Sonnenschirm, ein Fächer mit Marabu-Federn und edle Handschuhe hatte die feine Dame einst im Reisegepäck. Das zeigt die Ausstellung in Baden-Baden.
Sonnenschirm, ein Fächer mit Marabu-Federn und edle Handschuhe hatte die feine Dame einst im Reisegepäck. Das zeigt die Ausstellung in Baden-Baden. | Foto: Kamleitner

Kooperation in der Region

Stadtmuseum Baden-Baden zeigt Ausstellung zu „Landpartien Nordschwarzwald“

Anzeige

Ein Traum von Heike Kronenwett ist geplatzt. Leider! In der neuen Ausstellung „Landpartien Nordschwarzwald“ hätte sie gerne eine Postkutsche aus der Mannheimer Sammlung Scheidel präsentiert. „Sie passt nicht durch die Tür“, erläutert die Leiterin des Stadtmuseums. Wenn an diesem Freitag um 19 Uhr die Ausstellung eröffnet wird, gibt es dennoch eine Postkutsche zu sehen – als Modell.

Ein anderer Traum von Kronenwett könnte sich aber noch erfüllen: Die Museumschefin hofft, dass bis Ende des Jahres mehr als 10.000 Besucher ihr Haus an der Allee mit vielen historischen Schätzen besucht haben. Das wäre ein Besucherrekord.

Stadt Baden-Baden begeisterte Gäste

Rekordverdächtig für die Verhältnisse im 19. Jahrhundert waren die Besucherzahlen in der Europäischen Sommerresidenz, wie Baden-Baden damals genannt wurde. In den 1860er Jahren waren es in der Saison von Mai bis September bis zu 60.000 Touristen – fast 20 Mal so viele wie die Stadt zu der Zeit Einwohner hatte. „Baden-Baden bediente alle Sehnsüchte“, erläutert die Museumschefin den Grund für die Reiselust der Menschen, die vor allem aus Frankreich, aber auch aus Großbritannien, Holland, Russland und aus Amerika ins Oostal reisten. Damals wie heute begeisterte Baden-Baden mit der Lage im Grünen und seiner Urbanität.

Gut ausgestattet: Ein englischer Picknickkoffer aus dem Jahr 1910.
Gut ausgestattet: Ein englischer Picknickkoffer aus dem Jahr 1910. | Foto: Kamleitner

Erster Reiseführer im Jahr 1805

„Am Anziehungspunkt hat sich nicht viel geändert“, findet Kronenwett. Viele Sehenswürdigkeiten in der Stadt und der Region würden noch heute geschätzt. Das dokumentiert die neue Schau, bei der unter anderem viele schöne Stücke rund um das Thema Reisen aus den Jahren um 1800 bis 1914 aus der städtischen Sammlung gezeigt werden. Selbst der Baden-Baden-Kenner kann noch zusätzliches Wissen über seine Heimat erwerben. Hätten Sie etwa gewusst, dass der erste Reiseführer für Baden-Baden schon im Jahr 1805 erschien?

530 Kilometer per Kutsche

Gängiges Reisemittel in den frühen Jahren des Tourismus in Baden-Baden: Klar, die Postkutsche, später die Bahn. Nach heutigen Maßstäben entsprach das Kutschentempo einem Schneckentempo. Der baltische Maler Ernst Bosse weilte im Winter 1831/32 in der Stadt. Für die 1750 Kilometer von Riga an die Oos war er mit der Kutsche 13 Tage unterwegs. Die Pferde bewältigten 135 Kilometer am Tag, erfährt man in der Präsentation. In drei Tagen schaffte der Komponist Giacomo Meyerbeer 1833 die 530 Kilometer mit der Kutsche von Paris nach Baden-Baden, macht 180 Kilometer am Tag – das entspricht etwa der Strecke von Baden-Baden nach Frankfurt.

Damen hielten die Zügel in der Hand

Ständiger Begleiter durch die Schau auf zwei Etagen sind Lithografien des französischen Malers und Zeichners Afred Darjou (1832-1874), der einst eine Reise nach Baden-Baden mit 30 Werken illustrierte und auf satirische Weise kommentierte. Heute würde der Künstler wohl bei einem Satiremagazin arbeiten. Eine Originalkutsche kann Kronenwett im Stadtmuseum aber doch noch zeigen: eine Parkkutsche. Damit waren früher feine Damen in der Lichtentaler Allee unterwegs. Gezogen wurde sie von einem Pony oder einem kleinen Pferd. Die Zügel hielt die feine Dame selbst in der Hand.

Ganz schön üppig war das Getränkeangebot im Konversationshaus (Kurhaus) in Baden-Baden im Jahr 1908: 43 Sorten deutsche und französische Champagner sowie 18 deutsche Schaumweine standen auf der Karte, ferner 128 Weine, darunter 25 rote Bordeaux, 57 Tropfen vom Rhein und 17 aus Baden. Zum Teil waren Jahrgänge bis ins Jahr 1871 verfügbar. Das Bierangebot war dagegen mit vier Sorten eher bescheiden. Dafür gab es beim Antialkoholischen immerhin elf Sorten an Mineralwasser.

„Landpartien Nordschwarzwald“

Vier Museen widmen sich gemeinsam dem Thema „Landpartien Nordschwarzwald“. Sie zeigen in vier unterschiedlichen Ausstellungen die Vielfalt der Region.

„Reise ins Weltbad“

Stadtmuseum Baden-Baden: 18. Mai bis zum 10. November, Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

„Ins romantische Murgtal“

Stadtmuseum Rastatt: 24. Mai bis 9. Februar, Donnerstag bis Samstag von 12 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertage von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

„Das reizvolle Albtal“

Museum Ettlingen: 29. Mai bis 29. Dezember, Mai bis August immer Mittwoch bis Sonntag von 13 bis 18 Uhr geöffnet. September bis April: Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

„Der Turmberg ruft“

Pfinzgaumuseum Karlsruhe-Durlach: 1. Juni bis 1. Dezember, mittwochs von 10 bis 18 Uhr, samstags 14 bis 18 Uhr, sonntags 11 bis 18 Uhr.