Marc Marshall hat früher im Akkord Rolladenkästen hergestellt. | Foto: Schirnhofer

Pizza und Rollläden

Promis und ihre Ferienjobs

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Viele Schüler und Studenten können es sich nicht leisten, in den Ferien nur zu faulenzen. Ein Job muss her – am besten einer, bei dem man richtig viel Geld verdient. Der SONNTAG fragte einige Persönlichkeiten aus der Region, womit sie sich früher in den Ferien das Urlaubsgeld verdient haben.

Deckel für Zahnpastatuben

Martin Wacker, Geschäftsführer der Karlsruher Event GmbH: Ich habe in meiner Gymnasialzeit ab meinem 16. Lebensjahr in jeden großen Ferien gejobbt – in ganz unterschiedlichen Firmen. Einmal musste ich Schraubdeckel für Zahnpasta produzieren, vom Einfüllen der Plastikrohmasse bis zum gestanzten Endprodukt. Zwei Sommer lang half ich in einer Spedition in der Nachtschicht aus. Man musste die Ladungen der LKW auf Postleitzahlbezirke verteilen. Wenn von der Bäckerei die Ladung mit den Hamburger-Brötchen für ein großes Fast-Foodrestaurant kam und man ausladen musste, war hinterher stets eine Essenspause angesagt…die „hungerfördernden“ Düfte hatten ihren Dienst getan…

Akten suchen

Steffi Lackner, Intendantin des Sandkorn-Theaters Karlsruhe: Mein eindrücklichstes Erlebnis war der Bürojob bei einer Bausparkasse. Ich musste aus dem Archiv Akten ziehen und den jeweils zuständigen Sachbearbeitern bringen. Die Akten waren durch endlose Nummern gekennzeichnet, die in riesigen Büchern mit Computerausdrucken verzeichnet waren. Es war schwierig, die richtigen Akten zu finden. Am meisten aufgefallen ist mir, dass zwischen 11 und 15 Uhr sich alle Mitarbeiter ständig Mahlzeit wünschten. In allen Büros und Gängen. Es war unglaublich skurril für mich als Neuling in der Firma. Das hatte schon etwas Kabarettistisches.

Finger im Eiswasser

Ulrike Krumm, Pfarrerin der Luthergemeinde in der Karlsruher Oststadt: Zwischen Schule und Theologiestudium half ich im Service einer frommen Familienfreizeit irgendwo in den Schweizer Bergen mit. Wenn ich daran denke, wie wir frühmorgens die Butter-Blümchen aus den Kübeln mit Eiswasser holen mussten, bekomme ich jetzt noch blaue Fingerspitzen! Außerdem musste ich mich gegen den Vorwurf zur Wehr setzen, warum ich denn Pfarrerin werden wollte – wo doch nach Paulus das Weib in der Gemeinde zu schweigen hätte!

Autorität im weißen Kittel

Michael Obert, Bürgermeister in Karlsruhe: Einen klassischen Ferienjob hatte ich im August 1973, noch als Schüler, bei Wertkauf. Ich war in der Lebensmittelabteilung und eigentlich fürs Auffüllen der Waren zuständig. Es gab weiße und blaue Kittel, was aber keine Bedeutung hatte und nur dem Zufall geschuldet war. Die Leute meinten aber, die mit den weißen Kitteln seien was Besseres und fragten mich, da ich weiß „bekittelt“ war, immer alles Mögliche. So wollte ein Mann wissen, ob Gelierzucker das gleiche sei wie Einmachzucker, was ich (in Unkenntnis) bejahte. Abends fragte ich meine Mutter, die mich aufklärte, dass dies ein großer Unterschied sei und man keinen Gelee bekommt, wenn man dafür Einmachzucker nimmt und umgekehrt. Hoffentlich hat der arme Mann seiner Gattin dann doch noch das Richtige mitgebracht…

