Untere Sommerbühn Steinbach | Foto: Bühler

Reger Baubetrieb in Steinbach

Ohne Keller drohen Mehrkosten

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Die Zinsen sind niedrig, die regionale Wirtschaft ist gut in Schwung, die Arbeitslosenquote permanent niedrig: Die Nachfrage nach Bauland und Eigentumswohnungen ist entsprechend groß. Das trifft auch für das neue Baugebiet Untere Sommerbühn in Steinbach zu, wo bereits die ersten privaten Einfamilienhäuser nahezu fertiggestellt sind.

Bauarbeiten gehen weiter

Jetzt beginnen bei entsprechender Witterung die Bauarbeiten eingangs der kommenden Woche für zwei weitere Bauprojekte mit Eigentumswohnungen und in absehbarer Zeit auch ein Sechs-Familien-Haus mit sechs Wohneinheiten (Siehe auch Artikel „Eigentumswohnungen sind der Renner).
Die Bauplätze inmitten des beschaulichen Rebland-Städtels gingen weg wie die warmen Semmeln. Bereits Ende vergangenen Jahres war nur noch ein Bauplatz der insgesamt 55 erschlossenen Grundstücke übrig geblieben, für den es aber nach Auskunft des privaten Bauträgers auch schon einen ernsthaften Interessenten gibt.

Ansturm auf Grundstücke

„Bei der Ausschreibung der Bauplätze gab es einen Nachfrage-Ansturm. Wir konnten die Anfragen überhaupt nicht zählen“, skizzierte Dieter Reininghaus vom Bauträger Sawe GmbH, einer Tochter von Weber Consult in Pforzheim.
Wie bereits berichtet läuft die Vermarktung von insgesamt neun Grundstücken in der Mulde des Baugeländes, darunter vier kleinere Grundstücke für Doppelhäuser, die preisgünstig für junge Familien gedacht und im Besitz der Stadt Baden-Baden sind. Nach Auskunft der Stadtverwaltung befindet man sich bereits in der zweiten Ausschreibungsrunde, weil sich bislang nur ein Interessent eingefunden hat, der die Voraussetzungen für die subventionierte Vergabe des Bauplatzes erfüllt.

Zusätzliche Kosten

Dieser, so stellte die CDU im Rebland bei ihrer jüngsten Fraktionssitzung fest, sieht sich wegen der topografischen Situation neben der Erschließungsstraße Mirabellenweg links bei den Gewächshäusern der Gärtnerei Werr mit erheblichen zusätzlichen Kosten wegen einer erforderlichen Auffüllung des Grundstückes mit entsprechender Abstützung auf Straßenniveau konfrontiert.
„Eine junge Familie aus Steinbach hat den Zuschlag für das geförderte Grundstück erhalten. Um aber das Niveau der Erschließungsstraße zu erreichen sind eine Reihe von teuren zusätzlichen Maßnahmen notwendig.

Förderung wird konterkariert

Der Zusatzaufwand ergibt sich durch eine terrassenförmige Abstützung von Auffüllmaterial, das auch noch entsprechend verdichtet werden muss. Da gibt es auch entsprechende Gutachten“, räumt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Ortschaftsrat, Hermann Winterhalter, gegenüber dieser Zeitung ein. Durch diese Umstände „ist der soziale Aspekt der Förderung junger Familien im Rebland konterkariert“, wertet er. Experten gehen davon aus, dass die Mehrbelastung sich durch diese zusätzliche Vorleistungen leicht auf eine Summe von 30 000 Euro addieren könnte.

Zweifel an der Vergabe

Prinzipiell stelle sich deshalb auch die Frage, ob nicht die falschen Grundstücke für die preisgünstigere Abgabe an junge Familien ausgesucht worden seien.
Bei der Fachbehörde in der Stadtverwaltung weist man darauf hin, dass die Grundstücke nicht als Grünland im ursprünglichen Zustand angeboten werden, sondern aus hier ersichtlichen Gründen erst im erschlossenen Zustand, so dass sich ein potenzieller Käufer ein realistisches Bild von dem zu erwerbenden Kaufgrund machen könne.

Erschlossene Grundstücke

„Die Grundstücke werden verkauft, wie man sie im erschlossenen Zustand sieht. Die meisten Bauherren planen ihr Objekt mit einem Keller, so dass bereits zu Beginn der Bauphase in den meisten Fällen genügend Erdmaterial anfällt, um das Niveau zu der fertiggestellten Erschließungsstraße auszugleichen“, stellt Roland Seiter, Pressesprecher der Stadt Baden-Baden, fest. Dass beim Verzicht auf einen Keller durch zusätzliche Mehrbelastungen Kosten in Höhe des Baulandpreises entstehen sei zumindest fraglich.

