Um Klimaschutzziele zu erreichen, müssen viele Baden-Baden auch umweltfreundlich radeln. Auch im Fuhrpark der Stadtverwaltung gibt es Fahrräder - und Elektroautos.
Um Klimaschutzziele zu erreichen, müssen viele Baden-Baden auch umweltfreundlich radeln. Auch im Fuhrpark der Stadtverwaltung gibt es Fahrräder - und Elektroautos. | Foto: Bernd Kamleitner

Nach Messung der Luftqualität

Stadt Baden-Baden lässt eine Klima-Analyse erstellen

Anzeige

Nachdem Luftqualitätsmessungen für Baden-Baden das Prädikat „Staatlich anerkanntes Heilbad“ bestätigt haben, lässt die Verwaltung der Bäderstadt eine Stadtklima-Analyse erstellen. Das bestätigte Rudolf-Karl Teichmann. Erste Ergebnisse könnten Anfang des nächsten Jahres vorliegen, sagte der Leiter des Fachgebiets Umwelt und Arbeitsschutz der Stadtverwaltung.

An der Analyse sind verschiedene Ämter im Rathaus beteiligt, zudem wird ein Ingenieurbüro Luftbilder von Baden-Baden auswerten. Die Aufnahmen aus der Vogelperspektive sollen im Sommer gemacht werden.
Bei der Stadtklima-Analyse geht es unter anderem um die Frage, wie sich etwa die Gestaltung der Bebauung, Grünflächen und Brunnen wie am Leopoldsplatz auf das Stadtklima auswirken.

Für eine Kima-Analyse sollen in Baden-Baden auch Luftbilder ausgewertet werden. Das Luftbild zeigt die weltberühmte Lichtentaler Allee mit der Gönner-Anlage aus der Vogelperspektive.
Für eine Kima-Analyse sollen in Baden-Baden auch Luftbilder ausgewertet werden. Das Luftbild zeigt die weltberühmte Lichtentaler Allee mit der Gönner-Anlage aus der Vogelperspektive. | Foto: Bernd Kamleitner

Anfang des Jahres hatte eine Zwischenbilanz zum Energie- und Klimaschutzkonzept der Stadt ein ernüchterndes Ergebnis gebracht. Nach einem im Jahr 2010 beschlossenen Konzept sollte etwa der CO2-Ausstoß in Baden-Baden bis zum aktuellen Jahr 2020 um 37 Prozent verringert werden.

Mehr zum Thema: Baden-Baden bleibt ein staatlich anerkanntes Heilbad

Dieses im bundesweiten Vergleich sehr ambitionierte Ziel wird aber deutlich verfehlt, räumte ein Experte beim Klimadialog der Stadtverwaltung damals ein.

Wie wirken sich Grünanlagen und Wasserspiele auf das lokale Klima aus? Das wird im Zuge einer Klima-Analyse in Baden-Baden überprüft.
Wie wirken sich Grünanlagen und Wasserspiele auf das lokale Klima aus? Das wird im Zuge einer Klima-Analyse in Baden-Baden überprüft. | Foto: Bernd Kamleitner

Ein Problem: der Individualverkehr

Anhand von Zahlen für das Jahr 2018 erläuterte er, dass sich bei der Erzeugung regenerativer Energie und beim Stromverbrauch zwar relativ viel getan habe, aber das sei nicht genug. Beim motorisierten Individualverkehr, ein Baden-Badener Dauerproblem, sei der CO2-Ausstoß sogar deutlich angestiegen.

Aufgrund der erheblichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens wegen der Coronavirus-Pandemie ist derzeit das Verkehrsaufkommen in der Bäderstadt erheblich zurückgegangen.

Vorgaben für Prädikat Heilbad zum Teil „deutlich unterschritten“

Das Prädikat Heilbad ist nach Ansicht der Gutachter des Deutschen Wetterdienstes trotz höherer Feinstaub- und Stickstoffdioxidkonzentrationen im Winter und bei austauscharmen Wetterlagen sowie bei Grobstaub bei trocken-warmer Witterung im Sommer nicht gefährdet. Die Vorgaben würden in der Stadt an der Oos deutlich unterschritten oder eingehalten. „Wir sind auf einer grünen Insel“, bilanziert Teichmann.

Ein Problem in Baden-Baden ist das hohe Verkehrsaufkommen. In der derzeitigen Corona-Krise fahren allerdings deutlich weniger Autos in der Bäderstadt.
Ein Problem in Baden-Baden ist das hohe Verkehrsaufkommen. In der derzeitigen Corona-Krise fahren allerdings deutlich weniger Autos in der Bäderstadt. | Foto: Bernd Kamleitner

Die DWD-Experten empfehlen aber emissions- und immissionsmindernde Maßnahmen, die zu „einer weiteren, nachhaltigen Qualitätssicherung“ des Prädikats beitragen. Demnach sollten die Einwohner weiter über Energieeinsparung im Alltag informiert, die Erdgasversorgung sowie alternative Energiequellen mehr genutzt sowie der ÖPNV verstärkt ausgebaut werden.

Experten empfehlen Kontrolle von Heizungsanlagen

Zudem sollten Heizungsanlagen von Gewerbebetrieben und Privathaushalten, darunter auch Kaminöfen, auf Stickoxid-, Feinstaub- und Ruß-Emissionen „regelmäßig überprüft“ werden. Wenn sie nicht den neuesten gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, sollte „eine zeitnahe Umrüstung oder ein Austausch“ von der Stadt „konsequent verfolgt und überwacht werden“, heißt es.

Wie berichtet verzichtet die Verwaltung darauf, mit einem Zusatz auf den Ortsschildern auf den Titel Heilbad hinzuweisen. Angesichts des weltweiten Bekanntheitsgrads der Stadt bedeute das keinen weiteren Werbeeffekt,argumentiert die Rathausspitze.

Mehr Elektroautos und ein weiterer Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs sollen in Baden-Baden für eine noch bessere Luftqualität sorgen.
Mehr Elektroautos und ein weiterer Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs sollen in Baden-Baden für eine noch bessere Luftqualität sorgen. | Foto: Bernd Kamleitner

Für das Tourismusgeschäft, das in der Corona-Krise zum Erliegen gekommen ist und deren Folgen für Baden-Baden noch nicht absehbar sind, hat das Prädikat „Heilbad“ dennoch grundsätzliche Bedeutung. Es gilt für die Kernstadt sowie für die Stadtteile Lichtental, Geroldsau, Balg und Oos.

Neuweier darf sich Erholungsort nennen

Der Ortsteil Neuweier darf sich seit November 2011 „Erholungsort“ nennen. Gute Luftqualität und gesundes Klima zeichnen Erholungsorte aus, heißt es. Die Prädikate werden vom Deutschen Tourismusverband und vom Deutschen Heilbäderverband vergeben.