Neue Spitze mit viel Tatendrang: Ursula Koners und Benedikt Stampa führen seit November gemeinsam die Geschicke am Festspielhaus Baden-Baden und wollen es zu einem Zentrum des Europäischen Musiklebens machen.
Neue Spitze mit viel Tatendrang: Ursula Koners und Benedikt Stampa führen seit November gemeinsam die Geschicke am Festspielhaus Baden-Baden und wollen es zu einem Zentrum des Europäischen Musiklebens machen. | Foto: Festspielhaus

Kultur

Neue Spitze am Festspielhaus Baden-Baden mit Tatendrang

Anzeige

Ausverkaufte Gastspiele und Sternstunden mit den Stars der Klassikwelt: Bald ist Halbzeit der ersten Saison am Festspielhaus mit dem neuen Intendanten Benedikt Stampa. Mit frischem Wind in den Segeln hat die neue Spitze nun zu einer Zwischenbilanz geladen.

„Ich bin gut angekommen“, freut sich Ursula Koners. „Es kommt mir sogar so vor, als wäre ich schon ein Jahr dabei. Und das ist ein gutes Zeichen“, so die neue Geschäftsführerin an der Spitze des Hauses bei einem Pressegespräch am Donnerstag, bei dem sie sich erstmals den Medien vorstellte. Dass sie klare Visionen hat, das Festspielhaus zukunftsfähig zu machen, daran lässt die Frau, die eigentlich gar keinen Jobwechsel plante, keine Zweifel aufkommen.

Es war Liebe auf den zweiten Blick

Ursula Koners, neue Geschäftsführerin des Festspielhaus Baden-Baden

„Es war Liebe auf den zweiten Blick“, räumt Koners ein, die seit 2011 das Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen (FIF) an der Zeppelin Universität leitete, als man ihr die Nachfolge von Michael Drautz, dem langjährigen Geschäftsführer am Festspielhaus, anbot.

Mehr zum Thema: Neuer Baden-Badener Festspielhausintendant blickt gelassen auf die Saison

Die Konstellation sei in kaufmännischer Sicht sehr ähnlich gewesen. Wie das Festspielhaus ist auch die private Universität eine Stiftung, hinter der eine gemeinnützige GmbH steht. Auch sei die Uni in Friedrichshafen maßgeblich von privaten Förderern finanziert. „Ich freue mich, es künftig mit ähnlichen und teilweise sogar identischen Persönlichkeiten zu tun zu haben.“

Generationenwechsel fest im Blick

Ihr Ruf an das Festspielhaus sei durchaus schlüssig gewesen. „Die Gespräche haben mir gezeigt, dass es in diesem Haus noch sehr viel Gestaltungsfreiheit gibt“, so Koners weiter. „Das Haus wurde 20 Jahre lang zu einer großen Strahlkraft geführt. Zugleich gilt es jetzt, den Generationenwechsel auf vielen Ebenen von den Künstlern über die Stifter und Förderer, die Mitarbeiter bis hin zu den Besuchern anzugehen.“

Auftakt mit Mozart

Dass Mozarts Totenmesse unter der Leitung von Teodor Currentzis im November der Auftakt in ihr neues Amt war, soll kein Grund zur Tristesse sein. Im Gegenteil. „Es war ein wunderschöner Einstand“, schwärmt Koners. Ihr ist es wichtig, die Digitalisierung am Hause voranzutreiben.

Mehr zum Thema: Baden-Baden soll Sehnsuchtsort werden

Im Social-Media-Bereich sei großes Verbesserungs-Potenzial. „Meine früheren Studenten geben mir immer Rückmeldung, das sei alles noch viel zu lahm“, lacht sie. „Was die Marke Festspielhaus angeht, sind wir perfekt aufgestellt, aber im digitalen Bereich haben wir noch Arbeit vor uns“, so Koners. „Es liegen spannende Zeiten vor uns“, sagt die Geschäftsführerin.

Baden-Baden soll Zentrum des Europäischen Musiklebens werden

Für Benedikt Stampa liegt die Spannung vor allem darin, Baden-Baden stärker als bisher als Ort der Festspiele zu vermarkten. „Baden-Baden soll zu einem Zentrum des Europäischen Musiklebens werden.“ Mit den Osterfestspielen zeige sich die Stadt bereits von ihrer besten Seite. Dies soll aber stärker fokussiert werden, indem das Festival-Zentrum in die Innenstadt verlegt wird. So sollen alle Quartette von Beethoven im April im Kurhaus gespielt werden, in dessen Bel Etage diesmal auch die Festspiel-Lounge eingerichtet wird.

Pläne für neues Studio laufen auf Hochtouren

Was das geplante und laut Stampa auch dringend benötigte neue Studio für kleine Konzerte betrifft, so gebe es Gespräche auf allen Ebenen. Stampa: „Uns ist das sehr wichtig. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.“ Fest steht hingegen ein Meilenstein: Am 30. Juni 2020 greift der Kaufvertrag zwischen der Stadt und der Tanja Grundstücksverwaltung. Die Immobilie ist dann Eigentum von Baden-Baden.

Kommentar von Isabel Steppeler:
Man konnte es sich ja kaum vorstellen: Das Festspielhaus Baden-Baden ohne Andreas Mölich-Zebhauser. Ohne den Retter und Ritter, der das Haus mit Geschäftssinn und Stilbewusstsein zu internationalem Ruf geführt hat, in dem die besten Künstlerinnen und Künstler ein und ausgehen. Und noch bevor man nun mit Spannung erwarten kann, wie Benedikt Stampa etwas veredelt, was schon glänzt, ist dennoch für einen kleinen Moment auch Grund zum Innehalten: Das Haus, das beinahe täglich Menschen aus aller Welt zu Klängen von höchster Qualität lockt, wird ab Sommer der Stadt gehören. Dass der Preis von 18,4 Millionen Euro laut Oberbürgermeisterin Margret Mergen mit Blick auf die damaligen Baukosten von umgerechnet 60 Millionen Euro fast ein Geschenk sei, dieser freilich protzige Gedanke ist vor allem in ideeller Sicht berechtigt. Natürlich muss der städtische Haushalt auch weitere Jahre bluten, um die Finanzierung zu sichern. Aber zurück fließt sehr viel: internationales Renommee, kulturelle Bildung für junge Menschen der Stadt. Und vielleicht auch das, wofür Stampa nun die Ärmel hochkrempelt: Der Intendant möchte Baden-Baden weltweit als Zentrum des Europäischen Musiklebens spürbar machen. Ist es das nicht längst? Nicht ganz. Zwar ist der Ort für das Who-is-Who der Klassikszene längst Selbstverständlichkeit und die Berliner Philharmoniker nisten sich nicht ohne Grund jährlich hier statt wie früher in Salzburg ein. Aber in Übersee nimmt man Baden-Baden allenfalls am Rande als Festspielort wahr. Der „Sound of music“ spielt in den Köpfen anderer Kontinente nun mal in Salzburg. Die Festspiele mit der kulturell reichen Geschichte der Stadt zu verknüpfen und zu einem Sehnsuchtsort machen zu wollen, ist ein ehrenwertes Unterfangen, dem man nur Glück wünschen kann.