Donnervogel vor prächtiger Kulisse: Ein Ford-Thunderbird Convertible (Baujahr 1960) vor dem Kurhaus ist eine der Attraktionen beim Oldtimer-Meeting Baden-Baden. | Foto: Georg Keller

Oldtimer-Meeting Baden-Baden

Paradewagen zieht die Blicke auf sich

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Von Georg Keller

Wer über das Oldtimer-Meeting Baden-Baden schlendert und flaniert, der braucht Zeit und Muse. Denn nicht nur die 360 Oldtimer aus den Baujahren 1897 bis 1975, insgesamt 81 unterschiedliche Marken, wollen fotografiert sein. Auch deren Besitzer haben Geschichten zu erzählen – von der Suche nach dem persönlichen Traumauto, dessen Historie und Vorbesitzer sowie der Restaurierung. Benzin-Gespräche gehören bei dem Meeting einfach dazu.

Ein Eigentümer trägt eine russische Generalsuniform

Ein beliebtes Foto-Motiv ist Wilfried Rehme in seiner russischen Generalsuniform mit dem Taschaika Gaz 13, übersetzt bedeutet Tschaika Möwe. „Das ist ein Paradewagen.“ Präsidenten und hochrangige Parteikader der früheren Sowjetunion haben das stattliche Cabrio mit V8-Motor und 199 PS gefahren. Rehme hat ihn 1985 in Deutschland gekauft. „Er war plötzlich hier.“ Der Kosmonaut Juri Gagarin, der erste Mensch im Weltall, könnte der Vorbesitzer gewesen sein, er bekam nach seiner Pioniertat eine Möwe geschenkt, vermutet Rehme.

Eigentümer in Generalsuniform: Wilfried Rehm und seine sowjetische Staatskarosse Tschaika erregen Aufmerksamkeit. | Foto: Georg Keller

Liebhaber aus Polen sind zum ersten Mal dabei

Aus Polen ist Tomas Osterlof mit seinem Rily (Baujahr 1936) angereist. Das Fahrzeug blieb beim Rückzug der englischen Armee bei Dünkirchen auf dem Festland zurück, ein deutscher Offizier brachte es in das Gebiet des heutigen Polen. „Ich habe es in den späten 1980er Jahren in einer Scheune gefunden“, berichtet Osterloff, der mit weiteren Mitgliedern eines polnischen Oldtimer-Clubs zum ersten Mal beim Baden-Badener Treffen, dessen Medienpartner die Badischen Neuesten Nachrichten sind, dabei ist.

Das Meeting wird immer europäischer

„Das Meeting wird immer europäischer“, betont Organisator Marc Culas beim von BNN-Marketingleiter Andreas Langner moderierten Talk mit Bürgermeister Roland Kaiser, Matthias Vickermann von der Einzelhändler-Initiative Baden-Baden-Innenstadt und Frank Marrenbach vom Brenners Park-Hotel. Der Hotelmanager weiß zu berichten, dass das Brenners einst eine der ersten Tankstellen in der Bäderstadt hatte.

Der Orient-Express geht auf Demonstrationsfahrt

Das älteste vertretene Fahrzeug, ein 1897 in Gaggenau gebauter Bergmann Orient-Express, erinnert stark an eine Kutsche ohne Pferde. Karl-Josef Leib, technischer Leiter im Unimog-Museum Gaggenau, das den Wagen erworben hat, bricht öfter zu Ausfahrten auf. Auch BNN-Medienberaterin Sina Schneider hat dabei viel Spaß, so oft ergibt sich die Gelegenheit nicht, in einem Fahrzeug aus dem 19. Jahrhundert mitzufahren.

Orient-Express auf Ausfahrt: Karl Josef Leib präsentiert mit BNN-Mitarbeiterin Sina Schneider die Motorkutsche von 1897. | Foto: Georg Keller

Eine Sonderausstellung zeigt Ford Mustangs

Ehrengastmarke ist der amerikanische Automobilhersteller Ford. Eine Sonderaustellung zeigt sämtliche Generationen des Kult-Sportwagens Mustang, darunter auch den Mustang GT390, mit dem sich Steve McQueen im Kinofilm „Bullitt“ wilde Verfolgungsjagden liefert.

Kindheitserinnerungen werden wach

Aber auch historische Fords wie das Modell A, mit Wachtel-Vogel als Kühlergrill-Figur, in die der Kühlwassertemperaturmesser integriert ist, sind ausgestellt. Mit dem Modell T führte Henry Ford die Fließbandproduktion in der Automobilbranche ein. Für Stephan Barth aus dem pfälzischen Bad Bergzabern ist seine Tin Lizzy vor allem Kindheitserinnerung: „Mit 14 habe ich beim Vater von einem Schulfreund mitgeholfen, einen Ford T zu restaurieren, seither wollte ich immer so einen.“ Einen seltenen Ford zeigt auch Helmut Philipp Biller aus Beinheim im Elsass. „Von der Ford-Eifel-Limousine gibt es weltweit nur noch zehn Stück.“

Ein Oldtimer wird zur Familiengeschichte

Eine ungewöhnliche Familiengeschichte hat auch Georg Schulz zu erzählen: Sein Sohn Jürgen kaufte den Ford Taunus 12M 1981 als Student und fuhr damit täglich zur Uni. Jahre später schenkte der Junior seinem Vater einen Gutschein für die Restauration des Fords mit der Weltkugel im Kühlergrill.

BNN-Leser gewinnen den letzten Teilnehmerplatz

Strahlen dürfen auch Denise und Klaus Reichert aus Karlsdorf, die beim BNN-Glückstreffer den letzten freien Platz im Teilnehmerfeld gewannen und ihr Karmann Ghia Cabrio von 1973 präsentieren.

Weitere Infos im BNN-Dossier.