Schwarzwaldhochstraße
Schön, aber für viele Motorradfahrer gefährlich: Die Schwarzwaldhochstraße zwischen Baden-Baden und Freudenstadt ist ein beliebtes Ausflugsziel für Biker. Immer häufiger kommt es dabei zu schweren Unfällen. | Foto: Archiv Spether

Schwarzwaldhochstraße

Sorgenkind B500: Motorradunfälle bleiben Dauerthema bei der Polizei

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Sie gilt als eine der beliebtesten Strecken für Motorradfahrer im Land: die B500 zwischen Baden-Baden und Freudenstadt. Doch immer wieder verlieren Biker auf der Schwarzwaldhochstraße ihr Leben oder werden schwer verletzt.

Erst vergangenen Sonntag passierte dort einer der schwersten Unfälle seit langem: Zwei Motorradfahrer aus Frankreich und dem Enzkreis starben, ein Dritter wurde schwer verletzt. Wer an dem Unfall schuld ist, sei laut Polizei schwer zu sagen, beide Biker seien wohl zu weit in der Mitte gefahren. „Eigentlich ist die B500 super ausgebaut“, sagt Peter Westermann, Leiter der Polizeiverkehrsdirektion beim Polizeipräsidium Offenburg. Dennoch ist die Schwarzwaldhochstraße der Unfallschwerpunkt schlechthin, der Westermann und seine Kollegen bei der Offenburger Polizei immer wieder beschäftigt.

Düstere Bilanz

17 Motorradunfälle hat es in diesem Jahr auf der B500 schon gegeben. Vier Menschen verloren dabei ihr Leben, zwei wurden schwer verletzt. Die Bilanz für das laufende Jahr 2018 fällt düster aus. Erst recht, weil sie im vergangenen Jahr auf einem historischen Tief lag. 2017 passierten auf der Schwarzwaldhochstraße zwölf Unfälle, so wenige, wie schon lange nicht mehr. Auch dabei starben zwei Biker, sieben wurden schwer verletzt.

Reizvolle Strecke

Der Reiz der B500 scheint ihre Gefahr auszumachen. „Die Schwarzwaldhochstraße ist das Eldorado für Motorradfahrer“, meint Westermann. Aus ganz Baden-Württemberg, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und sogar aus England reisten sie an. An den Wochenenden seien an manchen Tagen bis zu 4000 Biker auf der B500 unterwegs.

Schwarzwaldhochstraße
Aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden und sogar England kommen die Biker, um auf der Schwarzwaldhochstraße zu fahren. | Foto: Archiv Margull

„Die Straße ist landschaftlich reizvoll“, erklärt der Direktionsleiter. Zahlreiche Kurven, eine schöne Aussicht auf die Rheinebene und viele Motorradtreffs zum Einkehren – kurzum: Alles, was einem Motorradfahrer Spaß mache. Zudem diene die Schwarzwaldhochstraße als Verbindung zwischen Baden und Württemberg.

Gefährliche Zubringer

Doch die B500 ist nicht das einzige Sorgenkind der Polizei. Auf der L83 etwa, einem Abzweiger der Schwarzwaldhochstraße, die zur Schwarzenbachtalsperre führt, passierten ebenso häufig schwere Unfälle. Die Straße sei landesweit eine der Auffälligsten.

Das hängt meiner Meinung nach alles mit der B500 zusammen.

Im Fokus der Polizisten stehe auch die L613 bei Gaggenau, ebenso die L92 und B28 bei Oppenau, die L78 und L79 bei Gernsbach und die K5370 bei den Wasserfällen Allerheiligen. „Das sind alles Zubringer zur Schwarzwaldhochstraße“, sagt Westermann und weiter: „Das hängt meiner Meinung nach alles mit der B500 zusammen.“

Strenges Tempolimit

Die Polizei mache viel, um endlich für mehr Sicherheit auf den beliebten Strecken zu sorgen. Westermann spricht von präventiven Maßnahmen, im letzten Jahr an der B500, in diesem Jahr an der Schwarzenbachtalsperre. Dabei suchten die Beamten ganz gezielt das Gespräch mit den Bikern. Kurvenleittafeln seien ebenso ausgebaut worden wie der Unterfahrschutz, der beim Sturz eines Motorradfahrers verhindern soll, dass dieser unter der Leitplanke durchrutscht.

