Neue Wege gehen die verbliebenen Ordensschwestern im Kloster Lichtenthal. Sie empfangen Gebetsanliegen jetzt auch per Smartphone.
Neue Wege gehen die verbliebenen Ordensschwestern im Kloster Lichtenthal. Sie empfangen Gebetsanliegen jetzt auch per Smartphone. | Foto: Andrea Fabry

Kloster Lichtenthal

Ordensschwestern empfangen Gebetsanliegen per Smartphone

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Ein Beispiel dafür, wie sich kirchliche Einrichtungen auf die Zukunft einstellen, liefert das Kloster Lichtenthal in Baden-Baden. Das Gebet für andere gehört zwar schon immer in der 773 Jahren alten Geschichte des Zisterzienserklosters zum Dienst der Ordensfrauen. In dieser Woche lassen sich die 22 Ordensschwestern jedoch erstmals Gebetsanliegen aufs Smartphone schicken – und nehmen diese Bitten mit in ihr Gebet, heißt es aus der Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariats in Freiburg.

Ökumenisches Glaubensangebot steht hinter der Neuerung

Hinter der Neuerung steckt die Netzgemeinde „Da_Zwischen“, ein ökumenisches Glaubensangebot der katholischen Bistümer Speyer, Würzburg und Freiburg im Internet. Wer Mitglied der Netzgemeinde ist, erhält jeden Montag und jeden Freitag eine Impuls-Nachricht auf sein Smartphone. Die Mitglieder können auf diese Impulse reagieren, Fragen stellen und ihre eigene Sicht einbringen. Am Montag haben die Mitglieder die Einladung erhalten, persönliche Gebetsanliegen zu schicken.

Gebetswünsche für Familie, Gesundheit und Beziehungen

Diese werden bis zum Sonntag nach und nach an die Lichtenthaler Schwestern weitergeleitet. In den ersten zwei Tagen des Angebots seien über 100 konkrete Gebetsanliegen für Familien, für Gesundheit oder für private und berufliche Beziehungen eingegangen. Die Mitglieder bleiben dabei anonym, heißt es.

Zum Kloster Lichtenthal gehört auch ein Klosterladen und ein Cafe.
Zum Kloster Lichtenthal gehört auch ein Klosterladen und ein Cafe. | Foto: Bernd Kamleitner

Das Gebet verändert mich

„Das Gebet verändert mich. Es weitet meinen Blick für die Sorgen und Freuden der Menschen, es veranlasst mich zu Mitgefühl und zum Mitdenken und es übt mich in die Gegenwart Gottes ein, die letztlich dankbar macht“, sagt die Äbtissin der Ordensgemeinschaft, Schwester Bernadette. Sie lebt, arbeitet und betet seit 40 Jahren im Kloster. Die Ordensfrau will aber die Schwierigkeiten im Gebet nicht kleinreden. „Warum Gott manches Unrecht, manches Leid zulässt, dafür haben wir oft keine Erklärung.“

Die Kirche wird sich in der Fläche weiter zurückziehen. Das kündigte Erzbischof Stephan Burger an.
Die Kirche wird sich in der Fläche weiter zurückziehen. Das kündigte Erzbischof Stephan Burger an. | Foto: dpa

Erzbischof: Kirche hat Glaubwürdigkeit eingebüßt

Die katholische Kirche hat unterdessen nach Auffassung von Erzbischof Stephan Burger Glaubwürdigkeit eingebüßt und muss sich neu aufstellen. Das belegten allein schon nackte Zahlen wie rückläufige Taufen, immer weniger Gottesdienstbesucher und zunehmende Kirchenaustritte. Demnach sei die Zahl der Katholiken in Deutschland allein im vergangenen Jahr um 270 000 zurückgegangen, sagte der Bischof bei einer Jubiläumsfeier der Kirchengemeinde St. Georgen-Hexental in Freiburg-St. Georgen. Das entspricht nahezu der Einwohnerzahl einer Großstadt wie Karlsruhe.

Kirche hat weltweit schwere Schuld auf sich geladen

An den Ursachen gibt es für den Kirchenmann keine Zweifel. „Finanzskandale, vor allem aber der weltweite Missbrauchsskandal, der bis in die Reihen der Kardinäle reicht, haben viel von dem Vertrauen in die Kirche Christi zerstört,“ wird Burger in einer Mitteilung des Erzdiözese zitiert. Die Kirche habe „weltweit schwere Schuld“ auf sich geladen. Die Organisation und die Amtsträger müssten sich dieser Verantwortung stellen und „diese fürchterlichen Missbräuche“ aufarbeiten.

Zum Priestermangel kommt das „Nachwuchsproblem an Gläubigen“

Die Kirche habe zudem nicht nur ein Nachwuchsproblem bei Priestern, sondern auch ein „Nachwuchsproblem an Gläubigen“. In den Gemeinden komme oft nur noch die ältere Generation zum Gottesdienst. Jüngere Menschen sehe man dagegen meist nur an Weihnachten, Ostern oder an ausgewählten Tagen und Anlässen in den Kirchen, die einst als Kraftorte galten. Schon jetzt lasse sich erkennen, so Burger, dass in manchen Pfarreien wegen geringen Interesses an der Glaubensgemeinschaft „das Gemeindeleben zum Erliegen komme“.

Keine Zwangsbelebung durch Hauptamtliche

Eine „‚Zwangsbelebung durch Hauptamtliche“ werde dort auf Dauer nicht möglich sein. Aufgabe von Priestern und anderen Kirchenhauptamtlichen müsse es vielmehr sein, lebendige Gemeinden zu unterstützen und zu fördern. Ein genereller Wandel sei jedoch absehbar. „Eine flächendeckende Präsenz im Sinne der Gießkanne, überall Hauptamtliche vorhalten zu können, ist jetzt schon nicht mehr möglich und wird auch in Zukunft nicht mehr möglich sein“, betonte Burger.