Rolladenkästen im Akkord

Marc Marshall, Sänger aus Baden-Baden: Besonders geliebt habe ich die Arbeit beim Rolladen Bohnert in Baden-Baden. Hier habe ich mit meinen Kumpel im Akkord Rolladenkästen hergestellt. Das war immer eine Riesengaudi, wenn wir unsere eigenen Rekorde gebrochen haben. Unser Stundenlohn war echt spitze. Davon habe ich mir meinen ersten eigenen Plattenspieler gekauft. Das vergisst man nie! Und wenn dann noch Zeit war, habe ich im Schützenhaus bei Hoge und Elisabeth Bier gezapft. Da gab es zum Stundenlohn immer noch eine gute Wurst für zuhause dazu!

Pizzaservice und Reiseleiterin

Stefanie Tücking, Fernseh- und Radiomoderatorin aus Baden-Baden: Ich habe lange bei einem Pizzaservice am Telefon die Bestellungen aufgenommen. Witzigerweise war die Abkürzung für die Standardpizza Salami/Pilze/Pepperoni bei uns in Kaiserslautern „smp“. Das „m“ für mushrooms, weil das „p“ schon für Pepperoni reserviert war. Darauf muss man erst mal kommen. Mein Vater hat mich bei Siemens auf Montage geschickt, da habe ich geholfen, Fernmeldeämter aufzubauen. Seither weiß ich, welchen Namen sämtliche Werkzeuge haben, und mit dem Lötkolben kann ich immer noch ganz gut umgehen! Danach bin ich als Reiseleiterin an den Wochenenden mit 50 Amerikanern im Bus nach Paris gefahren, habe die Stadtrundfahren geführt und die Bande zusammen gehalten, bis wir wieder in den Kasernen in Kaiserslautern waren. Das waren meine ersten Erfahrungen mit dem Mikro in der Hand…. In Kneipen und in der besten Disco in town habe ich im Service und an der Bar gejobbt, später dann als Discjockey Musik aufgelegt und eingekauft. Alles quasi die Vorbereitung für meine spätere Arbeit beim Radio und Fernsehen, besser jedenfalls als das Elektrotechnikstudium.

Stefanie Tücking, hier mit Peter Illmann (links) und Dieter Meier von Yello, hat früher als Reiseleiterin für Amerikaner in Paris gearbeitet. | Foto: dpa

Drei Wochen im Supermarkt

Andrea Krieg, Leiterin der Stadtbibliothek Karlsruhe: Da fällt mir als erstes ein Ferienjob ein, den ich leider nie bekommen habe. Es war eben der begehrteste damals unter den Schülern in Schwetzingen. Es handelte sich um die sehr gut bezahlte Arbeit am Fließband der Konservenfabrik Bassermann. Ich habe stattdessen drei Wochen im Sommer in einem kleinen Supermarkt Warren transportiert und Regale aufgefüllt. Dabei mussten die Ferienjobber immer bis zum damaligen Ladenschluss bleiben. In den anderen Schulferien habe ich dann ehrenamtlich Kinder im Tischtennisverein trainiert.

Pferde und Mädchen

Sabine Zenker, Geschäftsführerin der Gartenschau Bad Herrenalb: Ich erinnere mich sehr gerne an meinen Ferienjob beim Kinderferienprogramm im Reitstall. 15 bis 20 junge pferdebegeisterte Mädchen, die einen ganz schön auf Trab gehalten haben. Morgens waren die meisten kaum wach und abends kaum ins Bett zu bekommen. Pyjamapartys, Wasserschlachten und natürlich jede Menge Pferde standen auf dem Programm. Da war nicht nur Pferdesachverstand, sondern auch Nervenstärke geforder. Highlight war immer das große Waffelessen. Den Mädchen und mir hat es immer besonders gut geschmeckt. Erstaunlich, was dabei an Waffeln in den unterschiedlichsten Variationen gegessen wurde!

 

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