwohl sie die Stadt und viele ihrer Bewohner schon gut kennen, ist bei ihnen kein Arbeitstag wie der andere: „In Baden-Baden wird es nie langweilig“, meint Kiefer lächelnd.