Cockpit mit Mäusekino: So nennen die Segelflieger das Instrumentenbrett. Bei guten Bedingungen legt das Fluggerät locker 500 bis 600 Kilometer zurück.
Cockpit mit Mäusekino: So nennen die Segelflieger das Instrumentenbrett. Bei guten Bedingungen legt das Fluggerät locker 500 bis 600 Kilometer zurück. | Foto: Kamleitner

Nach Corona-Zwangspause

Segelflieger in Baden-Baden hoffen auf bessere Tage

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 Der Traum vom Fliegen – die Mitglieder des Aero-Club Baden-Baden können ihn verwirklichen. Doch ausgerechnet zu der Jahreszeit, in der Jahr für Jahr normalerweise die idealsten Segelflugbedingungen herrschen, mussten die Vereinsmitglieder am Boden bleiben – wegen Corona.

„Die guten Tage waren im April“, trauert Vorsitzender Patrik Ullrich mit seinen segelflugbegeisterten Männer und Frauen den verpassten Chancen hinterher. Inzwischen hat die Saison nach der Zwangspause aber doch noch begonnen – unter anderem mit einem Fluglager für den Nachwuchs. Sieben Nachwuchspiloten sind vom Segelflugfieber infiziert.

Eigentlich sollte das Intensivtraining schon in den Osterferien stattfinden. Doch Corona hat dem Club auch hier einen Strich durch die Rechnung gemacht: „Das wirft alles zurück“, resümiert Ullrich. Untätig waren die Mitglieder freilich nicht in dieser Zeit.

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Unter anderem wurde am Flugplatz in Oos das Vorfeld gereinigt, die Dachrinne der Halle gestrichen und viele weitere Arbeiten verrichtet. Natürlich unter Einhaltung des Mindestabstands, wie Ullrich betont.

Mikros im Cockpit sind wegen Coronavirus mit Folie überzogen

Die Hygieneanforderungen haben nach wie vor Bestand. Mikros im Cockpit sind etwa mit Folie überzogen, Desinfektionsmittel steht bereit und die Mund-Nase-Schutzmasken werden auch genutzt. Das Ziel des Fluglagers für den Nachwuchs ist klar umrissen: „Wir wollen die Schüler relativ schnell zum Freiflug bringen“, erläutert der Vorsitzende.

50 bis 80 Starts sind dafür schon erforderlich. Beim Fluglager sind vier bis fünf pro Tag möglich. Förderlich sind dabei die kürzeren Intervalle, in denen die Übungseinheiten absolviert werden. Neben den Starts werden auch Landungen geübt. Wenn der Schulungsflieger mit dem Motorflieger hochgeschleppt wird, klinkt sich der Haken auf etwa 600 Meter Höhe aus.

Beim Start mit der Winde ist der Segelflieger in etwa eineinhalb Minuten auf einer Höhe von 400 bis 500 Meter über dem Platz. Bis zur Landung ist der Flugschüler, der immer von einem Fluglehrer begleitet wird, dann bis zu zehn Minuten in der Luft. Ein Segelflugzeug geradeaus zu steuern, erfordert schon eine gewisse Fähigkeit zur Koordination, um die einzelnen Ruder jeweils mit Hand und Fuß zu steuern, weiß Ullrich.

Und das „Mäusekino“ muss der Pilot auch im Blick haben. So nennen die Segelflieger das Instrumentenbrett im Cockpit des Segelfliegers. Erfahrene Piloten legen locker 500 bis 600 Kilometer zurück. Besonders gute schaffen auch mehr und sind dann sechs bis acht Stunden in der Luft.

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Distanzen von bis zu 400 Kilometern gelten als Spazierflug

Distanzen von 300 bis 400 Kilometern gelten eher als Spazierflug. Strecken von bis zu 1000 Kilometer sind übrigens der Traum eines jeden Segelfliegers. „Das haben wir aber hier noch nicht geschafft“, berichtet der Aero-Club-Vorsitzende. Da muss auch alles passen: Ein guter Pilot muss einen guten Tag erwischen Vier Segelflieger nennt der Verein sein eigen: Zwei Doppel- und zwei Einsitzer. Sie haben eine Spannweite zwischen 15 und 20 Meter. Größere Typen bringen es auf über 30 Meter.

Der Einsitzer bringt knapp 300 Kilo auf die Waage, der Doppelsitzer fast 500. Zum Inventar gehören ferner ein roter Oldtimer, eine 70 Jahre alte Piper, und ein gelbes Arbeitstier, ein Leichtflugzeug vom Typ Christen Eagle mit 180 PS. „Die zieht alles raus, was wir haben“, schwärmt Ullrich.

Mit vollem Tank sind 500 Kilometer Reichweite drin. Die Geschwindigkeit liegt bei rund 180 Stundenkilometer. An die 130 Kilometer pro Stunde schafft der Oldie. Er kann bis zu sechs Stunden in der Luft bleiben.

Flugzeuge in Baden-Baden werden regelmäßig gewartet

Seit zwei Wochen nennt der Club zudem ein Ultraleichtflugzeug Ikarus C42 B sein Eigen. Die Flugzeuge werden regelmäßig gewartet und die Motoren nach einer gewissen Flugstundenzahl immer wieder grundüberholt. Das steht unter der Aufsicht eines luftfahrttechnischen Betriebs.

Im Verein ist Andi Oberle der technische Leiter. Der Kfz-Mechaniker und Maschinenbauingenieur kam über den Modell- zum Segelflug. Der kann bis ins Alter ausgeübt werden. „Der Arzt oder der Verstand sagen, wann Sie aufhören sollten“, meint Aero-Club-Vorsitzender Ulrich – und lacht.