Die ehemalige Zisterzienserabtei Salem zählt zu den bedeutendsten Kulturdenkmäler der Bodenseeregion. 1920 richteten dort Prinz Max von Baden und Kurt Hahn das weltweit renommierte Internat "Schule Schloss Salem" ein.
Die ehemalige Zisterzienserabtei Salem zählt zu den bedeutendsten Kulturdenkmäler der Bodenseeregion. 1920 richteten dort Prinz Max von Baden und Kurt Hahn das weltweit renommierte Internat "Schule Schloss Salem" ein. | Foto: imago

„Geld spielt eine Rolle“

So viele Privatschüler wie noch nie – Heidelberg und Baden-Baden vorn

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Rund 106.800 Schüler haben im vergangenen Schuljahr in Baden-Württemberg eine allgemeinbildende Privatschule besucht – so viele wie noch nie. Das entspricht einem Anteil von 9,7 Prozent. Vor zehn Jahren lag dieser noch bei 7,7 Prozent. Geld spielt dabei offenbar eine Rolle – aber nicht die entscheidende.

„Es gibt ein Wachstum der freien Schulen, wir spüren auch das Interesse der Eltern“, sagt Christina Metke vom Verband Deutscher Privatschulen Baden-Württemberg. „Ganztag war lange Zeit unser Alleinstellungsmerkmal“, erklärt Metke. Mittlerweile sei das bei Privatschulen vor allem das zweisprachige Angebot.

An der Spitze liegt Heidelberg, wo 31,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen auf Privatschulen gehen, gefolgt von Baden-Baden (26,6) und Freiburg (24,2). Den geringsten Anteil verzeichnen Böblingen (2,2 Prozent) und Rastatt (2,9).

Privatschüler nach Landkreisen im Schuljahr 2018/2019

Viele Waldorfschüler in Freiburg

„In Freiburg gibt es eine hohe Anzahl an reformpädagogischen Schulen und starke Schulgründer“, sagt Metke. Tatsächlich ist in Freiburg der Anteil der Waldorfschüler mit sechs Prozent am höchsten, gefolgt von Pforzheim und Ulm mit jeweils 5,3 Prozent. In Stuttgart, wo vor 100 Jahren die weltweit älteste Waldorfschule gegründet worden war, beträgt dieser 4,6 Prozent. In Baden-Baden hingegen, dem Kreis mit dem zweitgrößten Anteil an Privatschülern, gibt es keine Waldorfschüler unter den Privatschülern. Ganz anders in Pforzheim: Dort geht der Großteil der Privatschüler auf Waldorfschulen.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg, Doro Moritz, erklärt sich den hohen Anteil der Privatschüler in Heidelberg und Freiburg mit den spezifischen Ansprüchen, die viele Eltern dort an schulische Bildung stellen. „Dort gibt es verstärkt Eltern, die leider selektive Schulen für ihre Kinder suchen und bereit sind, Schulgeld zu zahlen.“ Heidelberg und Freiburg gelten als alternativ und studentisch geprägt, nirgends ist der Anteil der Grünen-Wähler in Baden-Württemberg höher. In Baden-Baden hingegen sind gleich zwei größere Privatschulen beheimatet: Zum einen die „Klosterschule vom Heiligen Grab“ sowie die Internatsschule „Pädagogigum“.

Da spielt Geld definitiv eine Rolle.

„Aber es ist eine Illusion, dass man mit Geld gute Bildung kaufen kann“, ergänzt Moritz.

Das monatliche Schulgeld ist in Baden-Württemberg auf 160 Euro gedeckelt. Metke vom Verband Deutscher Privatschulen betont: „Baden-Württemberg hat eine der moderatesten Schulgeldregelungen.“

Gehen nur reiche Kinder auf Privatschulen?

Ein hohes Einkommen ist offenbar nicht der einzige Grund, warum Eltern ihre Kinder auf Privatschulen schicken. Spitzenreiter Heidelberg etwa liegt beim Pro-Kopf-Einkommen unter dem Landesschnitt. Der Stadtkreis Heilbronn hat zwar nach dem Kreis Starnberg das höchste bundesweit, positioniert sich aber beim Anteil der Privatschüler lediglich im Mittelfeld. Auch die Stadt Ulm, beim Pro-Kopf-Einkommen auf Platz zwei in Baden-Württemberg, hat einen geringeren Privatschüler-Anteil als das ähnlich einkommensstarke Baden-Baden.

GEW-Chefin Moritz fordert die Landesregierung indes zum Handeln auf – auch, um mit der privaten Konkurrenz Schritt halten zu können. Es brauche Aktionen gegen Lehrermangel, Unterstützung von Schulen mit großem Einzugsgebiet und den Ausbau von Ganztagsschulen.