Gemeinsame Kultur schaffen die Museumsleiter Ferdinand Leikam, Iris Baumgärtner, Heike Kronenwett und Daniela Maier.
Gemeinsame Kultur schaffen die Museumsleiter Ferdinand Leikam, Iris Baumgärtner, Heike Kronenwett und Daniela Maier. | Foto: Collet

Gemeinsame Ausstellung

Museen blicken auf Landpartien

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Die Kunst der Synergieeffekte nutzen vier Museen aus der Region nun für sich. Geteilte Ressourcen, erweitertes Publikum und ein gemeinsames Thema: Unter dem Namen „Landpartien Nordschwarzwald“ erarbeiten die Stadtmuseen Rastatt und Baden-Baden, das Museum Ettlingen sowie das Pfinzgaumuseum in Karlsruhe-Durlach vier Ausstellungen, die das Reisen kulturgeschichtlich in den Blick nehmen.

Unter dem Dach des Projekts gehören sie alle zusammen, behalten jedoch in den Häusern ihre eigene Identität. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, das Publikum muss sich jedoch bis zur Eröffnung im Mai gedulden.

Kultur über Stadtgrenzen hinaus

„Wir haben ein kleines Netzwerk gebildet“, erzählt Iris Baumgärtner, Leiterin des Stadtmuseums Rastatt. Die Idee dazu habe sie vor einigen Jahren aus München mitgebracht – dort hat sie erlebt, wie sich kommunale Institutionen verbinden. „Über die Stadtgrenzen hinaus zu denken, tut uns allen gut. Wir leben in einer wunderbaren Region.“ Das Format sei für alle Beteiligten sehr reizvoll gewesen. „Wir verbinden die Historie der vier Städte, verpackt in Kulturgeschichte“, sagt Baumgärtner.

Reisen als großes Thema

„Landpartien Nordschwarzwald“ nimmt die zahlreichen Sehenswürdigkeiten sowie die Umgebung zwischen Karlsruhe und Baden-Baden in den Blick. Die Einzelausstellungen (siehe Stichwort) untersuchen außerdem die Entwicklung des Tourismus in den jeweiligen Städten. „Wie eine Perlenkette entlang des Rheins“, so Baumgärtner. Gemälde, Grafiken, Fotografien, aber auch Reiseführer, Souvenirs und Ausflüge an die Orte des Geschehens machen das Thema greif- und sichtbar.

Museen verbinden sich

Es wird zusätzlich ein gemeinsames Veranstaltungsprogramm geben. „Wir wollen das Publikum dazu animieren, nicht nur das eigene städtische Museum, sondern auch die anderen zu besuchen“, ergänzt Heike Kronenwett, Leiterin des Stadtmuseums Baden-Baden. „Aus organisatorischen Gründen sind die Vernissagen nicht alle am selben Tag. Wir eröffnen nacheinander.“

Zitate als Element

In der Kurstadt startet man mit der „Reise ins Weltbad“. Die Ausstellung will mehrere Fragen beantworten, erklärt Kronenwett: „Wie bereitet man sich auf die Reise dorthin vor? Wie kommt man nach Baden-Baden? Wen trifft man?“ Um die Stadt als Touristenmagnet und ihre Eigenheiten aufzuzeigen, greift das Museum unter anderem zu Werken und Zitaten etwa von berühmten Schriftstellern, Malern sowie Politkern und des Adels. Doch neben der Stadt selbst haben auch Natur, die Ruinen, die Waldtäler und Wasserfälle zum touristischen Erfolg beigetragen, so Kronenwett.

Alles wurde festgehalten.

Einen anderen Akzent setzt Iris Baumgärtner im Stadtmuseum Rastatt. „Wie ist die Außenwahrnehmung von Reisenden?“ ist eine der Leitfragen der dortigen Einzelausstellung. Das Residenzschloss sei schon im 18. Jahrhundert ein beliebtes Ziel gewesen. „Mit dem Rastatter Kongress kamen schließlich viele Fremde und bekannte Persönlichkeiten in die Barockstadt“, erzählt die Museumsleiterin. „Alles wurde festgehalten.“

Aufkommender Tourismus

Anhand von Reiseberichten könne man nun ihre Eindrücke miterleben. Doch auch das Murgtal sei ein spannendes Thema, so Baumgärtner. Seine Entdeckung als Ausflugsziel und „badische Schweiz“ ist eines von fünf Schwerpunkten rund um den sich immer wieder neu entwickelnden Tourismus. Es kamen der Festungsbau, das Bäderwesen und neue Besuchermagneten wie das Schloss Favorite hinzu.

Fortbewegung damals und heute

Womit sich die Reisenden eigentlich fortbewegten, zeigt das Museum Ettlingen anhand des Albtals. Modelle von Verkehrsmitteln wie Kutschen gibt es zu betrachten. „Wir schauen uns an, wie die verkehrstechnische Infrastruktur entstanden ist“, sagt Daniela Maier, Leiterin des Museums. Und somit auch die Effekte, welche das auf den Ettlinger Tourismus hatte.

Das Projekt gibt uns inhaltliche Flexibilität.

Weiter Richtung Norden ruft der Turmberg in Karlsruhe-Durlach als Ausflugsziel schlechthin, teilt Ferdinand Leikam, Leiter des Pfinzgaumuseums, mit. Das Wahrzeichen steht im Zentrum der Ausstellung – von der Entdeckung und Erschließung bis zur heutigen Nutzung. „Um das zu zeigen, wollen wir auch private Film- und Fotoaufnahmen nutzen“, fügt Leikam hinzu. „Das Projekt gibt uns Museen inhaltliche Flexibilität, verbunden über ein gemeinsames Thema.“

Landpartien Nordschwarzwald: Ausstellungseröffnung

Die Vernissage zur Ausstellung „Reise ins Weltbad“ im Stadtmuseum Baden-Baden ist am Freitag, 17. Mai, um 19 Uhr. Die Ausstellung dauert bis 10. November. Geöffnet von Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr.
„Von Rastatt ins romantische Murgtal“ beginnt im Stadtmuseum Rastatt am Donnerstag, 23. Mai, um 18 Uhr. Die Ausstellung bleibt bis 2. Februar 2020 bestehen. Geöffnet von Donnerstag bis Samstag, 12 bis 17 Uhr, sowie an Feiertagen, 11 bis 17 Uhr. Die Historische Bibliothek Rastatt macht ab 14. Juni eine Begleitausstellung.
Die Ausstellung „Ettlingen und das reizvolle Albtal“ ist von 29. Mai bis 27. Oktober im Stadtmuseum Ettlingen zu sehen. Geöffnet bis einschließlich August von Mittwoch bis Sonntag, 13 bis 18 Uhr, sowie ab September von Mittwoch bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr.
„Der Turmberg ruft!“ wird als eine von vier Einzelausstellungen von 1. Juni bis 1. Dezember im Pfinzgaumuseum in Karlsruhe-Durlach gezeigt. Geöffnet mittwochs, 10 bis 18 Uhr, samstags, 14 bis 18 Uhr, sowie sonntags, 11 bis 18 Uhr.