Das Baden-Badener Landgericht hat einen pädophilen Schwimmlehrer zu einer hohen Haftstrafe verurteilt. Symbolfoto: dpa

Gericht: Sicherungsverwahrung

Missbrauch von Schülerinnen: Hohe Haftstrafe für Schwimmlehrer

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Zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren und anschließender Sicherungsverwahrung hat das Landgericht Baden-Baden den 34-jährigen Schwimmlehrer verurteilt, der wegen nahezu 200-fachen sexuellen Missbrauchs angeklagt war. Das Gericht befand ihn für schuldig, die Serie von Missbrauchsfällen an mindestens 40 Schwimmschülerinnen in der Region zwischen Kuppenheim und Lörrach begangen zu haben.

Das Landgericht folgte damit weitgehend den Forderungen der Anklagebehörde, die nach insgesamt zehn Prozesstagen bereits am Vormittag in den Plädoyers eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren und sechs Monaten und eine anschließende Sicherungsverwahrung  für den 34-jährigen Schwimmlehrer gefordert hatte. Allerdings geht die Justiz in dem Urteil nur noch von 130 bewiesenen Fällen – darunter drei besonders schweren – aus, da die Aussagen der jungen Opfer zum Teil widersprüchlich gewesen seien. Einige der Mädchen waren zum Tatzeitpunkt erst vier Jahre alt.

Staatsanwältin sieht weiterhin eine Gefahr

Staatsanwältin Stephanie Bauer sah es dagegen als erwiesen an, dass sich der Mann in mindestens 184 Fällen an Schwimmschülerinnen in der Region vergangen hat und dass von ihm auch weiterhin eine Gefahr ausgeht. Dass bereits sie die Zahl der Taten leicht nach unten korrigiert hatte, begründete die Anklägerin damit, dass die Anzahl der Kursstunden, an denen einzelne Opfer teilnahmen und missbraucht wurden, nochmals überprüft wurden.

Anklägerin nennt Täter „abgebrüht“

„Der Angeklagte zeigt nicht ein Mindestmaß an Einsicht“, erklärte Bauer. Sie warf ihm „Abgebrühtheit“ vor. Ein Berufsverbot allein reiche nicht aus, um die Öffentlichkeit zu schützen, da ein hohes Rückfallrisiko bestehe.

Staatsanwältin folgt Gutachter

Die Staatsanwältin folgte damit den Ausführungen des psychiatrischen Gutachters Stephan Bork vom Uniklinikum Tübingen. Er hatte den angeklagten Deutsch-Ukrainer für schuldfähig befunden: Eine „schwere seelische Störung“ könne er bei dem Mann nicht feststellen. Der Psychiater sieht jedoch ein hohes Rückfallrisiko, da sich der Angeklagte seine pädophilen Neigungen überhaupt nicht eingestehe. Seine Taten filmte und fotografierte der Schwimmlehrer teilweise. Dieses Beweismaterial fanden Ermittler der Polizei bei Durchsuchungen in der Baden-Badener Wohnung des Angeklagten.

Fälle schweren Missbrauchs

Dem Mann wird in einigen Fällen schwerer Missbrauch vorgeworfen, da er in die Opfer eindrang. Vor Gericht hatte der Angeklagte versucht, die Schuld insbesondere an diesen schweren Fällen auf einen seiner früheren Arbeitgeber abzuwälzen. Der Schwimmschulen-Betreiber habe einige kinderpornografische Aufnahmen auf der Firmenkamera entdeckt und den Schwimmlehrer dann erpresst, damit er mehr Material liefere und schwerere Missbrauchstaten begehe. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen den früheren Chef nach wenigen Wochen jedoch ein und stufte die Anschuldigungen des Schwimmlehrers als unbegründete „Schutzbehauptung“ ein.

Verteidiger fordert sechs Jahre Gefängnis

Der Verteidiger des Angeklagten plädierte dagegen auf eine Haftstrafe von sechs Jahren – und gegen eine Sicherungsverwahrung. Bei seinen Schlussausführungen sprach Anwalt Christian Süß plötzlich von sieben Jahren Haft, er korrigierte sich erst auf Nachfragen von Pressevertretern. Die Nebenklage-Anwälte, die 23 Opferfamilien in dem Verfahren vertraten, schlossen sich der Forderung der Staatsanwältin an: Für ihre Mandanten sei es entscheidend, dass die Sicherungsverwahrung angeordnet werde, damit der Angeklagte möglichst „nie mehr“ Kinder missbrauchen könne.

Kurse privater Schwimmschulen

Seine Opfer – ausschließlich Mädchen – missbrauchte der Mann bei Kursen mehrerer privater Schwimmschulen in der Region. Tatorte waren Hallenbäder in Kuppenheim, Baden-Baden, Gernsbach, Achern, Lörrach und Bad Herrenalb.

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