Saniert wird die Petrus-Figur, die auf der Spitze des Turms der Stiftskirche in Baden-Baden thronte. Vor dem Abbau nimmt Architekt Thomas Halder die Figur noch einmal unter die Lupe.
Saniert wird die Petrus-Figur, die auf der Spitze des Turms der Stiftskirche in Baden-Baden thronte. Vor dem Abbau nimmt Architekt Thomas Halder die Figur noch einmal unter die Lupe. | Foto: Bernd Kamleitner

Arbeit in über 60 Meter Höhe

Sanierung der Stiftskirche in Baden-Baden: Jetzt muss die Petrus-Figur von der Turmspitze in die Werkstatt

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Architekt Thomas Halder war schon für die Sanierung zahlreicher historischer Gebäude und darunter vieler Kirche zuständig. Der Auftrag in Baden-Baden ist allerdings auch für einen erfahrenen Bausachverständigen wie ihn ein besonderer. „Aufgrund der exponierten Lage der Stiftskirche ist das hier sehr spannend“, sagt der Geschäftsführer eines Büros für Baukonstruktionen in Karlsruhe.

Am Montag begleitete er in über 60 Meter Höhe ein seltenes Spektakel: Im Zuge der aufwändigen Turmsanierung, der ersten Etappe der insgesamt sieben Millionen Euro teuren Stiftskirchensanierung,  wurde die vergoldete Silhouette des Heiligen Apostels Petrus, die vermutlich seit über drei Jahrhunderten die Turmspitze ziert, abmontiert.

Arbeitsplatz mit Ausblick

Muss man als Metallrestaurator eigentlich schwindelfrei sein? Ariane Brückel lacht. Zu Beginn ihrer Tätigkeit, räumt sie ein, war das nicht so einfach für sie. Inzwischen bereitet ihr Höhenangst keine Probleme mehr und sie bewegt sie sich auch auf Baustellen in luftiger Höhe sicher – so wie auf dem Turm der Stiftskirche in Baden-Baden.

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Hoch geht es mit einem offenen Aufzug, dann sind noch einige Leitern zu erklimmen bis das wirklich oberste Gerüstelement in über 60 Meter Höhe erreicht ist. Von hier oben ist der Ausblick über die Bäderstadt und den Schwarzwald einfach fantastisch. Brückel und ihre Kollegen Robert Schweitzer und Milad Gholampour haben allerdings keine Zeit für einen ausgiebigen Rundumblick.

Ihr Ziel und Auftrag ist es, den Heiligen Apostel Petrus abzumontieren, eine Silhouette aus vergoldetem Kupferblech. 1,90 Meter ist die Figur hoch, 22 Kilogramm schwer.

Petrus mit Schlüssel: der Verwalter des Himmelreichs

Der große Schlüssel in der Hand zeichnet den Apostel als Verwalter des „Himmelreichs“ aus, heißt es dazu auf einer Postkarte der Pfarrgemeinde zum Petrus auf der Kirchturmspitze.

Die Demontage der Werks aus Kupferblech, das auf einem drehbaren Stift sitzt und deshalb auch als Wetterfahne dient, läuft wie am Schnürchen, weil die erforderlichen Handgriffe sitzen – nach einem Regenguss am Vormittag anschließend sogar bei Sonnenschein.

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Da steuert Petrus, der als Wettergott gilt, von ganz oben seinen Teil dazu bei, dass alles klappt, erläutert ein zufriedener Pfarrer Michael Teipel später am Boden die Aufhellung am Himmel.

Über eine lange Holzstange, dem Kaiserstiel, ist die Figur an der Turmspitze befestigt. Auch diese Konstruktion wird genau unter die Lupe genommen. „Wir müssen sicher gehen, dass die Spitze sauber steht“, erläutert Architekt Halder.

Denn nach der Sanierung, wenn Petrus in einigen Wochen wieder die Kirchturmspitze ziert, soll die Konstruktion für die nächsten fünf Jahrzehnte halten. Wann das genau sein wird, steht noch nicht fest.

Mit Seil wird Figur zum Aufzug abgelassen

Per Hand wird die Figur von der Turmspitze abgenommen. Um 11.26 Uhr ist es soweit. Dann wird das 22 Kilo schwere historische Teil an einem Seil zum Aufzug abgelassen und es geht runter. Eine Drohne, die im Auftrag der Kirchengemeinde von Quirin Kuhn gesteuert wird, filmt das außergewöhnliche Ereignis.

Um 11.38 Uhr posieren Pfarrer Michael Teipel und Georg Platz (vom Bauausschuss der Kirchengemeinde) am Boden mit dem vergoldeten Petrus. Dann packen beide mit an und der Apostel verschwindet in einem Lieferwagen, der ihn zur Aufbereitung in eine Werkstatt nach Stuttgart bringt.

Neben einer Grundreinigung bekommt das Metallteil eine neue Grundierung und die Veredelung mit Blattgold folgt. Bevor der Petrus auf die Kirchturmspitze zurückkehrt, wird er in der Wagener Galerie ausgestellt.

Selfies mit Petrus

Dann sollen Selfies mit Petrus möglich sein. Nur Umarmen ist nicht erlaubt. Nein, nicht wegen einer Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus, sondern wegen der empfindlichen Goldschicht, erläutert Pfarrer Teipel.

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Wie lange Petrus schon die Kirchturmspitze bildet, weiß der Seelsorger nicht. Auch Architekt Halder kann diese Frage nicht mit einer konkreten Jahreszahl beantworten. Vermutet wird, dass die Figur 1712/13 aufgebracht wurde.

Kaufhauschef Wagener ist Petrus-Pate

Kaufhauschef Franz-Bernhard Wagener unterstützt die Petrus-Sanierung als Pate. Das Abnehmen der Figur hat er aus nächster Nähe auf dem Turm verfolgt und den „wunderschönen Blick“ genossen. Sein Fazit: „Das war ein Erlebnis!“