Neue Wohnungen braucht das Land, zumindest das wachsende Baden-Württemberg. Nur: Wie lassen sich diese rasch schaffen? Eine einfache Lösung – nach dem Motto „Mehr Äcker bebauen“ – gibt es nicht, hieß es beim Sparkassen-Kommunalforum.
Neue Wohnungen braucht das Land, zumindest das wachsende Baden-Württemberg. Nur: Wie lassen sich diese rasch schaffen? Eine einfache Lösung – nach dem Motto „Mehr Äcker bebauen“ – gibt es nicht, hieß es beim Sparkassen-Kommunalforum. | Foto: dpa

Sparkassen-Forum Baden-Baden

Sind Mini-Häuser und Neubauten auf dem Acker ein Ausweg aus der Wohnraum-Misere?

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Wohnungsmangel und kein Ende: Beim Kommunalforum der Sparkassen-Finanzgruppe am Dienstag in Baden-Baden fordert Haus & Grund-Vertreter Ottmar Wericke klipp und klar: mehr Neubau. „Es hat keinen Sinn, an Randsymptomen wie Zweckentfremdung oder Airbnb herumzudoktern“, so der Repräsentant von 170 000 Haus- und Wohnungseigentümern im Südwesten.

Der Berliner Architekt Van Bo Le-Mentzel träumt von Mini-Häusern, Mehrgenerationenhäusern, Einkaufszentren und Kleingärten, die übereinander gestapelt werden, um Wohnraum zu schaffen. Die Wiener Evolutionsbiologin Elisabeth Oberzaucher schwärmt von einem Ikea-Neubau mitten in ihrer Heimatstadt – politische Auflage für das Projekt war, dass ergänzend ein Wohnhaus mit einem öffentlichen Park auf dem Dach geschaffen wird.

Verbandsfunktionäre sehen einen realistischeren Ansatz in einem Dreiklang: mehr Bauland schaffen, mehr in den Innenstädten und Dorfzentren verdichten, vor allem aber schneller werden bei den Baugenehmigungen. Beim Kommunalforum der Sparkassen-Finanzgruppe am Dienstag in Baden-Baden sprach sich Haus & Grund-Vertreter Ottmar Wericke klipp und klar für mehr Neubau ein.

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„Es hat keinen Sinn, an Randsymptomen wie Zweckentfremdung oder Airbnb herumzudoktern“, sagte er und sprach sich dafür aus, neben der Innen- und Nachverdichtung den Neubau auf der grünen Wiese zu fördern. „Und das trotz der damit einhergehenden Flächenversiegelung.“

Neubauten auf dem Acker als Ausweg aus der Wohnraum-Misere?

Roger Kehle, Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg, ist diese Aussage zu pauschal. Die Neubau-Lösung müsse zur jeweiligen Kommune passen und mit Augenmaß erfolgen. Für Margret Mergen ist es entscheidend, bestehende Stadtteile immer wieder behutsam zu erweitern. Sonst würden dort irgendwann nur noch alte Menschen wohnen, mit allen negativen Konsequenzen: Kindergärten müssten geschlossen werden, Vereine verlören Mitglieder, so die Oberbürgermeisterin von Baden-Baden.

Ein eigenes Häuschen oder eine eigene Wohnung ist nach ihren Worten übrigens „die beste Altersversorgung“. Baden-Württembergs Sparkassenpräsident Peter Schneider findet es jedoch bedenklich, dass Banken wegen des scharfen Wettbewerbs inzwischen Immobiliendarlehen ohne Eigenkapital genehmigen. Da baue sich ein erhebliches Risiko für Kreditanbieter und Kreditnehmer auf. Schneider: „Die Sparkassen beteiligen sich an diesem Unterbietungswettbewerb nicht.“

Staat  ist „größter Profiteur“ der EZB-Politik

Und noch etwas fällt Schneider auf: Der Staat sei „der größte Profiteur“ der EZB-Politik, weil er für seine Schulden kaum Zinsen bezahlen muss. „Es ist überfällig, dass er wenigstens einen Teil an die Sparer zurückgibt – zum Beispiel mit dem Ausbau der Wohnbauförderung.“

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Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) kündigt vor den 500 Gästen des S-Kommunalforums einen Erlass an: Damit werden bald Städte und Gemeinden gefördert, die selbst sozial gebundenen Mietwohnungsraum schaffen wollen. Die Ministerin sieht die Kommunen dadurch unter Zugzwang. Höchste Zeit für solche Schritte ist es aus Sicht von Rolf Gaßmann.

Besserer Schutz für Mieter gefordert

Der Vorsitzende des Deutschen Mieterbundes im Südwesten fordert angesichts explodierender Mietpreise auch einen besseren Schutz für Mieter. Gaßmann: „Weil der Mangel wächst, gibt es leider viele Vermieter, welche dies mit unanständig hohen Mieten ausnutzen.“ Er fordert die Politik auf, juristisch einwandfreie Gesetze zu schaffen, „damit Mietwucher wieder verfolgt werden kann“. Auch eine Mietpreisbremse sei nötig.

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Für Joachim Walter, Präsident des Landkreistages, sind geförderte ÖPNV-Verbindungen in kleine Gemeinden wichtig, damit diese attraktiv bleiben – und dort neue Wohnungen entstehen. Die Diskussion auch beim Sparkassen-Forum zeigt, dass es viele Lösungsansätze gibt. Kehle: „Vor allem brauchen wir einen breiten gesellschaftlichen Konsens, neue Wohnungen zu errichten. Davon sind wir noch weit entfernt.“