Rea Garvey beim New Pop Festival | Foto: Hora

„New Pop“ ehrt Rea Garvey

Von der Parkbank zur Popkarriere

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Vor 19 Jahren fuhr er auf eigene Faust nach Baden-Baden, um beim New Pop Festival ein Demotape mit seinem Song „Supergirl“ zu verteilen. Ein Jahr später begann bei dem Festival die Karriere von Rea Garvey, der nun zum Auftakt des aktuellen Jahrgangs im Festspielhaus mit dem Ehrenpreis „Pioneer of Pop“ ausgezeichnet wurde.

So langsam müsste sich Amy MacDonald gut im Badischen auskennen: Vergangenes Jahr war sie beim „Fest“ in Karlsruhe, vor wenigen Wochen trat sie im Schlossgarten Bruchsal auf, und jetzt war sie mal wieder beim „SWR3 New Pop Festival“ in Baden-Baden, wo sie 2008 mit ihrem Debutalbum ihre Karriere gestartet hatte. Die Sängerin und Gitarristin bezauberte beim „Special“ im Festspielhaus nicht nur Moderator Guido Gantz (dessen weißblonde Frisur sie freilich trotz Blondierung nicht toppen kann) mit ihrem charmanten schottischen Akzent und ihrer neuen Single „Women of the World“. Und mit ihrem ersten Hit „This is the life“  bot sie eine schöne Reminiszenz an ihren Start, über den sie sagte, sie sei mittlerweile hoffentlich professioneller: „Ich habe jetzt ja zehn Jahre Übung.“ Und bei diesem Song waren sogar live gespielte Elemente zu bemerken – das ist bei dieser als TV-Aufzeichnung inszenierten Halbplayback-Show nicht selbstverständlich.

Amy MacDonald auf der Bühne | Foto: Hora

Halbplayback und Videos

Bei den Newcomern Namika, Nico Santos und Tom Walker beklatschte das Publikum im Festspielhaus sogar nur die eingespielten Musikvideos ihrer Hits. Das gehört freilich seit jeher zum Konzept: In die Fernsehausstrahlung (21. September, Das Erste, 23.30 Uhr) werden an diesen Stellen Ausschnitte aus den tatsächlichen Live-Auftritten im Kurhaus und im Theater eingespielt. Schließlich geht es an den drei „New Pop“-Tagen um insgesamt zehn Newcomer, denen die Radiomacher (und Festivalorganisatoren) eine große Karriere zutrauen.

Wie Rea Garveys Karriere begann

Einer davon war vor 19 Jahren auf eigene Faust nach Baden-Baden gefahren und drückte jedem, den er traf, ein Demotape mit seinem Song „Supergirl“ in die Hand und übernachtete danach auf einer Parkbank am Bahnhof. Im Jahr darauf stand er selbst auf einer New-Pop-Bühne – und nun erhielt er den Ehrenpreis des Festivals: Rea Garvey, der 1998 nach Freiburg eingewanderte Ire, wurde für seine beachtliche Karriere als „Pioneer of Pop“ ausgezeichnet.

„Hau rein!“

Wie lange das Publikum im Festspielhaus auf diesen Höhepunkt warten musste, zeigte sich in der kurzen Pause zwischen Garveys Dankesworten und seinem ersten Song: „Hau rein!“, rief ein Besucher lauthals in die Stille. Und das tat Garvey dann auch mit seinem neuen Song „Is it Love?“, der mit einem Hip-Hop-Produzenten erarbeitet wurde, was Garveys typischen Rocksound noch wuchtiger klingen ließ.

Moderator Guido Cantz auf dem Roten Teppich. | Foto: Hora

Unterhaltsame Show

Obwohl der ursprüngliche Zeitplan mal wieder um mehr als eine halbe Stunde überzogen wurde,  wirkte das Programm diesmal vitaler und straffer als in den vergangenen Jahren. Selbst das Überbrücken der Umbaupausen mit augenzwinkernden Spielen, bei denen Laura Wontorra, Uwe Ochsenknecht und sein Sohn Wilson Gonzalez sowie SWR-Humorgarant Pierre M. Krause beispielsweise die Originalinterpreten von Coverversionen erraten mussten, waren knapp und unterhaltsam gehalten. Dennoch: Nach dem stimmlich wirklich starken Duett-Song „Liebe auf Distanz“ der Band Revolverheld war man mal richtig auf Musik eingestellt – und bekam wieder ein Spaß-Interview.

Forum für neue Singles

Dass dabei natürlich auf die neue Platte und den anstehenden Tourstart verwiesen wurde, ist freilich handelsüblich – auch „The BossHoss“, die den Abend eröffneten, waren deshalb im Festspielhaus, weil sie nach drei Jahren Pause mit „A/Y/O“ eine neue Single präsentieren konnten. Gleiches gilt für den immer noch sympathischen Eagle Eye Cherry, der ebenso wie Amy MacDonald bereits am Nachmittag bei Pierre M. Krause auf der Talkbühne vorbeigeschaut hatte, wo er nicht nur durch die Gaudimangel gedreht wurde, sondern auch „unplugged“ auftrat.

The BossHoss auf der Bühne beim New Pop Festival | Foto: Hora

Schräges am Nachmittag

The BossHoss hatten dort sogar einen „special guest“ dabei, dessen kauziger Charme für das „Special“ dann wohl leider doch zu schräg war: Das Hillbilly-Urgestein Seasick Steve rockte vor dem Kurhaus mit seiner selbstgebauten einsaitigen Waschbrett-E-Gitarre. Immerhin lässt „New Pop“ auch bei der 24. Ausgabe solche Momente noch zu – eines der guten Argument dafür, heute und morgen mal vorbeizuschauen, wenn sich die weiteren New-Pop-Gäste vor dem Kurhaus auch für jene Besucher präsentieren, die keine Tickets für die seit langem ausverkauften Konzerte bekommen haben.

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