Eine durch den Sturm abgeknickte Tanne durchschlug in der Gaggenauer Innenstadt eine Dachgeschosswohnung - verletzt wurde hier zum Glück niemand.
Eine durch den Sturm abgeknickte Tanne durchschlug in der Gaggenauer Innenstadt eine Dachgeschosswohnung - verletzt wurde hier zum Glück niemand. | Foto: Bracht

Sturmtief „Burglind“

Murgtäler Feuerwehren im Dauereinsatz

Anzeige

Das Sturmtief „Burglind“ mit orkanartigen Böen und peitschenden Regengüssen hat am Mittwochvormittag im Murgtal und Umgebung zu Schäden und einer Vielzahl an Feuerwehreinsätzen geführt. Zumindest bis zur Mittagszeit kamen aber keine Menschen zu Schaden. Die Warnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vor umherfliegenden Gegenständen und umstürzenden Bäumen erwies sich für die Region als überaus berichtigt.

Wolfsschlucht war gesperrt

So war am frühen Morgen die Wolfsschlucht, wichtige Verkehrsader zwischen Baden-Baden und dem Murgtal, zunächst gesperrt, weil ein umgestürzter Baum auf der Straße lag. Auf den Stadtbahnlinien S8 und S81 gab es im Murgtal Zugausfälle oder teils erhebliche Verspätungen. In Gernsbach und Gaggenau stürzten Bäume auf Hausdächer, Menschen wurden aber nicht verletzt. An zahlreichen Stellen lagen Verkehrsschilder auf dem Boden, in Gernsbach wurden soeben geleerte Mülltonnen zuweilen zum Spielball des überaus starken Windes.

Dach „fliegt“ 50 Meter weit

Glück im Unglück in Gaggenau, dass keine Bediensteten verletzt wurden: Dort wurde nahezu das komplette Dach der Netzleitstelle der Stadtwerke Gaggenau aus der Verankerung gerissen, es „flog“ über das Gelände des benachbarten Baubetriebshofs der Stadt und blieb erst nach gut 50 Metern liegen.  Kurz vor acht Uhr am Morgen musste die Feuerwehr Gaggenau erstmals ausrücken.

Glück im Unglück: Das Dach der Netzleitstelle der Stadtwerke Gaggenau „flog“ rund 50 Meter weiter auf das Gelände des benachbarten Baubetriebshofs – verletzte aber niemanden. | Foto: Bracht

Um 7.51 Uhr wurden die Floriansjünger mit dem Stichwort „Gebäudeschaden“ alarmiert:  In der Kniebisstrasse musste eine Blechverwahrung an einem Vordach gesichert werden. Kurz danach knickte in der Wißstrasse eine hohe Tanne im oberen Drittel ab und durchschlug ein Wohnhausdach einer bewohnbaren Dachwohnung. Die Feuerwehr räumte die Tannenreste auf dem Dach weg und sicherte die Einsatzstelle. Eine Dachdeckerfirma übernahm die Reparatur des Daches.

Einsatzleitung im Rettungszentrum

In der August-Huber-Straße im Stadtteil Bad Rotenfels wurde laut Feuerwehr ebenfalls eine hohe Tanne vom Sturm umgeworfen, die wiederum eine Stromoberleitung abriss. Der Dachständer eines Wohnhauses stürzte ebenfalls hinab, dabei wurden auch zwei Autos beschädigt. Die Einsatzmannschaft der Feuerwehr beseitigte die Tanne, die Stadtwerke Gaggenau kümmerten sich um den Schaden an der Stromleitung.

In den Gaggenauer Ortsteilen Freiolsheim und Selbach mussten von den Feuerwehrangehörigen zahlreiche umgestürzte Bäume beseitigt werden. Im Gaggenauer Rettungszentrum war um acht Uhr vorsorglich eine Einsatzleitung aufgebaut worden, um die erwarteten Einsätze zu koordinieren.

Hochwassergefahr nimmt zu

Gegen zehn Uhr allerdings gab die Leitstelle Mittelbaden vorerst Entwarnung, die Feuerwehr blieb aber in erhöhter Alarmbereitschaft. In Oberweier mussten noch am Nachmittag umgestürzte Bäume beseitigt werden. Die Feuerwehr empfiehlt, Waldgebiete zu meiden. Es bestehe die Gefahr von herabfallenden Ästen sowie blockierten Wegen. In den kommenden Tagen müsse ferner in Flussniederungen mit lokalen Überflutungen gerechnet werden.

In Gernsbach Straßen freigeräumt

In Gernsbach wurden bis zur Mittagszeit bereits zehn Feuerwehreinsätze gezählt: In der Friedrichstraße in Scheuern war ein Baum auf ein Haus gestürzt, im benachbarten Weisenbach das Dach des Kindergartens teils abgedeckt worden, hier leistete Gernsbach „Überlandhilfe“. Die meisten Einsätze der Gernsbacher Wehr, die mit drei Abteilungen und 44 Kräften vor Ort war, bezogen sich auf umgestürzte Bäume auf den Straßen: So auf den Landesstraßen nach Reichental und Loffenau oder auf der Kreisstraße zur Nachtigall und hoch zum Schloss Eberstein. Abgerissene Stromleitungen in Scheuern machten einen weiteren Einsatz notwendig.

Forbacher Wehr schon in der Nacht vor Ort

Seit 1 Uhr in der Nacht waren bereits die Einsatzkräfte der Gesamtwehr Forbach unterwegs, um umgestürzte Bäume und sonstige Schäden zu beseitigen. So mussten auf der Kreisstraße zwischen den Ortsteilen Bermersbach und Langenbrand, ferner auf der B462 beim Montana-Bad und an der sogenannten Busenkurve Bäume von der Fahrbahn geräumt werden.

Erdschluss an Trafostation

Durch einen weiteren Baumsturz entstand bei der Trafostation in Raumünzach ein Erdschluss, also eine ungewollte Verbindung eines spannungführenden Leiters mit der Erde (Erdung). Zu drei Einsätzen in Gausbach wurde die Feuerwehr gerufen, weil der Sturm Ziegel von den Dächern geblasen hatte. Auf der Bühne der Gausbacher Festhalle entstand hierdurch ein Wasserschaden. Zwei Einsätze wegen abgebrochener Äste waren auch in Forbach zu verzeichnen. Insgesamt waren von der Funkzentrale – über die Reserve bis zu den Einsatzstellen – 42 Einsatzkräfte der Forbacher Gesamtwehr im Einsatz.

Orkanböen im Schwarzwald

Im Höhengebiet trotzten wenige hartgesottene Ausflügler am Mittag den Nachwehen von „Burglind“. Obwohl der Wetterdienst Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern angekündigt hatte, trauten sich einige Spaziergänger am Mehliskopf aus ihren Autos.