Kälte und Regen Anfang Mai konnten den beiden Storchenküken im Baden-Badener Stadtteil Oos nichts anhaben. | Foto: Stefan Eisenbarth

Störche in Baden-Baden Oos

Nässe und Kälte setzt vielen Jungstörchen zu

Anzeige

Das Jahr 2019 scheint für viele Störche bislang unter keinem guten Stern zu stehen. Die schlechte Wetterlage Anfang und Mitte Mai hat zahlreichen Jungvögeln schwer zugesetzt. Auch die Brut im Storchenhorst in der Sinzheimer Straße ist verendet. Das Storchenpaar nahe dem Grundschulhaus in Oos hat da mehr Glück gehabt: Beide Küken sind wohlauf.

Das berichtet Storchenbeauftragte der Vogelwarte Radolfzell, Stefan Eisenbarth. Er betreut insgesamt 50 Storchenhorste zwischen Karlsruhe, Knielingen und Iffezheim.

Ooser Storchenküken machen robusten Eindruck

Eine Aufgabe von Eisenbarth ist das Beobachten der Brut. Die beiden Jungstörche in Oos sind am 2. oder 3. Mai geschlüpft und bekommen schon die ersten charakteristischen schwarzen Federn. Ungefähr sieben Wochen nach dem Schlupf werden sie flügge und verlassen den elterlichen Horst.

Nach dem Tod der Störche in der Sinzheimer Straße war Eisenbarth besorgt, aber die Ooser Storchenküken machen einen gesunden und lebhaften Eindruck. „Den jungen Störchen setzt besonders Starkregen und Temperaturen unter zehn Grad Celsius zu. Wenn sie unterkühlt sind, betteln sie nicht mehr nach Futter und verenden schließlich“, erklärt er. Die beiden in Oos seien aber mittlerweile aus dem Gröbsten raus.

Die Jungstörche im Baden-Badener Stadtteil Oos bekommen allmählich schon die charakteristischen schwarzen Federn. Der Schnabel färbt sich jedoch erst später leuchtend orange-rot. | Foto: Stefan Eisenbarth

Treue gilt eher dem Nest als dem Partner

Etwa drei bis fünf Eier legt ein Storchenpaar pro Brut. Dabei ist es ein weit verbreitetes, aber leider falsches Vorurteil, dass Störche monogam leben. „Störche sind eher ihrem Nest als ihrem Partner treu. Wenn ein Storch früher als der andere am Nest ankommt und sich einen neuen Partner nimmt, kann es schon mal zu blutigen Kämpfen um das Nest mit dem Nachzügler kommen.“

Das Storchenpaar in Oos brütet bereits seit vier Jahren auf dem Schulhaus. Bei Störchen gilt übrigens Arbeitsteilung: Sowohl Männchen als auch Weibchen kümmern sich gleichermaßen um das Gelege und später die Küken.

Die Störche in Oos gehören laut Eisenbarth zur sogenannten Westpopulation, das heißt, sie ziehen über Frankreich, Spanien und die Straße von Gibraltar in ihr Winterquartier nach Afrika. Im Gegensatz dazu nimmt die Ostpopulation den Weg über die Türkei. Immer wieder erhält Eisenbarth Meldungen, wenn Vogelkundler auf der Zugstrecke die Ringnummer „seiner“ Störche ablesen und ihn kontaktieren.

Lange Zeit keine Störche in Baden-Baden

Dass in Oos fleißig geklappert und gebrütet wird, ist keine Selbstverständlichkeit: Bis vor fünf Jahren gab es in diesem Baden-Badener Stadtteil überhaupt keine Störche, das letzte Paar verließ 1948 den Ooser Horst. 2014 siedelte sich wieder ein Storchenpaar an, blieb aber nur ein Jahr. Im darauffolgenden Jahr kamen die jetzigen Horstbesitzer zum ersten Mal.

Neben dem Beringen und der Brutbeobachtung gehört auch die Überwachung der Nester zu Eisenbarths Aufgaben. Regelmäßig muss er mit Unterstützung der Feuerwehr oder der Stadtwerke Fremdkörper entfernen. „Es gibt nichts, was es nicht gibt in einem Storchennest“, sagt Eisenbarth und zählt nur einige der kuriosesten Fundstücke auf, mit denen die Störche ihr Nest auspolstern wollten: T-Shirts, Baseballkappen, Handys oder Plastikfolie. Platz eins belegen aber menschliche Fußknochen; die haben die Störche wohl auf dem Friedhof gesammelt, in einem Stück Stoff, das sich später als Leichensocke entpuppte.