Vor dem Landgericht Baden-Baden muss sich eine Rechtsanwältin und ein Steuerberater verantworten. Sie sollen einen Vermögensschaden von über 1,3 Millionen Euro zu verantworten haben. | Foto: dpa

Schnell Alleinerbin geworden

Prozess um Millionenbetrug in Baden-Baden

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Auch im zweiten, erneut insgesamt rund vier Stunden andauernden Teil ihrer Einlassungen zu den Vorwürfen, ist am Freitag die vor dem Landgericht Baden-Baden wegen Untreue und Betrug in Millionenhöhe angeklagte Rechtsanwältin bei ihrer Version der Dinge geblieben. Sie habe alles auftragsgemäß abgewickelt, bis Sommer 2014 habe es keine Anzeichen für eine Demenzerkrankung der älteren Dame gegeben. Zwischen ihr und ihrem verstorbenem Mann habe sich schnell eine sehr starke Beziehung und ein Mutter-Tochter-, beziehungsweise Vater-Tochter-Verhältnis entwickelt. Ihr und ihrem Mann wird Millionenbetrug vorgeworfen.

Millionenbetrug oder Auftragserfüllung?

Folgt man den Angaben der Angeklagten, dann ist an einem einzigen Tag zwischen dem Paar und der Anwältin ein so großes Vertrauensverhältnis entstanden, dass die beiden Betagten sie nicht nur als Betreuerin, sondern auch als Alleinerbin einsetzen wollten. An diesem 25. Mai 2011 sei die Angeklagte auf Vermittlung einer dem Ehepaar bekannten Versicherungsmaklerin zu den beiden ihr vorher völlig unbekannten Menschen gekommen. Sie habe geglaubt, es gehe lediglich um eine Vorsorgevollmacht. Doch es sei um mehr gegangen. Der Ehemann, der aufgrund eines Hirntumors nur noch wenige Monate zu leben hatte, habe sein Frau versorgt sehen wollen, „in einer behüteten Familie“. Rechtsanwältin, Steuerberater und zwei Kinder seien der Idealfall gewesen.

Schon beim ersten Gespräch sei man sich in allem einig gewesen. Man duzte sich, sie habe in der Frau die Wiedergeburt ihrer eigenen Mutter gesehen. Ohne dass sie ihren Mann oder ihre Kinder gesehen hätten, habe das Paar ihr als Gegenleistung das gesamte deutsche Vermögen schenken wollen. Dies habe sie aber ausgeschlagen. Es sei gegen ihre Erziehung, ohne Gegenleistung etwas anzunehmen. Der zweiten Variante, nach dem Ableben der Frau, Alleinerbin zu werden, habe sie zugestimmt. Dies obwohl das ein Risiko gewesen sei, denn die alte Dame hätte ja jederzeit ihr Testament ändern können. Die Bereitschaft das Mandat zu übernehmen, sei vor allem eine rein menschliche Entscheidung gewesen.

Schuld auf Adoptivtochter geschoben

Ihr Auftrag sei es auch gewesen, zu verhindern, dass die Adoptivtochter der Frau etwas aus dem deutschen Vermögen erhält. Außerdem hätte sie Auftrag gehabt, deren Pflichtanteile in Südafrika zu beschränken. Die Adoptivtochter sei letztlich der Grund für die Auswanderung des Ehepaares, das sich in Südafrika zwischenzeitlich aus steuerlichen Gesichtspunkten habe scheiden lassen, nach Deutschland gewesen. Die Adoptivtochter sei kriminell, Dealerin, selbst drogenabhängig, handle mit Waffen und sei gewalttätig. In Durban sei sie mit dem größten Drogenboss zusammen gewesen, später mit einem Kriminellen aus Großbritannien.

Als die 1965 Geborene Mitte 20 war, sei bei ihr eine bipolare Störung festgestellt worden. Bereits deren Mutter, die als Haushälterin bei dem Ehepaar in Südafrika beschäftigt war, habe an Schizophrenie gelitten.
Die Angeklagte, die bereits am Vortag angegeben hatte, ihre eigene Mutter bis zu deren Tod aufopferungsvoll gepflegt zu haben, schilderte der Großen Strafkammer am Freitag, dass sie gleiches mit dem Ehepaar getan habe. Ausgemacht worden war eine monatliche Betreuung von 16 Stunden, tatsächlich habe sie sich aber täglich zunächst um beide, nach dem Tod des Mannes dann um die Frau gekümmert. „Wir waren eine Familie“, sagte die 53-Jährige unter Tränen.

Schnelle Testamentsänderung

Welches Testament wann und von wem unterschrieben worden ist, ist bei ihrer Aussage am Freitag nicht so ganz klar geworden. Folgt man ihren Angaben, war aber alles sehr schnell gegangen. Schon fünf Tage nach dem ersten Kennenlernen, am 30. Mai 2011, soll es aufgesetzt worden sein. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr bekanntlich vor, dieses Papier später rückdatiert zu haben.

Laut Angeklagter hätten zwar Indizien vorgelegen, wonach die Frau bereits im Oktober 2010 erste Anzeichen einer Demenzerkrankung hatte, dies sei indessen nicht erkennbar gewesen. Im Gegenteil: Bis Mitte 2014 habe sie selbstständig ihren Haushalt geführt. Mit einer Fülle von Einzelbeispielen versuchte sie, diese Selbstständigkeit zu erhärten. In ihren Einlassungen belastete sie erneut mehrere Personen, die im Lauf des Prozesses noch als Zeugen aussagen werden. Diese hätten es auf das Erbe abgesehen gehabt. Drahtzieherin sei die Adoptivtochter gewesen.

Fortsetzung am Montag

Der Prozess wird am Montag mit dem dritten Teil ihre Einlassungen fortgesetzt. Dann will sich auch ihr angeklagter Ehemann zu den Anklagepunkten äußern.