Motorradfahren macht Spaß, meint auch Peter Westermann, Leiter der Polizeiverkehrsdirektion beim Präsidium Offenburg. Dennoch sollten die Risiken nicht unterschätzt werden. | Foto: dpa

Zudem seien die Markierungen erneuert und die Geschwindigkeit begrenzt worden. Auf weiten Teilen der Schwarzwaldhochstraße herrscht Tempo 70, an besonders unfallträchtigen Stellen sogar Tempo 50. Für eine Bundesstraße ein wirklich ungewöhnlich strenges Limit, meint Westermann.

1700 zu schnell unterwegs

Viele der Biker hielten sich dementsprechend auch nicht an die Vorschriften. 1000 Geschwindigkeitsverstöße habe es im letzten Jahr bei den Kontrollen der Beamten gegeben, allein im laufenden Jahr seien es schon 1700 gewesen. Erst am Samstag sei noch in der Nähe der Stelle gemessen worden, an der am Sonntag die zwei Motorradfahrer ihr Leben verloren.

Kleines Trostpflaster

Große Rückgänge der Unfallzahlen auf der B500 gebe es nicht, sagt Westermann, die Unfallzahlen blieben bis auf kleine Schwankungen konstant: „Ein Level, das man wohl hinnehmen muss.“ Ein kleines Trostpflaster gebe es: Trotz vieler neuer Motorrad-Zulassungen seien die Zahlen wenigstens nicht gestiegen. Denn immer mehr Menschen scheinen das motorisierte Zweirad – wieder – für sich zu entdecken.

Es verunglücken nicht nur die Raser.

In den vergangenen zehn Jahren hätte sich der Bestand in Deutschland um 25 Prozent erhöht, erklärt Westermann, inzwischen seien es über 600 000 deutschlandweit. Vor allem viele Männer Ü50 würden sich erneut ans Motorradfahren wagen. Insgesamt verunglückten Männer auf ihren Motorrädern viel häufiger als Frauen.

Nicht nur Raser haben Unfälle

Im Fokus der Beamten stünden dabei vor allem jüngere und ältere Fahrer. Den Jungen fehle oft noch die Erfahrung, sagt Westermann, und so manchem Wiedereinsteiger Ü50 täte ein Fahrsicherheitstraining gut. „Es verunglücken nicht nur die Raser“, stellt der Direktionsleiter klar: Unter den Verletzten und Toten seien auch Fahrer, die ihrer Maschine nicht beherrschten. Denn bei Unfällen außerorts seien in über zwei Dritteln der Fällen die Fahrer schuld, die alleinbeteiligt stürzten. Innerorts sehe das anders aus, hier verursachten zu etwa 60 Prozent die anderen Verkehrsteilnehmer Motorradunfälle, etwa durch die Missachtung der Vorfahrt.

Alle in der Pflicht

Letztlich habe es der Motorradfahrer auch selbst in der Hand, so Westermann. Wer aufs Motorrad steige, müsse sich vorher im Klaren sein, dass das Fahren nicht nur toll, sondern auch riskant sei. „Motorradfahren per se ist schon gefährlich“, so der Polizist, deswegen müssten alle dazu beitragen, dass solch schwere Unfälle wie der am Sonntag auf der B500 nicht mehr passierten.

Die Schwarzwaldhochstraße ist Teil der Bundesstraße 500 und verläuft zwischen Baden-Baden und Freudenstadt im Nordschwarzwald. Passiert werden auf der Strecke die Berge Mehliskopf, Hornisgrinde und Kniebis, außerdem führt eine Abzweigung zur Schwarzenbachtalsperre. Beide Strecken sind bei Motorradfahrern sehr beliebt.