Ein Luxushotel soll im Neuen Schloss entstehen. Auf die Realisierung wartet man in Baden-Baden seit Jahren.
Ein Luxushotel soll im Neuen Schloss entstehen. Auf die Realisierung wartet man in Baden-Baden seit Jahren. | Foto: Bernd Kamleitner

Pläne vorgelegt

Neuer Anlauf für Luxushotel im Neuen Schloss in Baden-Baden

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Es setzt der Stadt gewissermaßen die Krone auf, doch ein Vorzeigeprojekt ist das Neue Schloss auf dem Florentinerberg längst nicht mehr. Ob sich der Traum von einem Luxushotel, das oberhalb von Baden-Baden thront, jemals erfüllen wird, das steht in den Sternen. Fast 16 Jahre, nachdem die badische Markgrafenfamilie ihren Stammsitz in der Bäderstadt für gut drei Millionen Euro verkaufte, startet die neue Besitzerin Fawzia Al-Hassawi einen weiteren Anlauf, das millionenschwere Prestigeprojekt doch noch zu realisieren.

Bürgermeister Uhlig: ein Juwel

Bürgermeister Alexander Uhlig spricht gegenüber den BNN von „einem Juwel“ – und meint damit die Inneneinrichtung des ehemals herrschaftlichen Anwesens. Die konnte er in seiner inzwischen zweieinhalbjährigen Amtszeit immerhin schon in Augenschein nehmen. Wenn die ehemalige Markgrafenresidenz wieder ein lebendiger Teil der Stadt werden könnte, hielte er das für sehr vorteilhaft. Das Hotel wäre ein großer Durchbruch bei einer Immobilie, zu der die Bürger in der Vergangenheit im Prinzip keinen Zugang hatten.

Kostenvoranschlag lag zuletzt bei 80 Millionen Euro

Der CDU-Politiker verkennt aber nicht, dass man dafür viel Geld investieren müsse, um alles herzurichten. Mit dem Vorsatz, das in Angriff zu nehmen, ging schon der Vater von Fawzia Al-Hassawi das Projekt an. Zuletzt war von Kosten in einer Größenordnung von rund 80 Millionen Euro die Rede.

Zutritt verboten: die ehemalige markgräfliche Residenz in Baden-Baden.
Zutritt verboten: die ehemalige markgräfliche Residenz in Baden-Baden. | Foto: Bernd Kamleitner

Anfang Mai wurden der Stadtverwaltung auf elektronischem Weg neue Pläne vorgelegt – auf der Basis von Vorgaben vom Februar des vergangenen Jahres, bestätigt Uhlig. Damals hatte vor allem das Landesdenkmalamt sein Veto gegen eine große Lösung eingelegt: Das geplante Luxushotel musste von 141 Zimmern auf 112 abspecken.

Denkmalschutz stoppt große Lösung

Für die große Variante hätten Dächer aufgestockt werden müssen, etwa im zentralen Kavaliersbau. In der Orangerie sollten zudem Decken erhöht werden und weitere Dachgaupen sollten eingebaut werden, um die geplanten Zimmer besser zu belichten. Im ehemaligen Stallgebäude neben dem Eingangstor sollten außerdem Fenster vergrößert werden. Mit Raumteilern sollten überhaupt erst die Möglichkeit geschaffen werden, dort Zimmer auszuweisen. Das scheiterte aber letztendlich am Veto des Denkmalschutzes.

Hoch über der Stadt thront das Neue Schloss - hier die Ansicht vom Eingang zur Caracalla-Therme
Hoch über der Stadt thront das Neue Schloss – hier die Ansicht vom Eingang zur Caracalla-Therme | Foto: Bernd Kamleitner

Was wird aus geplanter Spa-Landschaft?

Auch Pläne für eine Spa-Landschaft mit Pool im Keller des Kavaliershauses wurden zu der Zeit schon kritisch gesehen. Auf der Basis der damaligen Erkenntnisse sei nun die neue Planung erfolgt, erläutert Uhlig. Sie unterscheiden sich demnach deutlich von dem bereits im Jahr 2010 genehmigten aber mittlerweile verfallenen Bauantrag. Was aus den neuen Plänen werden wird, muss sich in den nächsten Wochen entscheiden.

Gesprächstermin in der nächsten Woche

Bereits in der kommenden Woche soll es einen Vor-Ort-Termin im Neuen Schloss geben – mit dem Schlossplaner, Vertretern der Stadt sowie dem Denkmal und dem Naturschutz, der ebenfalls ein Wörtchen mitredet. Uhlig sieht in diesem Termin die Chance, dem Immobilienbesitzer klare Hinweise für die weitere Detailplanung zu geben.

Uhlig: Kein Anlass für eine Enteignung

Ansätze für eine Enteignung des Schlossbesitzers sieht Uhlig dagegen nicht gegeben. Das Neue Schloss sei schließlich nicht vom Zerfall bedroht. Ein Fall im Landkreis Gotha hatte in dieser Hinsicht für Aufsehen gesorgt. Das Land Thüringen hatte die Enteignung von Schloss Reinhardsbrunn beantragt, um den Verfall eines bedeutenden Kulturgutes aufzuhalten. Der Vorgang im Freistaat gilt bundesweit als die erste Enteignung nach dem Denkmalschutzgesetz.