Prägt das Stadtbild: die Stiftskirche in Baden-Baden.
Prägt das Stadtbild: die Stiftskirche in Baden-Baden. | Foto: Bernd Kamleitner (Archiv)

Baden-Badener Millionenprojekt

Ohne Bescheid aus Berlin droht der Zeitplan für die Sanierung der Stiftskirche zu platzen

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Die katholische Seelsorgeeinheit Baden-Baden erwartet sehnsüchtig Post aus der Bundeshauptstadt. Konkret geht es um einen stattlichen Zuschuss aus der Denkmalpflege für die geplante Sanierung der Stiftskirche. Bundesmittel über 750 000 Euro, verteilt auf die Jahre 2020 (500 000 Euro) und 2021 (250 000) sind zwar bereits zugesagt und von den zuständigen Gremien beschlossen, aber der offizielle Förderbescheid liegt noch nicht vor. Das könnte den ambitionierten Zeitplan für die Kirchensanierung kräftig durcheinanderwirbeln.

Nach den Vorgaben für die staatliche Förderung darf mit den Arbeiten nämlich erst begonnen werden, wenn der Bescheid des Bundes vorliegt. „Wir kommen zeitlich in die Enge“, bestätigt Pfarrer Michael Teipel die drohende Konsequenz.

Nachricht aus Berlin wird sehnsüchtig erwartet

Um das zu verhindern, hat die Kirchengemeinde reagiert und inzwischen einen Antrag beim Bund gestellt, mit den Arbeiten beginnen zu dürfen ohne dass dadurch die Förderung gekippt wird. Im Fachjargon wird dann von einem förderungsunschädlichen Baubeginn gesprochen. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker, der sich für den Zuschuss stark machte, ist hinter den Kulissen für das Sanierungsprojekt in seiner Heimatstadt aktiv. Pfarrer Teipel wartet täglich auf die Nachricht aus Berlin, die das geplante Vorgehen absegnen soll.

Eng getakteter Zeitplan

Der Zeitplan für die millionenschwere Stiftskirchensanierung in zwei Phasen ist eng getaktet. In Kürze soll die mit Kosten von 1,4 Millionen Euro veranschlagte Turmsanierung schon beginnen. Dafür muss der über 60 Meter hohe Turm eingerüstet werden. Dafür sind mehrere Wochen Arbeitszeit veranschlagt.

Besonderes Baudenkmal: die Stiftskirche In Baden-Baden.
Besonderes Baudenkmal: die Stiftskirche In Baden-Baden. Sie überragt die Altstadt. Im Vordergrund ist das Friedrichsbad zu sehen. | Foto: Bernd Kamleitner

Kontakt zum Gerüstbauer gibt es, doch eine Auftragsvergabe konnte noch nicht erfolgen, um den staatlichen Zuschuss nicht zu gefährden. Auf der anderen Seite will aber der Unternehmer verständlicherweise mit seinem Team und seinem Material planen können. Zuletzt war vorgesehen, dass es noch im Januar losgeht. Millimeterarbeit wird allein schon die Anfahrt des Baukrans durch die engen Altstadtgassen.

Schlimmstenfalls droht Verschiebung der Maßnahme um ein Jahr

Verzögert sich die noch ausstehende Zusage aus Berlin länger als erwartet, droht schlimmstenfalls eine Verschiebung der Maßnahme um ein Jahr. Das hätte wiederum weitere negative Konsequenzen. Neben einer dann befürchteten Kostensteigerung wären außerdem bereits bewilligte Mittel des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg über knapp 130 000 Euro in Gefahr. Beim Land gilt die Vorgabe, dass mit der Maßnahme innerhalb eines Jahres nach der Zusage der Förderung begonnen werden muss.

Am Turm müssen 20 Kubikmeter Steine ausgetauscht werden

Das Aufstellen des Gerüsts einfach um Wochen verschieben, ist keine Lösung, erläutert Teipel. Hintergrund ist die Tatsache, dass für den vorgesehenen Austausch von stattlichen 20 Kubikmeter Steinen am Kirchturm nur ein bestimmter jahreszeitlicher Rahmen gegeben ist. In diesem Zeitraum ist garantiert, dass der Mörtel aushärten kann. „So kommt eines zum anderen“, beschreibt Teipel das Dilemma. Das Ziel der Gemeinde sei aber klar: „Wir wollen mit der Sanierung beginnen!“