Die Baustelle auf dem Leopoldsplatz in Baden-Baden musste für das G20-Finanzministertreffen geräumt werden. Die Mehrkosten von 90000 Euro will die Baden-Badener OB Margret Mergen dem Land in Rechnung stellen. | Foto: Bernd Kappler

Interview mit Rathauschefin

OB Mergen zum Gipfel: Die Kosten kommen mehrfach zurück

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Margret Mergen kennt sich aus in der Welt der Finanzen. In Karlsruhe war sie Finanzbürgermeisterin, ehe sie 2014 Baden-Badener Oberbürgermeisterin wurde. Sie ist nun sozusagen die Hausherrin beim G-20-Gipfel der Finanzminister und Notenbankchefs. Im Interview erklärt Mergen, warum dieses Treffen ein Gewinn ist für die Kur- und Bäderstadt und was es die Stadt kostet.

Was erwarten Sie von dem G-20-Treffen für die Stadt?

Baden-Badens Oberbürgermeister Margret Mergen sieht das G-20-Finanzministertreffen als einen Gewinn für die Stadt an. | Foto: Bernd Kappler

Mergen: Wir freuen uns, dass die G-20-Staaten Baden-Baden zur Tagung der Finanzminister und Notenbankchefs ausgewählt haben. Ein großes Dankeschön geht an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der sich für den Austragungsort Baden-Baden stark machte. Wir sind eine international ausgerichtete Stadt mit Gästen aus aller Welt, mit über einer Million Übernachtungen im letzten Jahr. Die G-20-Tagung hilft uns spürbar, den Bekanntheitsgrad unserer Stadt international weiter zu stärken. Rund 1 800 Gäste aus insgesamt 61 Delegationen aus 32 Ländern kommen für einige Tage in unsere Stadt. Inzwischen haben über 600 Journalisten ihr Kommen angekündigt. Sie berichten in ihren Medien über das G-20-Treffen, aber auch über die Stadt, in der G20 zu Gast ist: Museum Burda, Festspielhaus, Spielbank, Thermalbäder, Lichtentaler Allee, Schwarzwaldhochstraße. Und das weltweit, millionenfach.

Baden-Baden steht beim Finanzministertreffen im Fokus der Weltpolitik. Aber nicht alle in Baden-Baden finden das gut …

Mergen: Wir wollen gute Gastgeber sein. Baden-Baden besitzt eine lange Tradition von solch herausragenden politischen Zusammenkünften. Das beginnt im 19. Jahrhundert und gehört zu Baden-Baden. Der russische Zar Alexander besuchte die Stadt, Zehnfürstenkongress 1860, Kaiser Wilhelm I. kommt 40 Jahre lang jeden Sommer nach Baden-Baden und führt hier auch Staatsgespräche. Zuletzt der Nato-Gipfel 2009, aber auch das Internationale Olympische Komitee mit seiner Session und dem 11. Olympischen Kongress 1981. Die Kosten, die für G20 entstehen, kommen in einem Mehrfachen zurück. Müssten wir diesen weltweiten medialen Effekt mit Anzeigen in TV, Radio, Printmedien und Internet kompensieren, wäre ein mehrfacher Millionenbetrag nötig. Von der G-20-Tagung in unserer Stadt profitieren Hotellerie, Gastronomie, Handel und Veranstaltungsräume, wie das Kurhaus und das Kongresszentrum.

Im Gemeinderat wurde gebrummelt, man habe kein Mitspracherecht bei der Grundsatzentscheidung gehabt. Wie sehen Sie das?

Mergen: Ich habe den Ältestenrat des Gemeinderats vor über einem Jahr über das Angebot des G-20-Treffens in Baden-Baden informiert. Von keiner Fraktion kamen damals Bedenken gegen das Ausrichten des G-20-Treffens in Baden-Baden.

Wie war denn der Erstkontakt entstanden, wie haben Sie vom Wunsch der Bundesregierung erfahren, an der Oos tagen zu wollen?

Mergen: Bundesfinanzminister Schäuble hat mich vor über einem Jahr angesprochen, dass er die Tagung der G-20-Finanzminister gerne in Baden-Baden ausrichten würde.

Lässt sich der städtische Einsatz beziffern?

Mergen: Ja, das sind rund 800 000 Euro. Einmal 520 000 Euro für Lohnersatzkosten der eingesetzten 600 Rettungskräfte von DRK, THW und Feuerwehr, hinzu kommen 32 000 Euro für deren Verpflegung. Das Aufstellen und der Abbau von Verkehrsschildern kostet 135 000 Euro, das Ertüchtigen des Leopoldsplatzes für die Rettungskräfte, wie Deutsches Rotes Kreuz, THW und Feuerwehr, aber auch für die Polizei und noch einige Buslinien kostet 90 000 Euro, hinzu kommen zahlreiche Details, wie Info-Faltblätter und mehr mit rund 20 000 Euro.

Und da war noch der Leopoldsplatz, der zugeschüttet werden musste. Gute Entscheidung?

Mergen: Die Kosten für das Verfüllen des Leopoldsplatzes will ich dem Land in Rechnung stellen. Auch wenn es uns nicht einfach fiel, wir sind der dringenden Empfehlung der Polizei nachgekommen und haben den Leopoldsplatz verfüllt und mit einer Asphaltdecke versehen. Das hat einfach Sicherheitsgründe. Zudem können wir so gewährleisten, dass der Platz von den Rettungsdiensten, der Polizei und den Buslinien während der G-20-Tage genutzt werden kann.