Der Porsche Mythos: Der 911 S von Matthias Karl überzeugt mit seiner puristischen Form. Knapp 100.000 Kilometer war der Baden-Badener schon mit seinem Sportwagen unterwegs. | Foto: pr

Porsche 911 S „Urmodell“

Liebe auf den ersten Blick

Es war wohl Liebe – damals – auf den ersten Blick. Schon in seiner Kindheit Ende der 1970er Jahre hat Matthias Karl mit den vollendeten Kurven seiner Leidenschaft Bekanntschaft gemacht. „Ich habe schon als Junge gespürt, dass das etwas ganz Besonderes ist“, sagt Karl.

Als Jungs die Nasen platt gedrückt

Logisch, dass seine dunklen Augen funkeln, wenn er von dem Objekt der Begierde vieler Männer spricht: dem Porsche 911 S, Baujahr 1972. Das Urmodell. „In meiner Nachbarschaft hatte ein Architekt einen grünen 911er Porsche“, erzählt der Fotograf. Alle Jungs hätten sich damals die Nasen am Fenster platt gedrückt, als das Auto vorbei fuhr. Tragisch: Der Nachbar ist mit dem Auto später tödlich verunglückt.

Karls „11er“ in hellelfenbein ist eine zeitlose Schönheit – das Urmodell eben. Dieses Modell ist 1962 auf der Internationalen Autoausstellung in Frankfurt vorgestellt worden. In Verkauf ging das Auto 1964 bis 1973. „Ungefähr 1.400 Stück wurden vom 911 S Coupe, Baujahr 1972, hergestellt. So eine kleine Marge, das muss man sich mal vorstellen“, sagt Karl. Er weiß auch, wie viel die jeweilige Ausführung, Touring (T), E (luxuriös) und S (Sport) kostete. Letztere, der Seine, schlug damals mit 30 500 Mark zu Buche. Karl kaufte das Schmuckstück 2001 für 40 000 Mark.

Ursprüngliches Fahrgefühl

Ab Werk bringt der Porsche 911 S bei knapp 1.000 Kilogramm Fahrzeuggewicht 190 PS über die Hinterachse auf die Straße – Fahrspaß pur. Vor sechs Jahren hat Karl allerdings einen stärkeren, baugleichen Porsche-Motor eingebaut. Der 2,8-Liter-Motor hat nun mit der Doppelzündungsanlage 260 PS bei gleichem Gewicht.

Das Schöne ist, das ursprüngliche Fahrgefühl: Der Porsche hat keine Servolenkung, keinen Bremskraftverstärker oder sonstigen neumodischen Schnickschnack an Bord. „Nach Tacho fährt er 265 Kilometer pro Stunde“, sagt Karl und lacht. Bei solchen Geschwindigkeiten herrsche im Auto neben dem brüllenden Motor konzentrierte Stille.

Motor drückt mit seinem
Gewicht direkt auf die Antriebsachse

„Der Motor drückt mit seinem Gewicht direkt auf die Antriebsachse und bei der Beschleunigung geht das Auto vorne hoch“, erklärt Karl. Das Fahrverhalten sei schon sehr speziell. „Der fährt jeder Spurrille nach.“ Dementsprechend haben die Porsche-Techniker schon früh damit angefangen, das Gewicht nach vorne zu verteilen.

Außenliegende Ölklappe als Alleinstellungsmerkmal

Der Öltank beispielsweise wanderte hinter die B-Säule. Das Besondere an Karls Porsche ist die außen liegende Ölklappe für die Befüllung der Trockensumpfschmierung. „Diese kommt aus dem Rennsport“, erklärt Karl. Das haben nur die Porsche aus dem Baujahr 1972. Die Ölklappe vor dem hinteren rechten Rad sorgte für viel Verwirrung. Angeblich hätten manche Benzin dort rein getankt. Das hält Karl aber für einen Mythos. Er vermutet, dass dem Hersteller die Kosten für die seitliche Ölbefüllung bei der Herstellung einfach zu teuer wurde.