Neuer Service für Besteller: Jetzt stehen auch in Baden fünf amazon-eigene Paketabholfächer.
Neuer Service für Besteller: Jetzt stehen auch in Baden fünf amazon-eigene Paketabholfächer. | Foto: Amazon

Konkurrenz für DHL

Neue Paket-Abholstationen: Wie die Amazon Locker jetzt Baden erobern

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Die Zeiten, in denen bei Amazon nur bestellt wurde, sind längst passé. Ganz neu in der Region ist eine Verfünffachung der sogenannten Locker des Onlinehändlers. Dabei handelt es sich um Abholstationen des Unternehmens, an die Kunden ihre Pakete liefern lassen können.

Tankstellen in Bühl, Baden-Baden und Rheinstetten wurden Ende Mai um Abholstationen von Amazon erweitert. Bereits seit Ende April steht eine Paketstation in Rastatt. Bis zum Frühjahr gab es in der Region lediglich einen Locker, der 2017 am Amazon-Logistikzentrum in Pforzheim aufgestellt wurde.

Amazon macht DHL Konkurrenz

Welche Kunden die Locker nutzen, lässt Amazon offen. Sie seien aus verschiedenen Altersgruppen. Oft würden zum Beispiel Berufstätige den Service nutzen und eine Bestellung nach der Arbeit abholen. Bis zum Frühjahr kannte man in der Region solche Paketfächer vor allem von der Deutschen Post DHL Group (DHL), deren gelben Packstationen seit 2002 kontinuierlich ausgebaut wurden und die gerne dort stehen, wo Menschen mit dem Auto hinfahren – auf Supermarktparkplätzen etwa. DHL bietet laut eigenen Angaben bundesweit etwa 3 500 solcher Packstationen an, rund 50 davon in der Region.

Damit ist die DHL immer noch Platzhirsch, wenn es um Paketpostfächer geht. Nur jede elfte Station wird von Amazon betrieben. Ob es Pläne gibt, dieses Angebot in Baden auszuweiten, darüber wollte sich das US-Unternehmen auf BNN-Anfrage nicht äußern. Amazon beließ es bei folgender Aussage: „Wir bauen unser Locker-Netzwerk kontinuierlich aus“, wie Sprecher Thorsten Schwindhammer mitteilte.

Abholstationen oft auch in Innenstädten zu finden

Locker sind bisher vor allem in Metropolregionen omnipräsent, etwa in Berlin oder dem Ruhrgebiet. Dort stehen die Abholstationen des Onlineriesen oft sogar in der Innenstadt, gerne in Einkaufscentern oder Karstadt-Kaufhäusern. Wer die Aufstellung erlaubt, setzt darauf, dass die Internetbesteller auch noch einen weiteren Einkauf vor Ort tätigen.

Außerdem sieht sich der stationäre Handel ohnehin zur Kooperation mit dem Onlinehändler gezwungen, um nicht noch mehr Käufer zu verlieren. Wie diese Karstadt-Amazon-Beziehung verstanden werden kann, erklärt eine Aussage von Stephan Fanderl, Vorstandsvorsitzender von Galeria Karstadt Kaufhof, die er gegenüber der „Lebensmittel Zeitung“ gemacht hat: „Feinde, die du nicht schlagen kannst, umarmst du.“

Auf den Mitnahmeeffekt setzen wohl auch die OMV-Tankstellen, bei denen drei der vier neuen Locker in Baden aufgestellt wurden. Das Öl- und Gasunternehmen mit Sitz in Wien wollte sich auf BNN Anfrage zunächst jedoch nicht zum Thema äußern.

Tankstellen gelten als idealer Standort

Rund 500 Locker soll es deutschlandweit bereits geben. Neben Innenstadtlagen sollen Bahnhöfe und Tankstellen beliebte Standorte sein. Deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, dass alle neuen Locker in der Region auf dem Gelände von Tankstellen aufgestellt wurden. Warum das so ist, erklärt Thorsten Schwindhammer: „Im Sinne unserer Kunden ist es uns wichtig, dass die Locker an frequentierten Plätzen installiert sind sowie leicht anzufahren beziehungsweise zu erreichen sind.“

Die Amazon Locker in der Region:

Vom Boden in die Luft: Logistik wird weiter ausgebaut

Amazon setzt neben dem Ausbau seines Onlinegeschäfts einen starken Fokus auf die Logistik. So ist es für Kunden schon fast normal geworden, dass die Lieferung der Päckchen von einem Lieferwagen und Zusteller mit Amazon-Logo erfolgt, statt durch die DHL. Allerdings sind diese Zusteller nicht direkt bei dem Onlinehändler angestellt, sondern bei regionalen Zustellunternehmen.

Der Ausbau der Paketfächer, die für Kunden viele Vorteile bieten, auch wenn große Produkte wie Fernseher nicht reinpassen, sind eine logische Fortsetzung der Liefer-Pläne des Onlinehändlers. Möglichst bald soll die Drohnenauslieferung mit „Amazon Air“ in den USA getestet werden, das kündigte das Unternehmen kürzlich auf einer Konferenz an.

Wer einen der Amazon Locker nutzt, wird auf einen der folgenden Namen treffen: rutger, danke, andreas, niek und gamze. Denn jede der Abholstationen hat einen eigenen Namen und eine eigene Zielseite auf Amazon.de, um die Locker dem Adressbuch des Kunden hinzuzufügen. Warum die Locker heißen wie sie heißen? Dazu sagt Amazon: „Die Namen sind beliebig, und es gibt keinen bestimmten Grund warum der Locker so heißt“.