Situation nahezu einheitlich

„Die Zuteilung der Grundstücke erfolgte im rechtlichen Rahmen der Baulandumlegung, bei der die Stadt Baden-Baden eigene Flächen mit eingebracht hat. Dabei wurden auch einige kleinere Grundstücke am Rande zugeteilt, die für Bauherren mit einem kleineren Geldbeutel gedacht sind“, erklärt Dieter Reininghaus vom privaten Bauträger Sawe in Pforzheim. Bis auf den Ausblick vor allem bei den leicht erhöhten Baugrundstücken am nördlichen Ende des Baugebietes Untere Sommerbühn sei die topografische Situation nahezu einheitlich. Die ringförmige Erschließungsstraße Mirabellenweg verfügt über ein leicht angehobenes Niveau. Damit ist sie weniger abschüssig und fügt sich harmonisch in die Landschaft ein.

Eigentumswohnungen sind der Renner

Neben den Einfamilienhäusern entstehen im Baugebiet Untere Sommerbühn in Steinbach auch Objekte mit Eigentums- und Mietwohnungen. „Wir vermitteln insgesamt 18 Eigentumswohnungen, die auf zwei Häuser mit Tiefgarage nebst elf Stellplätzen verteilt sind. Die Nachfrage ist sehr gut, denn wir haben bereits vor dem Baubeginn, der unmittelbar bevor steht, nur noch vier Einheiten übrig“, erläutert Rainer Strack vom Beratungscenter Immobilien der Volksbank Bühl, welche die Wohnungen vermarktet.

Fast alles vermarktet

Generell sei die Nachfrage bei Eigentumswohnungen im Bereich Achern, Bühl und im Rebland wegen der sehr guten Anbindung und der örtlichen Infrastruktur sehr stark. „Die neuen Mitbewohner können alle Erledigungen zu Fuß machen. Das ist ein großer Infrastruktur-Vorteil, den wir zum Beispiel in abgelegeneren Regionen nicht haben“, setzt Rainer Strack auseinander. Hinzu komme das historisch niedrige Zinsniveau mit zwei Effekten: Günstige Finanzierung und gleichzeitig eine gute Geldanlage in das sogenannte Betongold.

Anlage in Betongold

Eigentumswohnungen seien derzeit der Renner. „Mehr als die Hälfte der Erwerber wollen ihre Eigentumswohnung zunächst einmal vermieten“, geht Strack auf die Eigentümergemeinschaft ein, welche die Anlage künftig auch verwaltet. Bei den Eigentumswohnungen handelt es sich in der Regel um Drei-Zimmer-Wohnungen mit einer Wohnfläche zwischen 80 und 86 Quadratmeter. Darüber hinaus gibt es drei Wohnungen mit vier Zimmern und einer Wohnfläche von im Schnitt rund 105 Quadratmetern.

Preise nach Lage

„Die Preise richten sich wie immer nach der individuellen Lage der Wohnung, zum Beispiel nach der Ausrichtung der Fenster, sowie der kompletten Ausstattung“, weiß der Immobilienberater. Einen Stellplatz in der Tiefgarage gibt es für einen Aufpreis von 18 000 Euro. Dagegen fällt ein oberirdischer Stellplatz für das Auto mit 6 500 Euro nur mit knapp einem Drittel bei der Finanzierung ins Gewicht. Der Preis pro Quadratmeter pendelt – je nach Lage – zwischen 3 310 und rund 3 385 Euro.

Genaue Kalkulation

Und was muss ein potenzieller Kaufinteressent für eine Eigentumswohnung im neuen Baugebiet unmittelbar am Ortskern von Steinbach inmitten des Reblandes nun kalkulieren?
Rein rechnerisch liegt der mittlere Wert einer Wohnung in den beiden Häusern bei einer Wohnfläche von 88,5 Quadratmeter. Bei einem Preis von 3 310 Euro pro Quadratmeter ergibt das ein Kaufpreis von im Schnitt 293 200 Euro pro Eigentumswohnung. Plus Stellplatz fürs Auto ergibt das 299 700 Euro. Mit einem Tiefgaragenplatz liegt man schließlich bei 311 200 Euro.„Wenn das Wetter mitspielt beginnen die Bauarbeiten der Objekte in Steinbach eingangs der nächsten Woche“, datiert Rainer Strack die Umsetzung der beiden Häuser.

Weitere Projekte

Ein weiteres Projekt ist bereits in der Pipeline: „Dabei handelt es sich um ein Sechs-Familien-Haus mit sechs Wohneinheiten“, blickt Strack in die Zukunft. Aber wegen der guten Baukonjunktur werde dieses Projekt mit Mietwohnungen unmittelbar neben der Gärtnerei Werr wohl nicht vor Ende 2018 angegangen.