Massschneiderin Myriam Gerber beim Zuschneiden
In ihrer Werkstatt schneidet Massschneiderin Myriam Gerber ein Kleidungsstück zu. | Foto: Müller

Maßschneiderei in Baden-Baden

Myriam Gerber nähte schon für Britney Spears

Als Maßschneiderin ist Myriam Gerber gefragt. Britney Spears und ihr Team haben sich schon von ihr die Kostüme reparieren und ändern lassen. Und eine Prinzessin aus dem arabischen Raum habe sie sogar aus dem Urlaub mit dem Privatjet abholen wollen, damit sie ihr ein Kleid nähe, berichtet Gerber. Der Vater schritt aber ein, die USA seien zu weit entfernt für den Privatflieger.

Seit 2005 führt Gerber die Maßschneiderei Schmauder

Wenn sie nicht gerade Weltstars bedient, ist Gerber in der Maßschneiderei Schmauder in der Wilhelmsstraße anzutreffen. Dort stellt die Schneiderin nach traditioneller Handwerksart Herrensakkos und Westen, aber auch Röcke und Brautkleider her.

Dabei sind eine Dampfbügelanlage, zwei alte Industrieschnellnäher und weitere Nähmaschinen behilflich. Doch die Arbeit besteht nicht nur aus dem Bedienen der verschiedenen Maschinen. „Wir arbeiten sehr viel mit der Hand, jedes Knopfloch ist zum Beispiel von Hand genäht“, erläutert die Schneidergesellin.

Wir arbeiten sehr viel mit der Hand

Nach ihrer Ausbildung zur Damenmaßschneiderin hat sie das Geschäft im Jahr 2005 von Gerhard Schmauder übernommen. Von ihm hat sie die etwas andere Verarbeitung der Herrenoberbekleidung gelernt. Mittlerweile hat sie viel davon in die Damenkostüme einfließen lassen. „Die Kostüme fallen so besser“, erklärt die 38-Jährige.

Bei Farben und Stoffen unterscheiden sich die Stück für Herren und Frauen dennoch. Während die Frauen eher bunte und je nach Kleidungsstück auch leichte Stoffe wählen, bleibt es bei den Herren meist klassisch gedeckt.

Jeder Kunde ist eine neue Herausforderung

Für die perfekte Auswahl berät Gerber ihre Kunden, die manchmal schon mit genauen Vorstellungen ins Atelier kommen. Die Gründe für ihr Kommen sind oft sehr unterschiedlich. Die Suche nach dem perfekten Brautkleid bringt sie ebenso ins Atelier wie die Verzweiflung darüber, dass Kleidungsstücke von der Stange nicht richtig passen wollen.

So wird Gerber etwa von Sportlern mit sehr breitem Kreuz oder von Kleinwüchsigen aufgesucht. „Das ist immer wieder eine Herausforderung und macht viel Spaß“, berichtet die Maßschneiderin.

Ein Schnittmuster dauert manchmal drei bis vier Stunden

Nach dem ersten Gespräch erstellt Gerber für jeden Kunden einen eigenen Schnitt. Das könne bei einem Mantel durchaus drei bis vier Stunden dauern, erklärt sie. Anschließend wird das Kleidungsstück mit Hilfe des Schnittmusters zugeschnitten und genäht, erst grob und ohne Ärmel. Dadurch kann das Kleidungsstück noch korrigiert und perfekt an den Körper angepasst werden.

Wenn die Kundin sich spontan mit Strasssteinen oder Rüschen auf dem Kleid besser gefällt, können diese noch angefügt werden, erzählt Gerber.

Einen Anzug erstellt die Maßschneiderin in etwa 50 Stunden

Nachdem die Änderungen genäht sind, steht der zweite Besuch des Kunden an. Bei dieser Anprobe sind Ärmel und Taschen schon im Kleidungsstück, es geht um den Feinschliff. Auch bei mehrjährigen Kunden gibt es Gerber zufolge immer zwei Anproben. Schließlich falle jeder Stoff unterschiedlich.

Wenn alle Änderungen und Kundenwünsche in das neue Kleidungsstück eingeflossen sind, kann der Kunde sein passgenaues Kleidungsstück abholen. Bei einem Anzug sei dies nach insgesamt etwa 50 Arbeitsstunden der Fall, so Gerber.

Ein Tweed-Jackett kann 30 bis 40 Jahre lang halten

Dadurch ist ein maßgeschneiderter Anzug teurer als der einer Bekleidungskette. Dementsprechend kommen durchaus betuchte Kunden in die Maßschneiderei.

Daneben gebe es Geschäftsleute und weniger prominente Bürger, die sparen und sich beispielsweise zum Geburtstag ein maßgeschneidertes Kleidungsstück gönnen, berichtet Gerber. Das lohnt sich: „Bei guter Pflege kann ein Tweed-Jackett 30 bis 40 Jahre lang halten“, betont Gerber. Und schließlich passt ein maßgeschneidertes Kleidungsstück einfach exakt.