HD-Sender: Der Fremersbergturm strahlt das digitale Fernsehen aus.
HD-Sender: Der Fremersbergturm strahlt das digitale Fernsehen aus. | Foto: Rudolphi

Umstellung auf digitales TV

Sendetürme in Baden-Baden haben nicht ausgedient

Anzeige

Sendetürme im Zeitalter von Internet und Satelliten – hat sich das nicht längst überholt? „Keineswegs“, bekräftigt Udo Merzig, der beim Südwestrundfunk (SWR) Baden-Baden für die technische Teilnehmerberatung zuständig ist. Nicht alle Programme für Radio oder Fernsehen kommen durch das Kabel oder aus dem Weltall. „Natürlich brauchen wir noch Senderstandorte, vor allem für die UKW-Ausstrahlung und digital-terrestrische Signale wie DAB+ für den Radio- und DVB-T2 HD für den TV-Empfang“, betont der Experte im BNN-Gespräch.

In und um die Bäderstadt sind das die beiden Funktürme auf dem Merkur und auf dem Fremersberg. Merzig zufolge strahlt der Südwestrundfunk seine digitalen TV-Programme ausschließlich vom Fremersberg aus. Den dortigen Sendeturm betreibt die Deutsche Funkturm GmbH.

Radio vom Merkur

Vom Baden-Baden Hausberg Merkur hingegen kommen nach Auskunft Merzigs die SWR-Radioprogramme SWR1 BW, SWR2, SWR3 und SWR4 KA über UKW, die SWR-Digitalradio-Programme über DAB+ sowie das UKW-Programm, die Neue Welle und das DAB+-Bouquet der Digital Radio Südwest (private Programme).

„Mehr geht dort gar nicht“, erläutert Udo Merzig. Er verweist zum einen darauf, dass der 1837 erbaute Aussichtsturm unter Denkmalschutz steht, zum anderen auf die Statik des jüngeren Anbaus mit einem 63 Meter hohen Antennenträger aus Stahlrohr.

TV-Programm vom Fremersberg

Das digital-terrestrische TV-Programm ist deshalb auf den Fremersbergturm gebündelt. In diesem Spektrum gewinnt vor allem das terrestrische Digitalfernsehen (DVB-T2 HD) immer mehr an Bedeutung. Warum erfolgt die Umstellung auf DVB-T2 HD?

Der Begriff DVB-T bezeichnet die terrestrische Verbreitung digitaler Fernsehsignale über Antenne. DVB-T2 steht als Abkürzung für Digital Video Broadcasting – terrestrial, 2nd generation. Es ist eine Initiative von ARD, den Medienanstalten, der Mediengruppe RTL Deutschland, ProSiebenSat.1 Media G, VPRT und ZDF.
Die deutschen TV-Veranstalter haben unter dem Label DVB-T2 HD eine senderübergreifende Initiative ins Leben gerufen, um die Änderungen in der digital-terrestrischen Verbreitung (DVB-T) kommunikativ zu begleiten. Mit DVB-T2 HD bieten ARD und ZDF über Antenne eine deutlich bessere Bildqualität in Full-HD sowie eine größere Programmauswahl – kostenfrei und unverschlüsselt.
Ab dem jeweiligen Umstellungstermin benötigen Zuschauer ein DVB-T2-HD-fähiges Endgerät – dies kann ein Fernseher oder eine entsprechende Set-Top-Box sein.
Als Orientierungshilfe für Zuschauer beim Kauf von Endgeräten hat die gemeinsame Initiative ein Logo unter dem Namen „DVB-T2 HD“ geschaffen. Das Logo signalisiert: Dieses Gerät ist uneingeschränkt kompatibel zu den neuen in Deutschland eingesetzten Standards.

Um den Ausbau des Breitband-Internets in den ländlichen Regionen zu fördern, hat die Bundesregierung beschlossen, einen Teil der bisher für DVB-T genutzten Übertragungsfrequenzen auf den Mobilfunk umzuwidmen. Darüber hinaus ist die Bereitstellung eines größeren Programmangebots oder HDTV über DVB-T nicht möglich.

Digitale Ausstrahlung

Um zukunftsfähig zu bleiben, setzt die ARD – wie alle deutschen TV-Veranstalter – auf den Nachfolgestandard DVB-T2 HD. Bei der digitalen Ausstrahlung lassen sich diese Funkkanäle effizienter ausnutzen als bei analoger Fernsehtechnik, da sich mehrere Fernsehprogramme pro Funkkanal in Form eines Multiplex übertragen lassen.

Umstellung ist bald beendet

Der SWR hat im Vorjahr mit der Umstellung begonnen, die in den nächsten Wochen im Sendegebiet zunächst in Baden-Württemberg und dann auch in Rheinland-Pfalz abgeschlossen sein soll. Merzig zufolge ist die Region Baden-Baden bereits seit Ende März 2017 auf digital-terrestrischen HD-Empfang umgestellt. Die Signale dafür kommen vom Fremersberg.

Bildqualität wird besser

Das neue System habe die gleiche technische Reichweite wie der frühere Standard, biete aber eine bessere Bildqualität. Noch ein Vorteil: Der Empfang ist kostengünstiger als etwa über das Internet. Je nach Entfernung zum Sender reicht entweder eine im Gerät eingebaute Antenne, Zimmer-, Außen- oder Dachantenne.

Merzig betont, beim digital-terrestrischen Fernsehen liege die flächendeckende Versorgung nach der Umstellung bei über 80 Prozent, zumal neue Senderstandorte wie etwa in Grünwettersbach bei Karlsruhe hinzukommen.