Massiver als bisher, gleichwohl architektonisch aufgelockert, präsentieren sich die Ideen für die Neubebauung an der Aumattstraße in Baden-Baden. Die Entwürfe des städtebaulichen Wettbewerbs sind bis 23. Januar 2018 im Rathaus zu sehen. | Foto: Bernd Kappler

Aumattstraße Baden-Baden

Pläne für Gebäudelandschaft

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Am Anfang, das war 2012, stand eine Bauvoranfrage im Baden-Badener Rathaus für das Kopfgrundstück in der Aumattstraße, jetzt, nach über fünf Jahren, wird augenscheinlich mehr daraus, denn der Siegerentwurf des vom Gemeinderat auf den Weg gebrachten städtebaulichen Wettbewerb zum „Dienstleistungsbereich Aumattstraße“ sieht einen völlig neuen Quartiersbereich zwischen Aumattstraße und Oos vor, mit insgesamt vier einzelnen Gebäudekomplexen – eine Gebäudelandschaft.

Gebäudelandschaft aus drei Komplexen

Oberbürgermeisterin Margret Mergen und Bürgermeister Alexander Uhlig sprachen am Dienstag von einem vollen Erfolg des Wettbewerbs, der im Übrigen von der Jury einmütig bewertet worden ist. Mit dem Siegerpreis ist das Büro „Richter Architects et associés“ aus Straßburg mit „Agence.Ter.de GmbH“ aus Karlsruhe und Verkehrsplaner Raimund Wichte aus Rheinstetten belohnt worden. Zu dem beschränkten Wettbewerb waren insgesamt sechs Büro aufgefordert gewesen. Einen zweiten Preis vergab die Jury nach achtstündiger Sitzung nicht, um den Abstand zum Siegerentwurf zu betonen. Vielmehr gab es zwei dritte Preise.

Eindeutiger Sieger

Georg Bäumle vom gleichnamigen Stadtplanungsbüro aus Darmstadt, das im Auftrag der Stadt den Wettbewerb betreute hatte, lobte das städtebauliche Konzept des Siegerentwurfs. Es überzeuge einerseits durch Klarheit, andererseits durch eine differenzierte Höhenentwicklung.

Drei Gebäudekomplexe (Mitte) und ein Punkthaus an der Aumattbrücke sieht der Entwurf vor. | Foto: Bernd Kappler

Gleich nach der Aumattbrücke sieht der Entwurf ein Punkthaus vor, es folgend drei weitere Komplexe, die sich in verschiedenen Höhen jeweils um einen Innenhof gruppieren. Unter dem gesamten Areal ist eine Tiefgarage vorgesehen. Bürgermeister Alexander Uhlig sagte, dass es auch sehr gut gelungen sei, Bebauung und die bisher dort nicht erlebbare Oosaue zu verzahnen. Die Baukastenstruktur mit verschiedenen Gebäudekomplexen ermögliche ein abschnittsweises Vorgehen. Dabei ließ es Uhlig offen, wie im Moment die Besitzverhältnisse in dem Quartier sind. Der Stadt gehört dort nur ein Grundstück am Rand des Gebiets.

Neue Fußgängerbrücken

Enthalten ist im Entwurf eine neue Fußgängerbrücke parallel zur Aumattbrücke. Eine zweite wäre weiter westlich denkbar, wie die Planer zu den weiteren von der Stadt im Wettbewerb angeforderten Ideen aufzeigen. Dabei, unter anderen ist das Gerstenmaier-Areal damit gemeint, handele es sich aber um Ideen ohne konkreten Handlungsbedarf, wie OB Mergen betonte. Teil der Idee: Das Gerstenmaier-Grundstück könnte künftig auch von der Eisenbahnstraße her über eine Brücke über die Oos erschlossen werden. Damit werde der Knoten an der Aumattbrücke entlastet. Charme des Siegerentwurfs sei gewesen, dass ein Verkehrsplaner eingeschaltet worden sei, der die grundsätzliche Machbarkeit der Neuordnung bestätigt habe.

In der Sitzung des Bauausschusses am Mittwoch will Bürgermeister Uhlig das Wettbewerbsergebnis vorstellen. Vorschlag der Verwaltung werde sein, auf Grundlage des Wettbewerbs die weiteren Schritte im Bebauungsplanverfahren einzuleiten.

Service
Die Wettbewerbsarbeiten sind bis 23. Januar 2018 montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr im Rathaus im Foyer des fünften Stocks öffentlich ausgestellt.

Kommentar
Der Satz klang nebensächlich, aber es könnte sein, dass er alsbald eine Hauptrolle spielen wird, wenn die Neubebauung an der Aumattstraße Wirklichkeit werden soll. „Für das Auge ist das was Neues“, sagte Georg Bäumle, der im Auftrag der Stadt den städtebaulichen Wettbewerb „Aumattstraße“ betreut.
Nun gut, da wir noch im städtebaulichen Stadium sind, also in der Holzklötzchenphase, lässt sich das spätere Aussehen der realen Gebäude nur erahnen. Aber: Allein die Formensprache offenbart: Das hat was.
Das „Neue“ könnte indessen die bereits angeheizte Diskussion um den Arvato-Neubau in der Rheinstraße auf die andere Seite der Oos verlagern mit der Kernfrage: Wie städtisch will und kann eine Stadt eigentlich wirken?
Von Häuserschluchten à la New York oder Chicago wäre die Stadt an der Oos aber auch noch ein gutes Stückchen entfernt, sollte der jetzt angepeilte Dienstleistungsbereich so verwirklicht werden. Und auch aus ökologischer Sicht bleibt doch dort, wo es geht, nur noch der Weg in die Höhe.
Der Hase im Pfeffer könnte aber auch ganz woanders liegen: Der Entwurf lässt sich zwar abschnittsweise verwirklichen, die gemeinsame Tiefgarage schweißt die Beteiligten aber irgendwie alle miteinander zusammen. Wie dem auch sei: Städtebauliche Fragen und Grundeigentum sollten auch hier nicht vermischt werden.