Der Ideengeschichte auf der Spur: Das Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts im Kulturhaus LA8 spürt in seinen Ausstellungen dne historischen Ursprünge aktueller Themen und Trends sowie des Zeitgeists nach.
Der Ideengeschichte auf der Spur: Das Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts im Kulturhaus LA8 spürt in seinen Ausstellungen dne historischen Ursprünge aktueller Themen und Trends sowie des Zeitgeists nach. | Foto: Rudolphi

Zehnjähriges Bestehen

Das Museum LA8 in Baden-Baden möchte Brücken schlagen

Anzeige

Matthias Winzen sieht sich als Brückenbauer. So möchte der Direktor auch das Museum LA8 positionieren. Für ihn ist es deshalb selbstverständlich, sein Haus, das seit zehn Jahren besteht, in die Baden-Württembergischen Theatertage einzubinden: Im Projektraum des Museums ist das Festivalzentrum des Theatertreffens eingerichtet und der Innenhof auf dem Museums-Areal dient als Lounge für Konzerte und weitere Veranstaltungen im Rahmenprogramm der Theatertage.

Den Brückenbau praktiziert Winzen vor allem in programmatischer Hinsicht. „Wir sind das ZKM tiefergelegt“, skizziert er die Ausrichtung des LA8. Das Museum bewege sich in einem aktuellen Spannungsfeld, verorte dieses jedoch in der Vergangenheit. Es greife in seinen Ausstellungen heutige Themen, Trends oder den Zeitgeist auf – ähnlich wie das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) – verharre aber nicht in der Gegenwart, sondern spüre den Wurzeln und historischen Ursachen dieser Phänomene nach. Es tauche gleichsam in die Tiefe der geschichtlichen Zusammenhänge ein.

Errungenschaften aus dem 19. Jahrhundert

Winzen begreift den Namen „Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts“ als Programm und Auftrag zugleich. „Das 19. Jahrhundert ist total aktuell. Das Meiste von dem, was wir heute haben, begann in jener Zeit“, erläutert der Direktor und nennt einige Beispiele: Fliegen, Autofahren, Fotografie oder Telefonie. Aber auch viele soziale Errungenschaften habe es davor nicht gegeben.

Matthias Winzen, Direktor des Museums LA8 in Baden-Baden.
Matthias Winzen, Direktor des Museums LA8 in Baden-Baden. | Foto: Rudolphi

Das Verhältnis zur Natur

Winzen möchte der Ideengeschichte moderner Entwicklungen nachgehen und deren Ambivalenz aufzuzeigen. Die Menschen jener Zeit hätten beispielsweise die Natur nicht mehr als bedrohlich empfunden. Die aufkommende Technisierung und Industrialisierung haben es Winzen zufolge ermöglicht, sie zu bändigen, wie der Ingenieur Johann Gottfried Tulla es etwa am Rhein durchexerziert habe. Im Gegenzug hätten jedoch vor allem Künstler die Natur zunehmend verklärt und idealisiert.

Das 19. Jahrhundert ist Baden-Baden.

Für Winzen ist offenkundig: „Die Anfänge vieler aktueller Themen liegen im 19. Jahrhundert.“ Er geht sogar soweit zu sagen: „Das 19. Jahrhundert ist Baden-Baden.“ In dieser Epoche sei die Stadt zur Blüte gekommen.

Museum LA8 und seine Nachbarn

Für Wolfgang Grenke sei es deshalb naheliegend gewesen, das Museum LA8 an der Oos zu gründen und in die gewachsene Struktur der Bäderstadt einzubetten. Nach Winzens Ansicht fügt das LA8 sich in die Perlenschnur der sogenannten Museumsmeile bestens ein. Während die Nachbarn Museum Frieder Burda und Staatliche Kunsthalle neuere und neueste Kunst präsentierten, frage sein Haus nach den Ursprüngen aktueller Zeitströmungen und versuche immer wieder, auch Bezüge zu Baden-Baden herzustellen.

Angebot passt zum Lehrplan

Mittlerweile habe das LA8 sich gut etabliert. Die Besucher kommen dem Direktor zufolge überwiegend aus der Region – der Anteil des Stammpublikums liege bei rund 30 Prozent. Auch für jüngere Besucher sei das Haus interessant, zumal die Grenke-Stiftung großen Wert auf die Museumspädagogik lege. Deren Angebote seien zum Teil auf den baden-württembergischen Lehrplan abgestimmt.

Historische Zeit

Der Blick in die Zukunft? Einen Riesenknaller und Publikumserfolg wie etwa die Ausstellung zu Wilhelm Busch sieht Winzen vorerst nicht. Aber er möchte weiter daran arbeiten, die heutige Zeit historisch zu verorten.

Hoffest im Museum LA8

Das Museum LA8 feiert anlässlich seines zehnjährigen Bestehns am Sonntag, 2. Juni, von 11 bis 18 Uhr ein Familien- und Jubiläumsfest im Hof an der Lichtentaler Allee ein. Zum Abschluss der Baden-Württembergischen Theatertage, deren Festivalzentrum im Projektraum des Museums LA8 eingerichtet ist, gibt es bei freiem Eintritt für unterschiedliche Altersgruppen Führungen durch die aktuelle Ausstellung.

Programm beginnt mit Frühstück

Der Tag mit beginnt mit einer „Frühstücksführung“ um 11 Uhr. Zwischen 11 und 16 Uhr ist die Ooser Schachgesellschaft Baden-Baden mit Aktionen rund um das königliche Spiel für Anfänger wie Fortgeschrittene sowie einer Simultanveranstaltung mit dem Deutschen Nationalspieler und Großmeister Georg Meier (14 bis 17 Uhr) beteiligt.

Kulturagenten

Die Schülerinnen und Schüler der THS-Grund- und Werkrealschule Baden-Baden präsentieren um 12 Uhr ihre Arbeiten aus dem Kulturagenten-Projekt „Allez Allee!“. Ein Skizzenspaziergang für Erwachsene durch die Ausstellung schließt sich dann um 13 Uhr an.

Kreative Besucher

„Beutelzauber“ heißt es von 13 bis 17 Uhr für alle Kinder ab sechs Jahren, die eingeladen sind, mit Stempeln und Schablonen ihre eigenen Baumwollbeutel zu gestalten. Zur gleichen Zeit lädt ein Fotostudio im Untergeschoss des Museums zum Verkleiden und Ablichten in selbst gewählter Kostümierung ein. Von 13.30 bis 15.30 Uhr können Jugendliche ab zwölf Jahren sich dem Suchen nach und Abdrucken von geeigneten Oberflächen im Stadtraum unter dem Titel „Urban Printing“ anschließen.

Interaktives Angebot

Nicola May, Intendantin des Theaters Baden-Baden, und Matthias Winzen, Direktor des Museums LA8, bieten um 14 Uhr einen gemeinsamen Rundgang durch die aktuelle Ausstellung an. Weitere Führungen gibt es jeweils um 16 und um 17 Uhr, zunächst eine allgemeine und später dann eine interaktive Führung für Jugendliche ab zwölf Jahren: „#iWokeUpLikeThis“ fragt nach den Selfies der Bürger aus dem 19. Jahrhundert.